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Ribnitz-Damgarten Der Mann für die zwielichtigen Typen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Der Mann für die zwielichtigen Typen
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16:13 27.11.2019
Beim Stück „Die Wikinger kommen“ im Theatergarten spielte Wolfgang Reinhardt den Pfarrer Gottlieb Himmelreich. Quelle: René Lembke
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Barth/Ribnitz-Damgarten

Dass er schon wieder einen zwielichtigen Typen spielt, passte Wolfgang Reinhardt anfangs gar nicht. Als die Rollen für das neue Silvesterstück an der Barther Bodden-Bühne verteilt wurden und feststand, dass der Ribnitzer den windigen Anwalt Dr. Dr. Rossi spielen wird, war er zunächst nicht begeistert. „Ich bin für Gerechtigkeit und Ausgleich, warum spiele ich schon wieder so eine zwielichtige Rolle“, fragte der Ribnitz-Damgartener den Regisseur und Intendanten Martin Schneider. Doch dieser habe gleich eine Antwort parat gehabt. „Aber das ist doch genau die Herausforderung.“

Der Hobby-Schauspieler nahm die Herausforderung an und hat es nicht bereut. „Es hat zwar etwas gedauert, bis ich die Rolle verinnerlicht hatte, aber dafür sind die Proben ja auch da.“ Was ihm hingegen schon immer leicht fiel, war das Textlernen. „Da hatte ich nie Probleme. Ich habe schon in der dritten Klasse drei DIN-A4- Seiten auswendig gelernt“, berichtet der 68-Jährige. Damals nahm er an einem Schulausscheid teil und schaffte es sogar bis zum überregionalen Ausscheid, den er mit dem Prädikat „gut“ abschloss.

Sketche bei Familienfeiern

Die Liebe zur Schauspielerei begleitete ihn ein Leben lang. „Ich habe während der Armeezeit eine Theatergruppe mit begründet und auch mitgespielt. Ich hatte schon immer ein Faible dafür. Schon in der Schule habe ich Gedichte nicht nur aufgesagt, ich habe gespielt“, erinnert sich der Ribnitzer. Bei Familienfeiern führte er immer kleine Sketche aus und sorgte für Erheiterung.

Er habe auch überlegt, Schauspieler zu werden, doch dann kam alles anders. „Ich bin zur See gegangen, habe erst Matrose gelernt und wurde dann zum Marinetiefseetaucher ausgebildet.“ Wolfgang Reinhardt arbeitete als Berufstaucher, war immer 14 Tage an Bord eines Schiffes und 14 Tage bei seiner Familie zu Hause. „Wir hatten Einsätze an der gesamten Ostseeküste, haben unter anderem Unterwasserreparaturen gemacht und Versorgungskabel verlegt.“ Für die Schauspielerei blieb da auch als Hobby keine Zeit mehr.

Vom Berufstaucher zum Anzugträger

Als die Wende kam, war der Ribnitzer aus gesundheitlichen Gründen tauchunfähig und musste sich beruflich neu orientieren. Er machte eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten und bekam gleich eine Stelle bei einer Krankenkasse. „Ich wurde sesshaft. Auf einmal ging ich jeden Tag mit Schlips und Kragen ins Büro. Das war schon eine Umstellung.“ In seiner Freizeit sang er 18 Jahre lang im Shantychor in Rostock, übernahm bei Auftritten auch die Moderation.

Als er dann 2017 las, dass das Bürgertheater Ahrenshoop dringend einen Schauspieler sucht, brachte seine Frau ihn dazu, sich zu melden. In dem Stück spielte Wolfgang Reinhardt einen dubiosen Kurdirektor, der in die eigene Tasche wirtschaftet. Martin Schneider vom Barther Theater wurde bei der Premiere auf ihn aufmerksam und fragte ihn gleich, ob er beim Barther Amateurensemble dabei sein wolle. Und so kam es, dass er in diesem Jahr im Theatergarten bei dem Stück „Die Wikinger kommen“ den Pfarrer Gottlieb Himmelreich spielte. „Wieder ein zwielichtiger Typ, der Wasser predigt und Wein säuft“, sagt Wolfgang Reinhardt und lacht.

Seit Anfang November wird geprobt

Die Proben für das Silvesterstück haben Anfang November begonnen. Gezeigt wird die Kriminalkomödie „Im Frauenknast – bei Schloss und Riegel“ von Brigitte Wiese und Patrick Siebler. In diesem Gefängnis geht es äußert korrupt und turbulent zu. Gefängnisdirektor Rudi Schlosser bietet seinen finanzkräftigen Insassinnen eine vergleichsweise luxuriöse Unterbringung. Doch die Langzeitgefangene Helga Wech, gespielt von der 91-jährigen Helga Wienhöfer, will nach zehn Jahren Knast trotz aller Vorzüge dennoch weg. Und dabei soll ihr der Staranwalt Dr. Dr. Rossi helfen. „Wir sind ein tolles Team. Für mich ist es eine Ehre, mit Helga Wienhöfer und all den anderen erfahrenen Kollegen spielen zu dürfen“, sagt der 68-Jährige.

Seit 2005 gibt es regelmäßig Silvesterproduktionen des Barther Amateurensembles. „Im Frauenknast – bei Schloss und Riegel“ ist also das 14. Silvesterstück und es ist Kult. Die Premierenkarten sind heiß begehrt. Rund 1200 Zuschauer erleben jährlich die Silvesterproduktionen an der Barther Bodden-Bühne.

Vorstellungen

Das Silvesterstück„Im Frauenknast – bei Schloss und Riegel“ des Barther Amateurensembles unter der Regie von Martin Schneider feiert am 31. Dezember um 14 und um 18 Uhr Premiere in der Barther Bodden-Bühne.

Weitere Vorstellungstermine:18. Januar um 19.30 Uhr, 25. Januar um 19.30 Uhr, 26. Januar um 15 Uhr, 29. Februar um 19.30 Uhr, 1. März um 15 Uhr; 21. März um 19.30 Uhr und 22. März um 15 Uhr. Karten unter der Telefonnummer 039 71/268 88 00

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