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Ribnitz-Damgarten Facettenreiche Ausstellung über Fischlandschmuck
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Facettenreiche Ausstellung über Fischlandschmuck
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18:35 29.07.2019
Ein Jahr lang wird im Deutschen Bernsteinmuseum die Ausstellung "Fischland-Schmuck. Walter Kramer" zu sehen sein. Unser Foto: Axel Attula, wissenschaftlicher Leiter des Museums. Quelle: Edwin Sternkiker
Ribnitz-Damgarten

Wie groß der Kreis versierter Sammler von Fischlandschmuck ist, das weiß Axel Attula nicht. „Auf jeden Fall hat er aber im Laufe der Zeit sehr viele Freunde gefunden“, so der wissenschaftliche Leiter des Deutschen Bernsteinmuseums Ribnitz-Damgarten. Sie und alle anderen Liebhaber von Schmuck kommen im Bernsteinmuseum voll auf ihre Kosten. Gezeigt werden hier ein Jahr lang in einer neuen Ausstellung zahlreiche Schmuckstücke, darunter viele Exponate von herausragender Qualität. Sie stammen von vier privaten Leihgebern, dem Kulturhistorischen Museum Rostock, dem Ostsee-Schmuck und der Ribnitzer Bernsteingalerie „E“, Inhaberin ist Uta Erichson. Weitere Exponate stammen aus der museumseigenen Sammlung.

Erfinder des Fischlandschmuckes wird vorgestellt

Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass nicht nur Schmuck zu sehen ist. Erstmals wird auch der Versuch unternommen, ausführlich den persönlichen und beruflichen Weg Walter Kramers, den Erfinder des Fischlandschmuckes, nachzuzeichnen, besonders seine frühen Arbeiten vorzustellen und chronologisch zu ordnen. Dabei stützt sich Attula auch auf bisher nicht ausgewertetes Archivmaterial.

Fischlandschmuck im Deutschen Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten: Ein Rundgang durch die aktuelle Ausstellung

Walter Kramer übernahm 1932 die Goldschmiedewerkstatt seines Vaters Ludwig. Er führte den Familienbetrieb „G. Kramer jun.“ in vierter Generation fort. Ab 1935 begann er den Silberschmuck zu entwickeln, der einige Jahre später zu einem echten Verkaufsschlager wurde. Seiner Idee, einen gefassten Bernstein mit silbernen Seemotiven zu umgeben, gab er den Namen „Fischlandschmuck“. In seiner Lebensschilderung schrieb Kramer: „Meine Freizeit verbrachte ich ausschließlich auf dem Fischlande, ich lernte den Bernstein verarbeiten, Fische, Seesterne, Schiffe und Möwen hielten ihn gefangen, und nach mancherlei Fehlschlägen entstand mein ’Fischlandschmuck’“.

Nachdem Walter Kramer 1947 enteignet wurde, ging er nach Lübeck-Travemünde und produzierte dort weiter. In Ribnitz übernahm der Volkseigene Betrieb „Fischlandschmuck“ die Produktion, 1959 musste sich dieser in VEB Ostsee-Schmuck Ribnitz-Damgarten umbenennen. Auch daran wird in der Ausstellung erinnert.

Rostocker Museum erhielt 1941 Musterstücke

Ein großes Glück für die Ausstellung war die Entdeckung der ersten von Kramer auf den Kunsthandwerk-Ausstellungen in Berlin und München 1938 präsentierten „Musterstücke“ seines Fischlandschmuckes. Dabei handelt es sich um handwerklich besonders gelungene Arbeiten, die er um 1941 dem Rostocker Museum übergeben hatte. Hier werden sie auch heute noch aufbewahrt.

Teil des von Walter Kramer wohl 1941 dem Rostocker Museum geschenkten Fischlandschmuckes. Quelle: Edwin Sternkiker

Zu den Arbeiten, die bei Kramer in Ribnitz ausgeführt wurden, gehörte auch die Rostocker Oberbürgermeister-Amtskette. Einen entsprechenden Auftrag erhielt er spätestens 1941 von der Stadtverwaltung. 1943 war sie fertiggestellt und den Stadtoberen zur Begutachtung übergeben worden. Eine Rückmeldung sei allerdings ausgeblieben, so Attula. Man habe wohl angesichts der immer schlechter werdenden Kriegslage ganz andere Sorgen gehabt, als sich um die Kette zu kümmern, vermutet er.

Ribnitzer Firma fertigte für Rote Armee Koppelschlösser

Interessant: Im März 1946 bot Kramer der Rostocker Stadtverwaltung an, die Kette zu „renovieren“. Attula: „Gemeint war damit, die nationalsozialistischen Symbole zu entfernen.“ Doch die Stadtoberen hatten kein Interesse und gaben die Kette im Mai 1946 an ihn zurück. Danach verliert sich ihre Spur, bis heute konnte nur ein einziges der ursprünglich 20 Kettenglieder wiedergefunden werden. Dieses wird ebenfalls in der Ausstellung im Bernsteinmuseum gezeigt. Hier sind auch Arbeiten zu sehen, die man erst einmal nicht mit Walter Kramer in Verbindung bringt, die aber ebenfalls sehr interessant sind, weil sie ein Stück Ribnitzer Geschichte widerspiegeln.

Dazu gehören zwei Abzeichen der Aero Sport GmbH. Sie verweisen darauf, dass es in der Stadt einen Rüstungsbetrieb gab, in dem von der Mitte der 1930er Jahre bis Kriegsende 1945 Flugzeugteile gebaut und Reparaturen an Flugzeugen vorgenommen wurden. Ein Koppelschloss erinnert daran, dass Kramer auch für die sowjetische Besatzungsmacht tätig war. Bereits ab Sommer 1945 wurden in seinem Betrieb tausende Koppelschlösser für die Russen gefertigt. Die seien so sauber und exakt gefertigt worden, dass es die „schönsten Koppelschlösser der Roten Armee“ gewesen seien, schrieb Kramer Jahre später einmal.

Edwin Sternkiker

Die Veranstaltung wird um 17 Uhr offiziell eröffnet. Auch in diesem Jahr wird es bei der 26. Auflage wieder einige Neuerungen geben. Doch auch Traditionen werden gepflegt.

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