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Ribnitz-Damgarten Das Mädchen mit dem roten Koffer
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Das Mädchen mit dem roten Koffer
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19:00 04.12.2019
Cover des Buches ‚‚Salz an meinen Füßen‘‘.
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Stralsund

„Lasst mich nicht hier!“ bittet Romy. Doch die Entscheidung ist gefallen. Die Neunjährige bleibt im Kinderheim Möwenburg. Der Name des Heimes ist erdacht. Auch das Pseudonym der Buchautorin: Charly Freimuth. Die Geschichte hat sich tatsächlich ereignet. Im Bezirk Rostock der 1970er-Jahre. Das Buch erzählt von der Suche nach den eigenen Wurzeln.

Im Heim buchstäblich abgegeben

Auf dem Greifswalder Bahnhof wartet die neunjährige Romy auf einen Zug, gemeinsam mit Großmutter Clara und Vater Fred – beide nicht ihre leiblichen Verwandten, wie sie kürzlich erfuhr – und mit ihrem kleinen Bruder Kai. Sie sind unterwegs ins Kinderheim „Möwenburg“ in der Nähe von Schwerin. Romy wird dort buchstäblich abgegeben, klammert sich mal an Clara, mal an Fred, bittet, nicht bleiben zu müssen. In der Hand ihren roten Koffer, den die Heimleiterin dem weinenden Kind schließlich behutsam aus der Hand nimmt.

„Sie wissen, was Sie einem Kind antun, das Sie von ihren Geschwistern trennen?“, fragt sie später mahnend die Stiefgroßmutter Clara und Fred, den geschiedenen Mann von Romys Mutter. Einer Alkoholikerin, wie es heißt. Die Großmutter bleibt hart. Ein Plüschtier streckt ihr Bruder Kai ihr zum Abschied hin.

Die Mutter im Stasi-Gefängnis

Cover des Buches ‚‚ Salz an meinen Füßen“. Quelle: Verlag

Romys Mutter Renate liest in der U-Haft des Stasi-Gefängnisses Rostock die Verfügung über die Einweisung ihrer Tochter. Sie rebelliert, bekommt schließlich die Erlaubnis, bei „guter Führung“ alle drei Monate der Tochter schreiben zu dürfen. Von ihrem Ex-Mann Fred war sie geschlagen worden. Auf Anraten der Schwiegermutter allerdings „nur“ in den Bauch, um verräterische blaue Flecke zu vermeiden.

Romy erinnert sich auch an die Erzieherin Frau Schierling, die ihr das Schlafen auf der Pelzmütze der geliebten Großmutter verweigert. Sie erzählt anrührend, wie die Mädchen im Heim von einem echten Zuhause träumen.

Heimkindern ein Gesicht geben

Nach der Wende wird Romy ermuntert, sich ihrer Geschichte zu stellen, ihren Vater zu finden, den Bruder. Klarheit sei wichtig. Sie schämt sich ihrer „asozialen Eltern“. Doch sie beginnt, Akten einzuholen. „Ein Rätsel war geklärt, drei neue traten auf“, schreibt sie. Schwer war es, alles auch aus der Sicht der anderen zu sehen. „Ich schrieb die Geschichte dreimal und habe 14 Jahre gebraucht. Am Ende war nichts, wie es am Anfang schien.“

„Das Buch handelt vom Schmerz des Verlassenseins und dem ewigen Kampf gegen die geringe Wertschätzung von Heimkindern“, so Charly Freimuth. „Ich möchte damit Kindern mit ähnlichen Lebenswegen ein Gesicht geben.“

Lesen Sie auch:

Charly Freimuth, „Salz an meinen Füßen“, Digitaldruck Kruse Stralsund, ISBN 978-3-95872-051-0

Von Christine Senkbeil

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