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Ribnitz-Damgarten Trockenheit und Käfer schaden Barther Wald
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Trockenheit und Käfer schaden Barther Wald
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11:50 23.04.2019
Stadtförster Ralf Moritz (r.) spricht mit Jan Beuster, selbstständiger Holzrücker, die nächsten Arbeitsschritte ab. Quelle: Anika Wenning
Barth

Wenn der Barther Stadtförster Ralf Moritz über die Zukunft „seines“ Wald spricht, sieht man Sorgenfalten auf seiner Stirn. „Der Zustand des Waldes wird immer schlechter. Das ist leider überall der Trend. Der Klimawandel ist deutlich spürbar“, erklärt der 47-Jährige. „Momentan bereitet uns die Trockenheit arge Schwierigkeiten. Die Kraniche wollen schon brüten, aber sie finden nicht genug Wasserflächen.“ Es sei bereits die Waldbrandstufe drei ausgerufen worden. Den Pflanzen und Bäumen fehle das Wasser. Ein großes Problem seien auch Käfer, wie der Kupferstecher, die sich immer mehr verbreiten und Schäden an den Bäumen anrichten. Denn für die Käfer seien die Bedingungen optimal. Auch der Schnee zu Ostern im vergangenen Jahr habe immer noch sichtbare Schäden hinterlassen. Bäume brachen unter der Schneelast zusammen oder bogen sich. „Wir nennen diese Bäume Lampions“, sagt Ralf Moritz. Auch die Stürme sorgten in der Vergangenheit für viele Schäden im Barther Wald.

Stark zugenommen hätte in den vergangenen Jahren auch der Bestand des Rot-, des Damm- und des Schwarzwildes. Ein Grund dafür sei, dass auf den landwirtschaftlichen Flächen vor allem Mais und Raps angebaut werde. Das perfekte Nahrungsangebot für die Tiere. „Wir haben im vergangenen Jahr 136 Wildschweine geschossen, aber die Zuwachsrate liegt bei 200 bis 300 Prozent. Wir laufen einem Problem hinterher, das wir nicht lösen können“, sagt der Stadtförster.

Und nicht nur im Wald richten die Tiere großen Schaden an. Immer häufiger sind sie auch in der Stadt anzutreffen. Betroffen ist unter anderem das Wohngebiet Vogelsang. Dass die Tiere so zutraulich sind, sei vor allem die Schuld des Menschen. „In Österreich darf zwischen abends acht und morgens acht Uhr der Wald nicht betreten werden. Bei uns gehen einige Leute nachts im Wald joggen, früh morgens mit dem Hund spazieren oder sie übernachten hier im Wald. Muss das alles sein? Dadurch sind die Tiere den Menschen gewöhnt und sind nicht mehr scheu, weil sie den Menschengeruch ständig in der Nase haben“, erklärt der 47-Jährige. Außerdem werde immer näher an den Wald herangebaut.

Abfälle locken Waldtiere an

Ein weiteres Problem sei, dass die Tiere durch Abfälle angelockt würden. Denn sehr häufig werde am Waldrand unter anderem Rasenschnitt abgelegt. „Das lockt die Tiere an und es ist auch illegal“, mahnt Ralf Moritz. Da in Wohngebieten die Jagd nicht erlaubt sei, könne man nur mit anderen Methoden, unter anderem Gerüchen oder Geräuschen, versuchen, die Tiere zu vergrämen. Und nicht nur Gartenabfälle würden im Wald entsorgt. „Die Leute entsorgen hier alles. Vom Fernseher bis hin zu Tapeten, Bauschutt oder Reifen“, sagt der Stadtförster. „Auch Hausmüll wird im Wald entsorgt. Ich habe den Eindruck, dass das Problem in den vergangenen Jahren wieder zugenommen hat.“

Die Verbreitung des Wolfes bereite ihm allerdings keine Sorgen. „Auch bei uns wird der Wolf ab und zu gesichtet“, berichtet der Stadtförster. Waldarbeiter hätten das Tier schon mehrmals gesehen und seien sich sicher, dass es sich immer um denselben Wolf handele. „Er ist nicht sehr menschenscheu, kommt bis auf 15 Meter ran. Immer wenn der Wolf da war, ist das Wild einige Wochen nervös. Aber das liegt daran, dass die Tiere es nicht gewohnt sind, weil er immer wieder weiterzieht.“ Natürlich müsse man die Entwicklung dennoch beobachten und die Gefahren könnten nicht außer acht gelassen werden. „Der Wolf kann beispielsweise die Tollwut mitbringen.“

Lerche ist der Gewinner des Klimawandels

2500 Hektar Fläche hat der Stadtwald, der zu 51 Prozent aus Kiefern, zu 16 Prozent aus Fichten, zu 6 Prozent aus Eichen, zu vier Prozent aus Buchen und zu 23 Prozent aus sonstigen Baumarten besteht. Bei Aufforstungen werde mittlerweile auch häufig die Lerche gepflanzt. „Wir haben bisher gute Erfahrungen gemacht. Die Lerche ist die Gewinnerin des Klimawandels. Zumindest nach derzeitigem Stand. Wir müssen das weiter beobachten“, berichtet Ralf Moritz. Die Wahl, welche neuen Bäume man anpflanzen möchte, habe man allerdings nicht immer. „Es ist zunehmend ein Problem, vor Ort zuverlässiges Pflanzenmaterial zu bekommen. Die Baumschulen können nicht immer das anbieten, was man haben will. Auch sie haben Probleme mit Saatgutausfällen.“

Anika Wenning

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