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Ribnitz-Damgarten Brauchen mehr Bahn und nicht weniger
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Brauchen mehr Bahn und nicht weniger
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00:00 13.01.2016
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Barth Dr. Stefan Kerth (SPD) bestreitet seine zweite Amtszeit als Bürgermeister in Barth. Im September 2014 wurde er erneut gewählt. Das Stadtoberhaupt ist 42 Jahre alt, in Parchim geboren, dreifacher Vater und wohnt mit der Familie in Barth. Mit der OSTSEE-ZEITUNG spricht er über das vergangene Jahr und darüber, welche Pläne er für 2016 hat.

Der Stadthaushalt 2015 ist gerade erst im vergangenen Monat von der Kommunalaufsicht genehmigt worden. Glauben Sie, dass es mit dem Etat 2016 auch so lange dauern wird?

Stefan Kerth: Die Finanzsituation der Stadt wird immer angespannter. Also werden die Wege zu einer Haushaltsgenehmigung immer länger. Wir müssen erst mal einen Haushalt beschlossen haben.

Dann sehen wir weiter.

2015 ist es der Stadt erstmalig nicht gelungen, die Ausgaben zu decken. Wie stehen die Zeichen: Wird Barth das 2016 wieder können?

Kerth: Nein. Es zeichnet sich keine Entspannung ab. Obwohl sich vieles in der Stadt gut entwickelt, ist der Haushalt ohne deutliche Einnahmeerhöhung nicht in den Griff zu bekommen. Ich glaube, dass Grundzentren wie Barth und etwas größere Städte unterfinanziert sind.

Wäre es dann nicht vielleicht besser, die Sanierung der Chausseestraße und den dritten Abschnitt der Hafenstraße als große Bauprojekte noch aufzuschieben?

Kerth: Nein. Wir stehen in der Pflicht, vorbereitete Projekte auch durchzuführen. Wenn das Land Geld für die Chausseestraße bereitstellt, wäre es fatal, das abzulehnen. Barth hat in diesem Bereich dringend eine Sanierung nötig. Die Hafenstraße läuft nicht über den Stadthaushalt, sondern über das Sondervermögen Städtebauförderung und belastet den Haushalt nicht. Es ist außerdem ein Trugschluss, dass das Unterlassen notwendiger Ausgaben Geld spart. Meistens erhöhen sich dadurch sogar Folgekosten. Das lässt die Situation so ausweglos erscheinen.

Von der finanziellen Situation mal abgesehen, wie schätzen Sie das Jahr 2015 für Barth ein?

Kerth: Abgesehen von der desaströsen Finanzsituation kann man zufrieden sein. Wir verfolgen die Ziele weiter, die langfristig angepeilt sind. Schulstandort stärken, Chausseestraße sanieren, Papenhof und Reuterschule sanieren und umbauen. Und wir haben mit dem Altstadtcenter einen riesigen Schritt gemacht. Vor einiger Zeit standen dort hässliche Ruinen, für die man sich schämen musste.

Jetzt können wir stolz sein.

Vor einem Jahr überbrachte Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) die Anerkennungsurkunde als Erholungsort. Noch erhebt Barth keine Kur- und Fremdenverkehrsabgabe. Ab wann wird sie das?

Kerth: Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir mit dem Jahreswechsel begonnen. Die Dinge waren so weit vorbereitet. Aus der CDU wurde noch Diskussionsbedarf angemeldet, sodass jetzt Zeit gegeben ist, noch mal in den Ausschüssen zu diskutieren. Ich gebe zu, dass mein Ziel sehr ehrgeizig war. In anderen Städten hat man für die Vorbereitungen länger gebraucht. Aber wir haben keine zu verlieren. Ich hoffe, dass die Beschlüsse bald gefasst werden.

Sie haben dafür plädiert, dass eine zu gründende Tochtergesellschaft der Wohnungsbaugesellschaft Barth mbH der Stadt die Tourismusaufgaben abnehmen soll. Das war unter den Stadtvertretern umstritten.

Halten sie daran fest?

Kerth: Wir müssen mit geringstmöglichen Kosten den größtmöglichen Nutzen für den Tourismus erreichen. Daher meine Überlegung, an ein Unternehmen einfach eine eigenständige Abteilung anzufügen. Die Idee ist, wie Sie richtig sagen, sehr umstritten. Mir geht es nicht um Recht haben, ich will Barth voran bringen. Wir werden uns bestimmt und auf ein Modell einigen.

Eine Hiobsbotschaft war zum Jahresende, dass die Landesregierung die Bahnstrecke Stralsund-Barth aufgrund zu geringer Fahrgastzahlen ab Ende 2017 stilllegen will. Denken Sie, dass sich Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) noch umstimmen lassen wird — auch, wenn es bis dahin nicht mehr Fahrgäste werden?

Kerth: Ja, denn es wäre verkehrlich und ökologisch absurd, unsere Tourismushochburgen gänzlich im Autoverkehr ersticken zu lassen. Wir brauchen mehr Bahn und nicht weniger. Aber wir müssen selbst aktiver werden und Menschen in die Bahn lenken. Übrigens wird auch Stralsund von der Ostsee abgehängt.

Sie haben sich für eine Neuordnung der Schulstandorte in Barth ausgesprochen. Sechs Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Davon soll auch die Sporthalle am jetzigen Regionalschulteil saniert werden. Geld, das die Stadt nicht hat. Wann will die Stadt diese Pläne umsetzen? Noch 2016?

Kerth: Schule ist Pflichtaufgabe. Bildung ist der Schlüssel für Wohlstand und Entwicklung. Wir können nicht morgens über gute Bildung reden und abends sagen, sie dürfe nichts kosten. Wir benötigen Fördermittel und kämpfen darum. Wann es los geht, lässt sich also noch nicht sagen.

Der Papenhof und die ehemalige Reuter-Schule sollen das Kulturzentrum der Stadt werden. Seit der baulichen Grundsicherung 2014 liegen die Pläne auf Eis. Die Stadt braucht Fördermittel, um loslegen zu können. Wie stehen die Chancen für 2016?

Kerth: Auf Eis liegen die Pläne nicht. Wir feilen ständig daran und sind immer weiter gekommen. Für die Reuter-Schule liegt längst die Baugenehmigung vor. Der Papenhof ist auf einem guten Weg. Ich finde es nicht gut, über Zeitabläufe zu reden, ohne dass es Zuwendungsbescheide gibt. Ich sage es mal so: Wenn wir 2017 nicht weiter gekommen sind, wäre ich mehr als unglücklich. Wenn sich früher Dinge ergeben, freue ich mich.

2015 hatte die Stadt auf einen Neujahrsempfang verzichtet, stattdessen im April einen Empfang zum 760. Stadtgeburtstag ausgerichtet. Wird es 2016 wieder einen Neujahrsempfang geben? Oder, weil das Geld knapp ist, nicht?

Kerth: Die Idee, den Stadtgeburtstag zum Anlass für einen Empfang zu nehmen, ist sehr gut angekommen. Ich bin dafür, das zur Tradition werden zu lassen.



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