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Ribnitz-Damgarten Der „Flüchtlingsgipfel“ von Barth
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Der „Flüchtlingsgipfel“ von Barth
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00:22 19.09.2015
Auf der Flucht: Eine Mutter wartet mit ihrem Kind in einem Bus auf die Weiterfahrt. Quelle: Benjamin Westhoff/dpa
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Barth

Der Flüchtlingsstrom und viele offene Fragen: In einer eigens einberufenen Sitzung haben die Barther Stadtvertreter dazu am Donnerstagabend, zumindest teilweise, Antworten erhalten. „Es müssen endlich die Gerüchte aufhören. Deshalb brauchen wir Klarheit über die Flüchtlingsproblematik und wie wir damit umgehen wollen“, begründete Dirk Leistner, Vorsitzender der FDP-plus-

Fraktion, die Forderung nach dieser Sondersitzung. Carmen Schröter, Stellvertreterin des Landrates, versuchte, den Abgeordneten einen Überblick zu geben. Angesichts des derzeit ungewissen Zustroms konnte sie keine genauen Aussagen dazu treffen, wie viele Flüchtlinge Barth noch aufzunehmen habe. 330 Plätze hatte die Stadt vor zwei Jahren als Obergrenze für aufzunehmende Asylbewerber festgelegt.

Zurzeit stünden 189 Plätze in der Barther Gemeinschaftsunterkunft zur Verfügung. Teilweise würden sie noch ausgestattet. Außerdem gäbe es eine Wohnung mit acht dezentralen Plätzen. Sie seien für Asylbewerber mit Aufenthaltserlaubnis gedacht — als Zwischenstation, bis sie eine Wohnung gefunden hätten. Die meisten Flüchtlinge ziehe es nach Befürwortung ihres Asylantrags in Großstädte, informierte Schröter.

Zwei Asylbewerber hätten in Barth selbst eine Wohnung angemietet.

Von den aktuell 126 Flüchtlingen in Barth seien 31 jünger als 17 Jahre, listete die Beigeordnete des Landrates auf. 22 Kinder hätten Anspruch auf einen Kita- oder Hortplatz. Davon nähmen vier Kinder diesen gesetzlichen Anspruch wahr. Derzeit werde diskutiert, ob auch in Gemeinschaftsunterkünften eine Kita-Betreuung möglich werden solle, erklärte Schröter.

Eine schrittweise Erweiterung der Barther Gemeinschaftsunterkunft auf 330 Plätze wäre laut Schröter denkbar. „Wenn der Zustrom nicht noch mehr steigt, wäre das schon eine sehr gute Grundlage“, sagte sie.

Stadtpräsidentin Petra Meinert (CDU) erklärte, dass die Barther Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) weitere Wohnungen in der Bertolt-Brecht-Straße für Asylbewerber herrichten wolle. 330 Plätze halte sie daher für realisierbar.

Um Flüchtlinge unterbringen zu können, wolle der Kreis die Verteilung auf noch mehr Gemeinden ausdehnen. Bei der Suche nach weiteren Gemeinschaftsunterkünften müsste nun auch an Container gedacht werden, sagte Carmen Schröter.

Auf eine Anfrage, ob den Winter über auch die Barther Jugendherberge als Flüchtlingsunterkunft in Betracht kommen könnte, entgegnete Schröter: „Das möchte der Landkreis nicht. Dann hätten wir im Frühjahr einen Aufnahmestau.“

Bürgermeister Stefan Kerth (SPD) und Lothar Wiegand (Die Linke) dankten allen ehrenamtlichen Helfern, die sich in Barth um die Flüchtlinge kümmern. Wiegand gab zudem die Eindrücke von Petra Pau (Die Linke) wieder. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages hatte am Donnerstag die Gemeinschaftsunterkunft besucht. „Die Wohnungen waren blitzsauber. Petra Pau war sehr angetan von der Betreuung und herzlichen Aufnahme der Asylbewerber“, berichtete Wiegand.

Stadtpräsidentin Petra Meinert sagte: „Wir erwarten von den neuen Bewohnern, dass sie sich uns anpassen, aber wir selber sollten auch so viel Courage zeigen und Veränderungen zulassen.“ Alle, die helfen wollen, ob über den Barther Nachbarschaftstreff oder einen Verein, sollten miteinander und nicht gegeneinander arbeiten, wünschte sich Meinert. Wer sich für die Flüchtlinge engagieren möchte, könne sich an die Hilfsorganisation Malteser in der Gemeinschaftsunterkunft wenden, ebenso an die Wobau, Stadtverwaltung oder an einzelne Abgeordnete.

Holger Friedrich (SPD) hat sich mit der Historie befasst. Der erste stellvertretende Stadtpräsident verwies auf das Ende des Zweiten Weltkrieges: „Im Mai 1945 hatte Barth 26700 Einwohner, 16

300 davon waren Flüchtlinge!“ Friedrich frage sich, wie die Barther die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge damals geschafft hätten. Letztlich hätten sie‘s gepackt, und die Probleme 1945 seien sehr viel größer als heute gewesen.

330 Plätze für Flüchtlinge, das dürfte realisierbar sein.“ Stadtpräsidentin
Petra Meinert (CDU)
Im Mai 1945 hatte die Stadt Barth 16300 Flüchtlinge!“ Stadtvertreter
Holger Friedrich (SPD)



Detlef Lübcke

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