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Ribnitz-Damgarten Die Rückkehr von Gerhard Marcks nach Ahrenshoop
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Die Rückkehr von Gerhard Marcks nach Ahrenshoop
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09:48 11.06.2019
Torsten und Mareike Frühauf aus Berlin bauen die einstige Büdnerei des Bildhauers und Grafikers Gerhard Marcks in Ahrenshoop wieder auf. Quelle: Timo Richter
Ahrenshoop

Ein bisschen ist es so, als würde der Bildhauer, Grafiker und Zeichner Gerhard Marcks zurück nach Ahrenshoop kommen. In dessen Büdnerei, es handelt sich dabei um das Haus B14 in dem ihm zu Ehren benannten Weg im Ortsteil Niehagen, wird kräftig gearbeitet. Mareike und Torsten Frühauf verwandeln das alte Gemäuer in ein schmuckes Künstlerdomizil. „Es soll ein Ort werden, an dem Kunst wieder erlebbar sein wird.“

In dem kleinen Ateliergebäude lässt sich erahnen, wie die Arbeiten Gerhard Marcks’ unter dem großen Oberlicht wuchsen. Frisch restauriert scheint sich das Atelier im Schatten des Wohngebäudes geradezu verstecken zu wollen. Das braucht es nicht, haben die beiden Berliner das letzte authentische Atelier in Ahrenshoop gerettet.

Die alte Original-Eingangstür wurde liebevoll restauriert. Quelle: Timo Richter

Vom zurückliegenden Verfall der Büdnerei, deren Bau irgendwo in der Zeitspanne zwischen 1790 und 1820 – ein genaues Baujahr ist nicht dokumentiert – erfolgt ist, ist nichts mehr zu erkennen. Frisch herausgeputzt erstrahlt das Wohnhaus, wiederhergestellt wurden die ursprüngliche Fassade, die alten Fenster konnten erhalten werden. Und die alte Original-Eingangstür wurde liebevoll restauriert und mit dem einstigen Farbton versehen.

Veränderungen sichtbar gemacht

Durch sie geht es hinein in das Gemäuer, das eigentlich keins ist. Denn die Ausfachungen des Fachwerks sind komplett in Lehm ausgeführt. Auch drinnen ist der Geist Gerhard Marcks’ deutlich zu spüren. Etwa die Beschläge der alten Türen. Die ursprünglichen Bauhaus-Beschläge Gropius muss der Künstler als zu fade empfunden haben. Die Blenden einiger Türen hatte er durch eigene Entwürfe ersetzt.

Bewusst haben Mareike und Torsten Frühauf alte Wandmalereien im gefunden Zustand belassen, teilweise wurden Ornamente und Muster ergänzt und weitergeführt. Der Charakter des Innenlebens sollte weitgehend erhalten bleiben. Wie der sich im Laufe der Zeit geändert hat, ist in verschiedenen Befundfenstern zu erkennen. Dabei handelt es sich um kleinere Flächen, auf denen die wechselnden Anstriche freigelegt wurden.

Kleine Bibliothek geplant

Das funktioniert nur bis zu einem bestimmten Grad. So gab es früher kein Badezimmer, geschweige denn eine Toilette. Beides wurde sorgsam eingebaut, in einem kleinen Raum mit Blick auf den Bodden soll eine kleine Bibliothek zum einstigen Hausherren entstehen. Eine Küche im Bauhaus-Stil wird eigens angefertigt. Gestrichen ist der Raum wieder im einstigen Blauton gestrichen. „Das hält Insekten fern.“ Und den einstigen Stall wurde neu errichtet. Darin sollen nach Vorstellungen von Mareike und Torsten Frühauf kleine Ausstellungen, Lesungen, Konzerte oder auch mal ein Filmabend stattfinden.

Zudem laufen derzeit Gespräche mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale über eine mögliche Kooperation. Denkbar ist außerdem, das Haus einige Wochen im Jahr an besonders interessierte Künstler für einen Arbeitsaufenthalt zu vermieten. Da ist aber noch nichts unterschrieben beziehungsweise endgültig abgestimmt. Fest steht erst einmal der Eröffnungstermin des künstlerischen Schmuckstücks mit einer Ausstellung Mitte August. Die Nutzung jedenfalls soll ähnlich der des Edvard-Munch-Hauses in Warnemünde sein.

Einsatz für Baukultur

Mit dem Wiederaufbau verfolgen Mareike und Torsten Frühauf aber viel mehr als allein das Wirken Gerhard Marcks’ in Ahrenshoop gebührend zu würdigen. Sie wollen auch ein deutliches Zeichen für Baukultur in dem Künstlerort setzen. So werde der zum Bodden gelegene Teil des Grundstücks nicht bebaut – obwohl es eine positiv beschiedene Bauvoranfrage aus der Vergangenheit für ein Doppelhaus samt Garagen gibt, wie Torsten Frühauf sagt. Bewusst werde auf eine Bebauung verzichtet, allein schon, um den Blick auf den Bodden nicht zu zerstören.

Rund zwei Millionen Euro lassen sich die Frühaufs das ehrgeizige Unterfangen kosten. Als Geschäftsführer eines Unternehmens für Eisenbahntechnologie und Anlagenbau fühlt sich die Familie seit 2009 in Ahrenshoop sehr wohl. Einst war es die Tochter, die das Augenmerk ihrer Eltern auf das zu verfallen drohende Gebäude richtete. Die nämlich ist begeisterte Reiterin von Islandpferden. Während der Ausritte ausgehend vom Fretwurst’schen Pferdehof „haben wir den fortschreitenden Verfall gesehen“, sagt Mareike Frühauf. Bis zum Jahr 2015 sollte es noch dauern, dass sie das Gebäude erwerben konnten.

Flucht in Abgeschiedenheit

Das kleine Atelierhaus, in dem Gerhard Marcks arbeitete, wurde restauriert. Quelle: Timo Richter

Ab 1925 weilte Gerhard Marcks häufiger in Ahrenshoop. 1930 hat der Künstler die Büdnerei B14 gekauft, erweiterte sie anschließend. Das geht aus einem Brief hervor, wonach er bei seinem Freund Alfred Partikel untergekommen war, bis das eigene Haus den persönlichen Anforderungen entsprach. Als die Nationalsozialisten zunehmend an Einfluss gewannen, leistete Gerhard Marcks Widerstand. Auf die Barrikaden ging der Vorsteher der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, als die Nazis eine Jüdin aus dem Kollegium rauswerfen wollten. 1933 wurde Gerhard Marcks selbst entlassen, maßgeblich wegen seines Einsatzes für die jüdische Kollegin. Noch im selben Jahr siedelte er nach Ahrenshoop um, suchte die Abgeschiedenheit.

Das Interesse an dem Wiederaufbau der Marcks’schen Büdnerei ist riesengroß und wird in entsprechenden Communitys schon fleißig diskutiert.

Mareike und Torsten Frühauf haben viele Details erhalten.

Timo Richter

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