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Ribnitz-Damgarten Barther Kinderfest im Film verewigt
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Barther Kinderfest im Film verewigt
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00:06 07.10.2015
Hans-Joachim Meusel produzierte den Dokumentarfilm zum ältesten Kinderfest Mecklenburg-Vorpommerns. Quelle: Volker Stephan
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Barth

Jedes Jahr zwischen Mitte Juni und Mitte Juli ist bei vielen Barthern ein Termin rot im Kalender angestrichen: das Kinderfest. „An diesem Tag“, so erzählt Hans-Joachim Meusel, „ist die ganze Stadt eins“. So sehr sich die Menschen alltäglich bei verschiedenen Themen uneinig seien, so sehr würden sie bei dieser Traditionsveranstaltung an einem Strang ziehen. Seit 187 Jahren findet das Fest statt. Damit ist es das älteste seiner Art in Mecklenburg-Vorpommern. Jetzt widmet sich der Film „Ich möcht‘ vielleicht mal König werden“ diesem „kulturellen Dreh- und Angelpunkt von Barth“, wie es Bürgermeister Stefan Kerth (SPD) formuliert.

Hans-Joachim Meusel ist der Produzent des Streifens. Die Projekte des Hobby-Filmemachers tragen den Stempel „nebelkalt-film“. Unterstützt wurde er vom Heimatverein Barth, der 1991 die Organisation des Festes übernommen hat, sowie von zahlreichen Einwohnern, die für die Dokumentation vor die Kamera traten. Am 22. Oktober (19 Uhr) feiert der Film in der Barther Boddenbühne Premiere.

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„Ich bin schon ein wenig nervös“, gibt Meusel zu. 200 Zuschauer passen in den Saal. 150 Zusagen gibt es schon. Auch das spiegele das besondere Verhältnis der Barther zu ihrem Kinderfest wieder.

„Menschen von außerhalb fragen sich häufiger, warum wir hier wegen eines Kinderfestes so einen Aufriss machen“, weiß Holger Friedrich, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins. „Vielleicht muss man Barther sein oder das einmal miterlebt haben, um das nachvollziehen zu können“, meint er weiter. Schon er habe sich damals mehr auf das Fest gefreut als auf seinen eigenen Geburtstag.

Auch Hans-Joachim Meusel lernte den speziellen Stellenwert kennen, nachdem er 1976 in die Stadt zog. „Das Kinderfest ist eine Institution in Barth“, weiß der gebürtige Wittenberger (Sachsen-Anhalt) mittlerweile. Den Ursprung hat es im Jahr 1828 genommen. Meusel hofft, dass sein Werk gut ankommt. „Ich bin gespannt, wie die Leute reagieren. Aber ich denke, dass der Film gut funktionieren wird“, so der 65-Jährige.

Aus 25 Stunden Filmmaterial machte Meusel in zwei Monaten Bearbeitungszeit eine 58-minütige Dokumentarfassung. „Es hat Spaß gemacht, weil die Barther großes Interesse gezeigt haben.“ Er bekam private Aufnahmen zugesandt, die er verarbeitete. So sei das Kinderfest aus verschiedenen Perspektiven dargestellt. Zu Wort kommen außerdem Tischler, Uhrenmacher oder Schmuckdesigner, die allesamt Unterstützer des Events sind.

Auch Trude Plühmer, die Festkönigin von 1935, erzählt von damals. Um das Barth der Vergangenheit ein wenig lebendig werden zu lassen, nutzte Meusel Ausschnitte aus dem DEFA-Film „Pole Poppenspäler“, der 1954 in Barth gedreht wurde. Musikalisch unterlegt wird das Werk von Rockmusiker und Filmkomponist Thomas Natschinski.

Natürlich fehlen die Kinder als Hauptfiguren des Festes nicht. Der neun Jahre alte Nico gibt dem Film letztlich seinen Namen, als er vor der Kamera erzählt: „Ich möchte mal König werden. Vielleicht.“

Das traditionelle Königs- und Königinnenschießen ist der Höhepunkt der Feierlichkeiten. Das Sieger-Paar wird in der Folge vom Spielmannszug nach Hause begleitet und unternimmt einen Rundflug über ihr „Königreich“ Barth.

„Es ist wichtig, dass dieses Fest und das, was es für die Menschen bedeutet, in einem Filmdokument eingefangen ist“, betont Holger Friedrich. Auch Bürgermeister Kerth ist begeistert vom Projekt: „So ein Zeitdokument ist eine wunderbare Sache. Es wird auch in 50 Jahren noch zeigen, mit welcher Ehrfurcht und Begeisterung dieses Fest verbunden ist.“

Der Film soll auch in Schwerin Eindruck hinterlassen. Denn der Heimatverein hat eine Bewerbung abgeschickt, das 187 Jahre alte Kinderfest zum „immateriellen Kulturerbe“ zu erheben. „Das würde für die Stadt Barth einem Ritterschlag gleichkommen“, meint Friedrich.

Alles begann im Jahr 1828

1828 nahm das Kinderfest in Barth seinen Ursprung. Kantor Müller lud seine Schüler vor den Sommerferien zu einem kleinen Wettschießen in den Stadtforst ein.
2000 Kinder nahmen in der Spitzenzeit am Fest teil. Aktuell sind es laut Heimatverein noch rund 620 Kinder von der ersten bis etwa zur sechsten Klasse.

95 Prozent der Kosten werden durch Spenden finanziert. Die Gesamtkosten für das Fest belaufen sich auf etwa 18000 Euro.



Daniel Heidmann

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