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Ribnitz-Damgarten Aufbruchstimmung im Vogelpark Marlow
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Aufbruchstimmung im Vogelpark Marlow
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05:54 30.03.2019
Die beliebte Wellensittich-Anlage im Vogelpark Marlow war bei der Schneekatastrophe völlig zerstört worden. Noch vor Ostern soll die Voliere wieder eröffnet werden. Quelle: Robert Niemeyer
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Marlow

Das Lächeln ist zurück, die Augen strahlen, ja, die Vorfreude ist Matthias Haase wahrlich anzumerken, als er an diesem Morgen in der Gaststätte „Zum tänzelnden Dodo“ berichtet, was in den vergangenen zwölf Monaten im Vogelpark Marlow so alles passiert ist. „Es herrscht eine wirkliche Aufbruchstimmung“, sagt der 59-Jährige. Das sah vor ziemlich genau einem Jahr noch ganz anders aus.

Unter Schneemassen zusammengebrochen: Die Wellensittichvoliere im Vogelpark Marlow vor einem Jahr. Quelle: privat

Die Bilder sind dem Park-Chef noch genau in Erinnerung. In der Nacht zum 1. April war sein Lebenswerk eingestürzt. Sämtliche der großen Volieren im Vogelpark Marlow waren in der Nacht vom 30. März auf Ostersonntag, 1. April, nach heftigen Schneefällen unter der Last der Schneemassen zusammengebrochen. Der Schaden betrug damals nach ersten Schätzungen mehr als 700000 Euro. Gut 50 Vögel entwichen aus dem Park, einige starben. Haase und seine Mitarbeiter standen unter Schock. Die Zukunft der beliebten Touristenattraktion im Südwesten des Landkreises Vorpommern-Rügen hing am seidenen Faden. „Wir waren fix und alle, am Boden zerstört“, erinnert sich Haase.

Niemals aufgegeben

Doch ans Aufgeben dachte niemand, schon gar nicht, als bereits am Ostersonntag zahlreiche Menschen bei den Aufräumarbeiten halfen oder geflohene Vögel zurückbrachten. Mehr als 150000 Euro wurden aus der Bevölkerung für den Wiederaufbau gespendet. Haase: „Die Anteilnahme war unglaublich.“ Bereits am Ostermontag besuchte eine Delegation von Politikern, darunter Wirtschaftsminister Harry Glawe und Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann, den Park und sicherte finanzielle Unterstützung zu. Fast zwei Millionen Euro Fördermittel wurden letztlich bewilligt.

25 Jahre Vogelpark Marlow

Nach dem überstandenen, schwierigen Jahr 2018 startet der Vogelpark Marlow in diesem Jahr in seine Jubiläumssaison. Das 25. Jahr des Bestehens werde jedoch eher klein gefeiert. Im Internet findet eine Verlosungsaktion statt. Am Gründungstag wird es 25 Prozent Rabatt auf die Eintrittspreise geben.

Am 2. Juli 1994 eröffnete der Vogelpark in Marlow seine Tore. „Der Eingangsbereich bestand aus einem ehemaligen Carport“, erinnert sich Matthias Haase. Wenn in Marlow Anfang der 1990er-Jahre etwas abgerissen wurde, landete das Material in der Regel im Vogelpark. 35 000 Gäste kamen im ersten halben Jahr des Bestehens. Mittlerweile sind es jährlich rund 250 000. In den Anfangsjahren wurde jedes Jahr eine neue Attraktion eröffnet, so Haase. Dennoch: „Es hat ein paar Jahre gedauert, bis wir wussten, was die Gäste wollen.“

Bis 2006 ging es aufwärts, dann kam die Vogelgrippe. „Da haben wir richtig viele Besucher verloren“, so der gebürtige Kamenzer (Sachsen), der vor dem Projekt Vogelpark sechs Jahre im Rostocker Zoo gearbeitet hat. Dank der Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die laut Haase auf Landes- und Bundesebene Türen zu Fördertöpfen geöffnet habe, wurde diese Krise überwunden.

„Ich hätte damals nicht gedacht, dass wir ein Jahr später an diesem Punkt stehen“, sagt Matthias Haase heute. Dieser Punkt, das bedeutet, dass fast alle Volieren wieder geöffnet sind. Noch nicht jede in dem ursprünglichen Umfang, „aber alles ist wieder nutzbar“, so der Vogelpark-Chef. Zuletzt soll die Wellensittich-Anlage wieder eröffnet werden, noch vor Ostern, so der Plan. Die letzten Detailarbeiten finden in der Voliere derzeit statt. „Das ist eine der beliebtesten Anlagen“, sagt Matthias Haase.

Das neue Übernachtungshaus im Vogelpark Marlow soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Im Hintergrund die zerstörte Artenschutzvoliere, die eigentlich im vergangenen Jahr als neue Attraktion eröffnet werden sollte. Quelle: Robert Niemeyer

Lediglich zwei Projekte wurden vorerst zurückgestellt. So sollte im vergangenen Jahr eine große Artenschutzvoliere als neue Attraktion eröffnet werden. Diese Anlage wird nun neu geplant. Auch die Seeadlervoliere wurde „ganz nach hinten geschoben“, so Haase. „Die Anlage war nicht begehbar und bei den Gästen auch nicht so beliebt.“ Zwei Seeadler waren vor einem Jahr entkommen. Der dritte Seeadler, ein Weibchen, wurde an den Rostocker Zoo abgegeben.

Stiller Start

Matthias Haase, Geschäftsführer des Marlower Vogelparks. Quelle: Susanne Retzlaff

Doch die Besucher des Vogelparks können sich dennoch wieder auf einen Vogelpark mit vollem Programm freuen. Die ersten Gäste waren auch bereits da. Heimlich, still und leise startete der Park am vergangenen Wochenende in die Saison. „Wir haben nicht groß mit der Eröffnung geworben“, sagt Haase. Am ersten Wochenende kamen 1700 Besucher, ein durchschnittlicher Wert. Der Park-Geschäftsführer hofft, dass die Besucherzahlen in diesem Jahr ebenfalls wieder das Normalniveau erreichen. Aufgrund des Rückschlags durch die Schneekatastrophe kamen im vergangenen Jahr etwa 170000 Gäste. In den beiden Jahren zuvor waren es etwa 250000. „Wenn wir da hinkommen, erreichen wir wieder ruhiges Fahrwasser.“ Denn neben dem Sachschaden musste der Park auf Einbußen bei den Eintrittsgeldern verkraften. Nach wie vor würden jedoch Menschen anrufen, die fragen, ob der Park denn überhaupt wieder geöffnet sei.

Neue Attraktion: Auf dem Gelände des Marlower Vogelparks wird eine Erlebnisscheune gebaut. 2020 soll sie eröffnet werden. Quelle: Robert Niemeyer

Dank der finanziellen Unterstützung kann das Angebot sogar erweitert werden, vor allem für Schlecht-Wetter-Zeiten. Einige Anlagen bekommen Regenunterstände, die Walrapsanlage bekommt ein Gebäude mit zwei Ebenen, aus denen die Besucher in die Brutnischen der Vögel schauen können. Der Bau einer neuen Erlebnisscheune hat begonnen. Das Gebäude soll in diesem Jahr noch fertiggestellt werden und bis zum Saisonstart 2020 eingerichtet werden. Fleißig gearbeitet wird auch am neuen Wirtshaus zum fliegenden Dodo, das zu Ostern eröffnet werden soll. Hier feiert am 10. August „Clanga pomarina. Die Schreiadleroper“ der Opernale ihre Premiere. „Wir testen damit, ob das Gebäude für solche Veranstaltungen nutzbar ist“, sagt Haase.

Und am Osterwochenende soll in diesem Jahr auch wieder ein buntes Familienfest stattfinden, ausgerichtet vom Förderverein des Vogelparks. Dann werden sich Matthias Haase und seine mehr als 50 Mitarbeiter sowie die Vereinsmitglieder sicherlich noch einmal an die Schneekatastrophe vor einem Jahr erinnern. Aber nur kurz. „Wir schauen nach vorne“, sagt Matthias Haase. Und lächelt.

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Robert Niemeyer

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