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00:00 25.04.2017
Edwin und Ulrike Pohla mit drei Generationen ihrer Straßenuhren: ausgetauschtes Funkuhrwerk (v.l.), Quarz-Küchenuhrwerk mit Außenmodul, Carl Pohlas mechanisches Uhrwerk. Quelle: Fotos: Volker Stephan
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Barth

Ein kurzer Blick auf die Armbanduhr war nicht immer selbstverständlich. Noch vor einem Menschenalter stellten die schweren Taschenuhren oder die in Mode kommenden Armbanduhren ein Luxusgut dar, das sich nicht jeder leisten konnte und das oft nur zu besonderen Anlässen getragen wurde. Zur zeitlichen Orientierung dienten den Barthern allgemein die Zeiger der Kirchturmuhr und die viertelstündlichen Glockenschläge. Mit der aufkommenden Industrialisierung verkündeten dann die Dampfpfeifen und Sirenen der Betriebe den Arbeitsbeginn, die Pausen und den Feierabend. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts brachten in der Langen Straße vor allem Uhrmacher über ihren Geschäften große, weithin sichtbare und vor allem genau funktionierende Uhren an.

Viele Barther richten sich auch heute noch nach der Anzeige von Edwin Pohlas Straßenuhr

Einer der ersten Barther Geschäftsleute, die ihren Mitbürgern diesen nützlichen Service zur Verfügung stellten, war der Juwelier und Uhrmacher Carl Pohla. 1928 ließ er an seinem Geschäft an der Ecke Lange Straße/Markt eine dieser großen Außenuhren montieren. „Am 10. November beantragte er die Genehmigung für eine ,Elektrische Straßenuhr‘, die nach der Vorschrift in mindestens 2,40 Meter Höhe anzubringen war“, berichtete sein Enkel Edwin Pohla, der heutige Inhaber des Juwelier- und Uhrengeschäftes.

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Das angewendete Prinzip war einfach: In Nähe der Uhr, aber im Geschäft, war auf einem Wandbrett das eigentliche Uhrwerk mit Pendel und Gewicht montiert. Die Drehbewegung für die Zeiger wurde über eine flexible Welle und durch ein Loch in der Wand nach draußen zum Uhrengehäuse übertragen. „Einstellen ließ sich die Uhrzeit nur von innen, und zwar auf sehr komplizierte Weise“, erklärte er.

„Als flexible Wellen dienten uns Tachowellen, zum Schluss die vom Trabbi. Im Winter froren die manchmal ein, aber sonst lief Großvaters Uhr gut und genau.“

In den 1980er Jahren hatte aber nach über einem halben Jahrhundert zuverlässigen Dienstes auch die Stunde dieser zuverlässigen Konstruktion geschlagen. „Ich beantragte zu dieser Zeit bei der Stadt einen Umbau am Haus. Der damalige Bürgermeister wollte erst eine neue Straßenuhr sehen, bevor er die Umbaugenehmigung fürs Haus erteilte. Am liebsten hätte er in der ganzen Stadt solche Außenuhren gehabt“, sagte Edwin Pohla. Als geschickter Handwerker und Tüftler baute er seine neue Straßenuhr selbst.

Als Zeitgeber diente ihm das Quarzlaufwerk einer Küchenuhr, der Antrieb für die großen Zeiger bestand aus einem Schaltkreis mit Signalverstärker und Schrittmotor. Das Uhrengehäuse war gebraucht, Ehefrau Ulrike erneuerte das Zifferblatt mit Glasmalfarben. Das Prinzip der Zeitanzeige ähnelte dem alten: Das Quarzlaufwerk lief im Geschäft und die Übertragung des Signals erfolgte per Kabel in das Gehäuse, wo der Schrittmotor die Zeiger antrieb. „Nach dem Wunsch des Bürgermeisters hatte ich solche Module für die ganze Stadt angefertigt, aber dann klappte es mit der Verkabelung nicht“, erinnerte sich Erwin Pohla.

Seine Eigenkonstruktion lief bis 1998, als er sich die heutige Uhr des Herstellers Mühle/Glashütte beschaffte. Diese enthält für jedes ihrer beiden Zifferblätter ein separates Funklaufwerk der Firma Junghans – nicht viel größer als das einer Küchenuhr, aber mit viel mehr Drehkraft sowie mit Metallwellen versehen. Ihre Stromversorgung erfolgt immer noch über das Loch, das 1928 für die erste Außenuhr gebohrt worden ist.

Edwin Pohla ist sich ziemlich sicher, dass sich immer noch viele Barther nach der Anzeige seiner Uhr richten. „Als nämlich im letzten Winter eines ihrer Funklaufwerke Schaden genommen hatte, kamen viele Leute in den Laden und fragten, wann sie denn wieder funktionieren würde.“ Mit einem speziell in Glashütte angefertigten Ersatzteil hat er sein beliebtes Zunftzeichen nun wieder zum Laufen bringen können.

Volker Stephan

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