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Ribnitz-Damgarten Barther Heimatverein mit neuem Heim
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Barther Heimatverein mit neuem Heim
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18:16 03.04.2018
Der Heimatverein bezieht neue Räume in der Nelkenstraße. Kurt Obst (l.) und Mario Galepp (r.) bedanken sich am Dienstag bei Andreas Bartsch.
Der Heimatverein bezieht neue Räume in der Nelkenstraße. Kurt Obst (l.) und Mario Galepp (r.) bedanken sich am Dienstag bei Andreas Bartsch. Quelle: Carolin Riemer
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Barth

Seit Dienstag ist der Barther Heimatverein nicht mehr heimatlos. Nach langem Hin und Her über den Verbleib der Vereinsräume erfuhr Andreas Bartsch (46) aus der OZ, dass Vereinsmitglieder und Stadtvertreter sich nicht auf einen künftigen Standort einigen können (die OZ berichtete). Der Inhaber der Tischlerei Beilfuß kann nicht verstehen, dass mit einem so engagierten Verein derart umgegangen wird und greift ohne lange zu zögern zum Telefon. Bartsch, der den Heimatverein schon seit Jahren finanziell unterstützt, bietet dem Vorsitzenden Mario Galepp seine leer stehenden Lagerräume in der Nelkenstraße als künftiges Vereins-Zuhause an. Dann geht alles sehr schnell.

Fader Beigeschmack trotz gelösten Problems

Mario Galepp und die anderen Mitglieder nehmen das Angebot dankbar an. In den vergangenen Wochen malern sie die etwa 60 Quadratmeter großen Räumlichkeiten, die sie dank des Firmenchefs nun kostenlos nutzen dürfen. Ein fader Beigeschmack bleibt trotz des gelösten Problems. Andreas Bartsch sagt beispielsweise: „Die Art und Weise, wie mit dem Heimatverein umgegangen wird, ist unpassend – ein Verein, der mit Liebe und Herzblut so viel für die Stadt leistet.“ Der Chef der Tischlerei meint damit die vorangegangene Debatte, die die Vereinsmitglieder mit einigen Stadtvertretern und Bürgermeister Stefan Kerth führten. Bislang war der Sitz des Heimatvereins die Diesterwegschule. Dort zahlten sie laut Mario Galepp etwa 50 Euro monatliche Miete, die eher einer Aufwandsentschädigung für Strom und Heizung glich. Doch als die Barther Wohnungsbaugesellschaft vor wenigen Monaten die Diesterwegschule kaufte, sollte sich die Miete auf 290<TH>Euro pro Monat erhöhen. Eine Summe, die der Verein nicht akzeptieren wollte. „Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der von Spenden lebt. Von dem Geld können wir lieber unser Kinderfest schöner gestalten“, argumentiert Galepp. Die Stadtvertreter boten an, dass sie ihre Materialien und Ausrüstung auch im Keller des Rathauses unterbringen könnten. „Im Keller“, betont Galepp: „Dort hätten wir unsere Treffen nicht abhalten können und nur während der Öffnungszeiten auf unsere Utensilien zurückgreifen können.“ Der Heimatverein lehnte das Angebot ab.

Firmenchef beendete Streit

Bereits zu diesem Zeitpunkt ist die Stimmung angespannt. Und es wird noch schlimmer. Als der Heimatverein das ehemalige Spielkasino in der Nelkenstraße, ein maroder Bungalow ohne Heizung, in Eigenleistung umbauen möchte, um dort einzuziehen, macht die Mehrheit der Stadtvertreter diesen Plan zunichte. „Mit der Begründung, dass wir uns damit finanziell übernehmen würden“, erklärt Galepp. Er findet es schade, dass die Stadt kein Vertrauen in den Verein setzt: „Wir hatten Sponsoren und viele Helfer, die uns bei der Umsetzung unseres Plans geholfen hätten.“ Ein großer Veranstaltungsraum sollte dort entstehen, der auch für Familienfeiern vermietet werden sollte. „Wir hätten Parkplätze vor der Tür gehabt und die Menschen aus Barth Süd besser integrieren können. Doch erst im Nachhinein erfuhren wir, dass der Bürgermeister die Räume schon dem Barther Qualifizierungs- und Beschäftigungszentrum versprochen hatte.“

Andreas Bartsch beendete nun diese Debatten und liefert dem Heimatverein einen Ort, an dem er kostenlos seine Dokumente, Fotos und die Ausrüstung für das Kinderfest lagern können und außerdem zu den monatlichen Treffen zusammen kommen können. Besonders Vereinsmitglied Kurt Obst (57) engagierte sich bei der Arbeit. Fast im Alleingang gibt er den Wänden eine sonnenblumengelbe Farbe und räumt die Utensilien und Möbel aus der Diesterwegschule in die Nelkenstraße. Auch Katrin Regnaut und Holger Friedrich arbeiteten fleißig, sagt Mario Galepp. Insgesamt gehören 154 Mitglieder zum Heimatverein. Galepp ist mit der neuen Situation zufrieden: „Hier können wir, wie auch in der Diesterwegschule, ordentlich arbeiten und gut mit dem historischen Material umgehen, das uns die Barther freundlicherweise zur Verfügung stellen.“

Carolin Riemer