Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten Lange Straße in Ribnitz: Verkehrslage sorgt für Diskussionen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Lange Straße in Ribnitz: Verkehrslage sorgt für Diskussionen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:36 15.03.2019
Viel Verkehr: Die Lange Straße in Ribnitz-Damgarten führt direkt durch die Innenstadt. Quelle: Flemming Goldbecher
Anzeige
Ribnitz-Damgarten

Schlecht für die Umwelt, schlecht für die Gesundheit und obendrein nervtötend für die Anwohner – seit einiger Zeit beschäftigt der Verkehr in der Langen Straße die Ribnitzer. Die Stadtvertreter prüften in der letzten Sitzung Mitte Februar einen Antrag, demzufolge die Straße im Zentrum von Ribnitz-Damgarten in eine Hauptstraße umgewandelt werden sollte, um die Rechts-vor-Links-Regelung zu beenden. Perspektivisch könnte die Straße in der Anpassung des Verkehrskonzepts für die Stadt wieder zur Einbahnstraße werden.

Abgase, Lärm und Verkehrschaos hatten den Ausschlag für den Antrag gegeben. Die Stadtvertretung hatte diesen jedoch abgelehnt. Die Rückkehr zur alten Regelung sei mit Blick auf die Verkehrssicherheit nicht sinnvoll, meinte damals Hans-Dieter Konkol, Vorsitzender des Verkehrsausschusses. „Die Unfallzahlen geben das nicht her.“ Laut Ribnitz-Damgartener Polizei würden jedes Jahr sechs Unfälle durch die Missachtung der Verkehrsregelung verursacht.

Gutachter soll Verkehrssituation prüfen

Dem gegenüber stünden 44 Auffahrunfälle in den vergangenen zwei Jahren. Dennoch: Der Haushaltsplan für Ribnitz-Damgarten für 2019 sieht Mittel zur Erstellung eines Verkehrsgutachtens vor. Mit der Zustimmung zum Haushalt Mitte Februar durch die Stadtvertretung wurde gleichzeitig beschlossen, noch in diesem Jahr einen Experten mit der Begutachtung des Straßenverkehrs zu beauftragen. Doch wie schätzen eigentlich die Betroffenen die Situation ein. Wir haben die Gewerbetreibenden in der Langen Straße gefragt.

Eine Einbahnstraße würde sich beruhigend auf den Verkehr in der Langen Straße auswirken. Davon ist Steffen Löhrig überzeugt. Der 36-Jährige ist Geschäftsführer des Fahrradladens Zweirad Lange und kennt auch noch die Zeiten vor 2004, in denen die Autos hier nur in eine Richtung fuhren. „Der Verkehr hat seitdem stark zugenommen“, meint Löhrig. Er würde sich eine Rückkehr zur alten Situation wünschen, zumal die Vorfahrtregelung nicht selten für Verwirrung und Gefahr sorge: „Oft übersehen vor allem Touristen, dass Rechts vor Links gilt“, so Löhrig.

Gefahren für Radfahrer

Christian Tredop, 65, in seinem Laden „Drechslerei J. Tredop“ in der Langen Straße in Ribnitz-Damgarten. Quelle: Flemming Goldbecher

Christian Tredop, der die Drechslerei J. Tredop in der Langen Straße betreibt, sieht das anders. Er hat sein Geschäft in Ribnitz-Damgarten schon seit vielen Jahren und glaubt, der Verkehr würde durch eine einspurige Fahrbahn zunehmen. Besonders der Busverkehr wäre demnach von einer Änderung der Regelung betroffen. „Man müsste die Haltestellen anpassen, da die Busse nur noch in eine Richtung fahren würden“, bemerkt der 65-Jährige. Zudem hält er den derzeitigen Rechts-vor-Links-Verkehr für die beste Lösung: „Dadurch sind viele Leute gezwungen, nicht zu schnell zu fahren.“ Ein Problem ist für ihn die neue 30er-Zone in der Straße Am See. Diese habe für einen Anstieg des Verkehrs in der Innenstadt gesorgt.

Ramona Schendel, Verkäuferin der Orthopädietechnik Liebau, schätzt besonders Situation für Radfahrer als gefährlich ein. „Eine Einbahnstraße würde die Gefahr durch den Gegenverkehr reduzieren“, glaubt sie. Besonders durch das Be- und Entladen der Lkw oder die Paketzusteller in der Langen Straße entstünden immer wieder riskante Situationen: „Wenn Rad- oder Autofahrer den stehenden Laster überholen wollen, geraten sie oft in den Gegenverkehr“, so Schendel. „Das mündet in teils katastrophalen Zuständen.“

Weniger Verkehr ein Nachteil fürs Geschäft?

Ladenbesitzerin Andrea Triesch bringt eine neue Perspektive ins Spiel. Wenn der Verkehr nicht fließe, könnte sich das negativ auf ihr Geschäft auswirken, meint sie. Triesch ist Inhaberin von „Der besondere Laden“. Sie spricht sich für die aktuelle Verkehrsregelung aus: „Je mehr Menschen vorbeifahren, desto mehr sehen uns. Mit einer Einbahnstraße könnte sich das ändern.“ Zudem befürchtet sie eine Art Dominoeffekt, sobald die ersten Reglementierungen erst einmal vorgenommen werden. „Ich glaube, dann führt eins zum anderen und wir haben hier bald nur noch eine Fußgängerzone. Darunter würden viele Geschäfte leiden.“

Meike Ihlau, 55, Inhaberin der Wossidlo Buchhandlung mit Café Siebdruck in der Langen Straße in Ribnitz-Damgarten. Quelle: Flemming Goldbecher

Ein solches Szenario wäre für die Inhaberin der Wossidlo Buchhandlung, Meike Ihlau, sicherlich Anlass, um draußen vor ihrem Laden Tische und Stühle für die Gäste ihres Bücherei-Cafes aufzustellen. Doch bei der Masse an Autos, die hier täglich vorbeirasen, mache das keinen Sinn, meint sie. „Niemand will bei diesem Lärm direkt an der Straße sitzen.“ Trotzdem glaubt sie nicht, dass eine Einbahnstraße die Lage verbessern würde. „Die Leute müssten sich einfach nur an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten, das würde schon einiges ausmachen.“

Die Lange Straße war bereits bis zur Eröffnung der B 105-Ortsumgehung 2004 eine Einbahnstraße. Um den Bundesstraßen-Verkehr damals aufzunehmen, konnten die Lange Straße Richtung Stralsund und die Straße Am See in Richtung Rostock zweispurig befahren werden. Nach der Freigabe der Ortsumgehung wurde das Verkehrskonzept erstellt, in dessen Folge die heutige Regelung eingeführt wurde.

Mehr Lesen:

Ribnitz: Lange Straße Einbahnstraße?

Flemming Goldbecher

Die Wählergemeinschaft Bürger für Born setzt weiterhin auf eine schrittweise Entwicklung des Ortes. Bürgermeister Gerd Scharmberg stellt sich nach reiflicher Überlegung der Wiederwahl.

14.03.2019

15 Kandidatinnen und Kandidaten des Bündnisses „Tosamen för Sült“ treten bei der Kommunalwahl am 26. Mai an. Mit vielen neuen Ideen.

14.03.2019

Nach der plötzlichen Schließung der Kita in Saal aufgrund baulicher Mängel, geht der Betrieb im Erdgeschoss weiter. Doch wer die Kosten für den Umbau trägt, ist noch unklar

14.03.2019