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Ribnitz-Damgarten Alte Eisengießerei: Ein Stück Barther Geschichte verschwindet
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Alte Eisengießerei: Ein Stück Barther Geschichte verschwindet
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20:39 28.11.2019
Auf dem Gelände der früheren Eisengießerei in Barth werden einsturzgefährdete Dachteile abgerissen. Quelle: Volker Stephan
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Barth

Schon viele Jahre wird in Barth über den Abriss der alten Gebäude auf dem Gelände der Pommerschen Eisengießerei in der Chausseestraße diskutiert, jetzt rückten die Bagger an. „Es handelt sich allerdings nur um einen Teilabriss“, erklärte der Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft (Wobau) der Stadt Barth, Reinhard Marx. Die Wobau ist Eigentümer der Fläche und hat den Teilabriss einiger einsturzgefährdeter Dachbereiche in Auftrag gegeben.

Dabei handelt es sich laut Geschäftsführer um eine reine Sicherungsmaßnahme. „Wir mussten schon in diesem Jahr einen Bauzaun aufstellen und die Situation hat sich noch weiter verschärft. Ein Statiker hat sich auf dem Gelände umgeschaut“, sagte Reinhard Marx. Der Fachmann sei zu dem Schluss gekommen, dass auch einige Wände einsturzgefährdet seien und dringend gehandelt werden müsste. Allein diese Sicherungsmaßnahmen würden knapp unter 50 000 Euro kosten. Die Arbeiten sollen am Freitag, 29. November, abgeschlossen sein.

Komplettabriss und Bodensanierung kosten Millionen

Für den Komplettabriss mit Sanierung der kontaminierten Bodenbereiche stünden momentan keine Mittel zur Verfügung. „Das geht in die Millionen. Um das gesamte Grundstück zu beräumen, werden wir noch mindestens zwei, drei Jahre benötigen. Auf dem Grundstück befinden sich viele Altlasten“, sagt der Wobau-Geschäftsführer. Alleine könne die Wobau dieses Projekt auf keinen Fall stemmen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Stadt deshalb einen Förderantrag gestellt, allerdings eine Absage vom Landesförderinstitut bekommen. „Wir bleiben aber dran“, sagte Karen Hoppenrath, Sachgebietsleiterin Räumliche Planung/Bauverwaltung. „Im Dezember wird der Bürgermeister wieder im Wirtschaftsministerium sein und das Thema noch einmal ansprechen.“

Wobau plant betreutes Wohnen

Die Wobau plant auf dem knapp 10 000 Quadratmeter großen Gelände einen Gebäudekomplex für betreutes Wohnen. „Die Pläne liegen schon in der Schublade“, sagte Reinhard Marx. Bis zu 80 Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Industriegelände entstehen. Zudem soll es eine Tages- und Kurzzeitpflege geben.

Die Fassade der Pommerschen Eisengießerei steht nicht unter Denkmalschutz, doch sollen historisch wertvolle Stücke, wie Jahreszahlen aus Metall oder Metallgitterfenster, aufbewahrt werden, um in die Gestaltung späterer Bauwerke einzufließen.

Ein Blick in die Geschichte der Eisengießerei

1872 erbaute Wilhelm Kobes an der Chausseestraße eine Eisengießerei und Maschinenfabrik. Das Foto stammt aus dem Jahr 1986. Quelle: Archiv Mario Galepp

1872 erbaute Wilhelm Kobes für 270 000 Mark an der Chausseestraße eine Eisengießerei und Maschinenfabrik. Hier wurden unter anderem Gussteile für Landmaschinen, für den Schiffbau und für Grabplatten angefertigt. „Noch heute findet man auf den Friedhöfen Grabplatten aus der Barther Eisengießerei“, berichtet der Barther Siegfried Stuchly. 1888 verkaufte Wilhelm Kobes den Betrieb an Franz Schlör.

Im Jahr 1890 wurde der Betrieb von der Pommerschen Eisengießerei und Maschinenfabrik Stralsund übernommen und war ab 1925 nur noch eine Filiale des Stammwerkes in Stralsund. Während im Stammwerk in Stralsund rund 160 Mitarbeiter tätig waren, waren in Barth 360 Mitarbeiter beschäftigt.

Nach der Demontage der Eisengießerei 1945, wurde ab September 1946 der erste Guss wieder gegossen. 1946 wurde der Betrieb dann ins Volkseigentum überführt und in „VEB Landmaschinenwerke Barth“ umbenannt. 1950 erfolgte die Grundsteinlegung für eine neue Gießereihalle. 1970 wurde aus dem Landmaschinenbau Barth der Schiffsanlagenbau Barth. 1971 wurde die Gießerei als eigenständiger Betrieb unter dem Namen Pomeg ausgegliedert. 1998 erfolgte der letzte Abstich. Im Januar 2000 wurde der Gewerbestandort abgemeldet. Ab 2002 erfolgten die Demontage und der Abriss der Gießerei. In der 125-jährigen Geschichte wurden rund 210 000 Guss hergestellt.

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Von Anika Wenning und Volker Stephan

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