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Ribnitz-Damgarten Dänschenburg: Wo edle Rennpferde neben Rindern grasen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Dänschenburg: Wo edle Rennpferde neben Rindern grasen
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06:03 06.04.2019
Trainerin Anna Schleusner-Fruhriep mit ihrem Erfolgspferd „Wutzelmann“ und Reiter Lubos Kazik. Quelle: Dietmar Lilienthal
Marlow

Volker Schleusner kommt gerade von der Koppel. Der Pferdenarr aus Dänschenburg bei Marlow (Vorpommern-Rügen) war nach den Kälbern sehen. Die jüngsten sind gerade erst geboren worden – auf der Weide. Das Besondere: Schleusner hält Pferde und Rinder zusammen auf der Koppel. „Besser geht es gar nicht“, sagt der Mecklenburger. „Was die Pferde nicht fressen, mögen die Kühe.“ Das sei eine Tugend aus Großvaters Zeiten. Wo Pferde und Rinder zusammen grasen, sind die Wiesen wie geleckt.

Ökobauer Schleusner hofft, dass seine gemischte Herde auch besonders wehrhaft ist, falls in der offenen Landschaft irgendwann Wölfe auftauchen. Rennpferde und Mutterkühe gehören zum Familienbetrieb, den Volker Schleusner zusammen mit Tochter Anna führt. Die 35-jährige Diplom-Agraringenieurin ist Betriebsleiterin und zugleich eine der erfolgreichsten Besitzer-Trainerinnen in der Pferde-Szene.

Öko-Bauer Volker Schleusner hält in Dänschenburg bei Marlow (Landkreis Vorpommern-Rügen) edle Vollblut-Pferde gemeinsam mit Rindern. In der deutschen Galopprennszene genießt der Familienbetrieb einen guten Ruf.

Vollblut-Pferde auf dem Bio-Hof

So sehr sich Schleusners über den Zuwachs in der Mutterkuhherde freuen, die große Leidenschaft der Familie sind die Pferde. Englische Vollblüter, eine speziell für den Galopprennsport gezüchtete Rasse. Seit fünf Jahren mischt die Familie bundesweit in der Rennszene mit. Zu Anfang seien sie neugierig beäugt worden, meint Volker Schleusner verschmitzt. „Wir als kleine Bauern neben all den namhaften Gestüten.“

Ein kleiner Bauer ist der Mecklenburger jedoch nicht. 1000 Hektar Grünland, 500 Hektar Acker, rund 50 Pferden und gut 1000 Bio-Rindern. Mit dem Hof hat er sich 1989 selbstständig gemacht, als Wiedereinrichter. Denn schon Großvater Schleusner besaß in Dänschendorf einen Hof – mit Pferden. „Wir konnten die Wirtschaft des Großvaters wieder übernehmen.“

Dabei hat Volker Schleusner vorher in anderen Berufen gearbeitet: Werftarbeiter, Heizungsmonteur, Schädlingsbekämpfer, mit Pferden in der Forst. Doch im Herzen war der heutige Mitt-Sechziger wohl immer Bauer, auch zu DDR-Zeiten hielt die Familie nebenbei Pferde, Schweine und Kühe. Papa konnte reiten, bevor er laufen lernte, sagen seine Töchter. Es gibt sogar ein Bild, das das beweisen soll. Mit dem Pferde-Virus hat er auch die Töchter angesteckt. Sogar die ersten der fünf Enkel sind schon infiziert.

Orientierungsreiten im Wald

„Als Kinder sind wir alle geritten“, erzählt Pauline, die jüngste der drei Schleusner-Töchter. Anna sei sogar bei Rennen gestartet, Strandrennen auf Rügen und Darß zum Beispiel. „Das war immer ein Riesenspaß.“ Die beiden jüngeren Töchter gingen beruflich andere Wege, wie auch Mutter Birgit. Doch in der Freizeit ist sie alle dabei, wenn die Familie für Freunde und Bekannte zum Beispiel Ende April wieder das Orientierungsreiten im Wald organisiert.

Pferdeland MV: Reiturlaub erfreut sich wachsender Beliebtheit

24 000 Pferdeleben in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 1000 Fohlen werden pro Jahr geboren, die meisten bei Hobbyzüchtern. Rund 1700 private Züchter gibt es laut Pferdezuchtverband in MV. Viele sind erfolgreich – mit nur einer oder zwei Stuten im Stall.

Das Landgestüt Redefin, das Lewitz-Gestüt in Neustadt-Glewe (beide Landkreis Ludwigslust-Parchim) und das Gestüt Ganschow bei Güstrow stehen für die professionelle Pferdezucht.

Mecklenburger Warmblutund Mecklenburger Schecken sind traditionelle Rassen der Region. In Ganschow gibt es auch eine bekannte Trakehner-Zucht. Das Lewitz-Gestüt von Ex-Springreiter Paul Schockemöhle hält vor allem Hannoveraner. Doch auch viele andere Rassen sind beliebt – von Shetland- und Deutsche Reitponys ebenso wie Kaltblüter, Fjord- und Friesenpferde.

300 Reiterhöfeund Wanderreitstationen prägen das touristische Profil. Reiturlauber tragen mit rund 57 Millionen Euro pro Jahr zum Umsatz der Branche bei. Im Land gibt es rund 6400 Kilometer Reitwege, 25 Kilometer kamen 2018 neu dazu. Auch Kutschfahrten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

1,3 Millionen Pferde und etwa 900 000 Pferdebesitzer gibt es bundesweit. Nach Branchenangaben liegt der Umsatz der

deutschen Pferdewirtschaft bei geschätzten 6,7 Milliarden Euro.

Die Begeisterung für den professionellen Rennsport wuchs, nachdem Volker Schleusner aus der Nähe von Moskau eine russische „Budjonny“-Stute nach Dänschenburg geholt habe, erzählt der Familienvater. Budjonny-Pferde, auch als Don-Pferde bekannt, sind robuste, sehr schnelle Tiere. Von ihrer Stute „Reklama“ aber schwärmt die Familie bis heute. Mit ihr gewann Volker Schleusner gleich beim ersten Einsatz auf der Doberaner Rennbahn haushoch das Bauernrennen. Preise und Pokale füllen inzwischen viele Regale.

Im Smoking nach Baden-Baden

Im Galoppsport hat der Mecklenburger Vollblut-Hof inzwischen einen guten Ruf. „Die in der Rennszene anfangs belächelte Koppelhaltung der Pferde bewährt sich. „Mit ’Wutzelmann’ hatten wir 2018 sogar einen Deutschen Champion mit vier Siegen“, freut sich Anna Schleusner-Fruhriep. Auch in diese Saison startete der Wallach wieder erfolgreich. Beim Hindernisrennen in Mannheim ließ er ein starkes Feld hinter sich – Preisgeld 3600 Euro. Zur Ehrung der „Champions im Deutschen Galopprennsport“ reisen Vater und Tochter demnächst ins Casino nach Baden-Baden. „Da muss ich mir noch einen Smoking besorgen“, grient Vater Schleusner. Aber es ist sein vollster Ernst. „Wer weiß, wann das mal wieder klappt.“ 2019 will die Familie auf rund 100 Rennen vertreten sein. Übrigens wird auch gern gewettet – am liebsten auf die eigenen Pferde. Dieses Wochenende geht es nach Berlin-Hoppegarten, später nach Hamburg, Hannover, Bad Harzburg. Sogar Schweden steht im Plan. 21 Pferde werden darauf vorbereitet. Auch auf „Loverboy“ und „Feuerblume“ setzt die Familie große Hoffnungen.

Schleusners sind auch begeisterte Züchter. „Weit über 100 Fohlen“ sind in Dänschenburg schon geboren worden. Die Pferde müssen täglich trainiert werden, betont Anna Schleusner-Fruhriep. Drei Arbeitsreiter sind dafür im Betrieb angestellt. Für die Rennen werden Berufsjockeys gebucht, da gilt als üblich in der Branche.

Wieder Renntage in Heiligendamm?

Volker Schleusner engagiert sich seit vielen Jahren auch für die Renntage in Bad Doberan, war einige Zeit sogar Präsident des Rennvereins. „Es wäre schön, wenn die Renntage wieder stattfinden könnten“, sagt Schleusner. 2018 waren sie abgesagt wurden, aber im April oder Mai sollen Entscheidungen zur Zukunft von Deutschlands älterster Galopprennbahn fallen. „Die Ostseerennbahn ist ein Markenzeichen“, meint der Pferde-Fan. „In ganz Deutschland fragen uns Reiter, wann es hier weitergeht.“ Das Sport-Event mit Volksfest-Charakter gehöre zum Pferdeland MV – ebenso wie die traditionsreichen Zuchtstätten in Redefin und Ganschow.

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