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Ribnitz-Damgarten Burg Divitz gerettet
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Burg Divitz gerettet
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17:49 09.11.2018
Die Wasserburg Divitz gehört zu den 14 meist gefährdeten Baudenkmalen Europas. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Divitz

Der langjährige Kampf scheint sich ausgezahlt zu haben. Der Bund unterstützt die Sanierung der Wasserburg Divitz. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat am Donnerstag den Bundes-Haushalt für das kommende Jahr auf den Weg gebracht. Darin enthalten sind knapp zehn Millionen für die Divitzer Wasserburg. „Das ist eine hervorragende Nachricht für die Region“, sagt Christian Haß, Bürgermeister der Gemeinde Divitz-Spoldershagen und Mitglied des Vorstandes des Fördervereins Kulturgüter Wasserburg Divitz.

Aus Sicherung wird Gesamtprojekt

Bekanntlich sollte mit Unterstützung des Landes im kommenden Jahr für zwei Millionen Euro die Grundsicherung des denkmalgeschützten Ensembles vorgenommen werden, um die Burg insofern abzusichern, dass sie erhalten bleibt, bis das Geld für eine umfangreiche Sanierung zur Verfügung steht. „Jetzt muss es ein Gesamtprojekt werden“, sagt Christian Haß. Weitere Gespräche seien zu führen, inwiefern unter diesem Aspekt die Mittel von Bund und Land zusammengeführt werden können, zumal auch Wirtschaftsminister Harry Glawe zuletzt anlässlich einer Veranstaltung in Starkow mitteilte, dass durch das Wirtschaftsministerium weitere bis zu 15 Millionen Euro für die Sanierung der Burg in Aussicht gestellt wurden. Die Gesamtkosten der Sanierung von Burg und Park waren gegenüber dem Haushaltsausschuss des Bundes auf rund 20 Millionen Euro kalkuliert worden.

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Doch bevor die Sanierungsarbeiten beginnen geschweige denn überhaupt ausgeschrieben werden können, müsse geklärt werden, was aus der Burg überhaupt werden soll. Dafür soll der Förderverein ein Nutzungskonzept erstellen. Genauer gesagt müssten bestehende Konzepte fortgeschrieben werden. 2009 und 2017 durch den Landkreis waren Nutzungskonzepte erstellt worden.

Baltisches Kulturzentrum

Fest steht, dass die Burg für die Öffentlichkeit erhalten werden soll. Laut Gerd Albrecht vom Förderverein Kulturgüter Wasserburg Divitz ist die Idee, ein baltisches Kulturzentrum mit Schwerpunkt Gutslandschaft zu schaffen. „Wir wollen den baltischen Raum mit einbeziehen“, so Albrecht. Dabei soll die Burg nicht nur Museum sein. „Wir wollen Leben in die Burg und in die Region holen“, so Albrecht.

Bevor gebaut wird, sind jedoch auch weitere Untersuchungen des Gebäudes notwendig. Auch die Planung und Ausschreibung der Arbeiten werde einige Zeit in Anspruch nehmen. Mit einem Beginn der Sanierungsarbeiten sei laut Christian Haß im kommenden Jahr deshalb noch nicht zu rechnen. „Die Entscheidung des Haushaltsausschusses ist ein gutes Signal. Doch jetzt kommt die Arbeit“, so Haß, der auf die Bundestagsabgeordneten Sonja Steffen (SPD) und Eckhard Rehberg (CDU) verwies, die sich in Berlin für die finanzielle Unterstützung der Wasserburg stark gemacht hätten. „Die Wiedererrichtung des Wasserschlosses Divitz wird eine wunderbare Bereicherung des kulturellen und touristischen Lebens in Vorpommern sein“, sagte Sonja Steffen.

2016 wurde die Wasserburg Divitz durch „Europa Nostra“ als eines der 14 europaweit am meist gefährdeten Baudenkmäler eingestuft. Vor zwei Jahren wurde der Förderverein Kulturgüter Wasserburg Divitz Eigentümer des kulturgeschichtlich einzigartigen Schlosses und des historisch einmaligen, zwölf Hektar großen Gustav-Meyer-Parks. Als erste Maßnahme stand für den Verein die Sicherung der Ruine an. Aus Leadermitteln und mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Denkmalpflege erfolgte die erste Notsicherung. Jugendliche aus Frankreich und Deutschland unterstützten in diesem Sommer diese Bestrebungen mit einem zweiwöchigen Denkmal-Camp. Vorpommerns Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) überreichte an dessen Ende dem Förderverein einen Bescheid von 14000 Euro aus dem Vorpommernfonds für die Fortschreibung des Nutzungskonzepts der Wasserburg Divitz. Und nun ist das Geld für die Komplettsanierung da.

Geschichte der Wasserburg

Die von einem breiten Graben umgebene Wasserburg Divitz existiert seit dem frühen Mittelalter. Den ältesten Teil der Burg, der Giebel mit Turmuhr, ließ vermutlich ein Ritter Conrad (oder Cord) von Krakevitz erbauen. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg ausgebaut. Der zweigeschossige Nordflügel stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert fand der Umbau des Herrenhauses im barocken Stil statt. Der Bau des langgezogenen Ostflügels mit zwei Portalen wird auf 1729 und 1743 datiert. Südlich der Gutsanlage liegt der in seiner Grundstruktur erhaltene Landschaftsgarten, der von 1857 bis 1863 nach Plänen des Preußischen Hofgärtner Gustav Meyer im Auftrag der Familie von Krassow angelegt wurde.

Robert Niemeyer/Uwe Roßner