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Ribnitz-Damgarten Die ganze Welt und immer wieder Pantlitz
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Die ganze Welt und immer wieder Pantlitz
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18:16 25.07.2019
Manfred Lange aus Schwedt hat Länder auf fünf Kontinenten bereits. Auf seinen Reisen hielt er Erinnerungen an seine Kindheit in Pantlitz fest. Quelle: privat
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Pantlitz/Schwedt

Vietnam, Namibia, Südamerika und viele weitere Länder: Manfred Lange hat die ganze Welt bereist. Doch eine Liebe hat ihn nie losgelassen, obwohl er sie schon vor mehr als 50 Jahren verlassen hat. Die Liebe zum Ort seiner Kindheit: Pantlitz, Ortsteil der Gemeinde Ahrenshagen-Daskow.

Manfred Lange lebt in Schwedt an der Oder, arbeitete dort seit 1964 vorwiegend als Leiter der Produktion im Erdölverarbeitungswerk PCK Schwedt, ist seit 1999 Rentner. „Ich habe die Heimat nie vergessen, nicht in der neu gewählten und nicht an fernen Orten dieser Welt“, schreibt Lange im Prolog zu seinem Buch „Im schönen Wiesengrunde...“.

20 Jahre bis zum Abschluss

Vor mehr als 20 Jahren begann der heute 78-Jährige, Erinnerungen an den Ort seiner Kindheit aufzuschreiben. Viele Aufzeichnungen entstanden an weit entfernten Orten, wie 2008 in Ecuador oder 2010 in Vietnam. Doch es dauerte, bis Lange am Ziel ankam. Andere Vorhaben, die ihm leichter von der Hand gegangen seien – Lange hat weitere Bücher, unter anderem über seine Reisen, geschrieben – habe er oftmals dazwischengeschoben. Der Abschluss des Buches verzögerte sich außerdem im Jahre 2002 durch die Alzheimer-Erkrankung seiner Frau, die er bis zu ihrem Tod 2014 pflegte.

Das Holzhaus der Familie von Manfred Lange in Pantlitz ist mittlerweile abgerissen worden. Quelle: Archiv Manfred Lange

Ab und zu fand der Rentner auch den Weg zurück nach Pantlitz, um mit ehemaligen Wegbegleitern aus seiner Kindheit Kontakt aufzunehmen, beispielsweise Namen zu Mitschülern auf alten Klassenfotos zuzuordnen. „Nach dem Tod meiner Eltern war ich aber nicht mehr so oft dort“, sagt Manfred Lange. Seine Eltern verstarben 1978 und 1981. Das Holzhaus, in dem er zuletzt mit seinen Eltern wohnte, ist abgerissen. „Pantlitz hat seine Beschaulichkeit aber nicht verloren.“

Vertrieben aus Polen

1947 zog Manfred Langes Familie nach Pantlitz. 1945 vertrieben aus dem ehemaligen Paulsruhe in Polen, heute Dziewczastruga (Regierungsbezirk Poznan), kam die sechsköpfige Familie – Lange ist der drittjüngste der vier Brüder – zunächst in Ahrenshagen unter. 1947 erhielt die Familie eine Wohnung in der sogenannten „Schnitterkaserne“. „Pantlitz war, vor der Zeit von Smartphone und ’Herr der Ringe’ besonders für Kinder ungeheuer spannend mit Park, Parkteich, Insel, Burgwall, Galgenberg und Urstromtal der Recknitz“, erinnert sich der 78-Jährige.

Allerdings war es auch eine beschwerliche Zeit, vor allem in den Nachkriegsjahren. Der Junge Manfred musste oft – vor allem während der Erntezeit – körperlich hart in der Landwirtschaft seiner Eltern arbeiten.

Der junge Manfred Lange auf einer Weide bei Pantlitz. Quelle: Archiv Manfred Lange

Vor allem im Winter fehlte angemessene Kleidung. Die damaligen Lebensumstände sind nicht zu vergleichen mit den heutigen. In seinem Buch erinnert sich der Autor beispielsweise, wie Martin während der Stromsperre, die es im Herbst und Winter täglich für zwei Stunden nach Einbruch der Dunkelheit gab, mit Kerzenwachs spielte. Später, in den 1950er Jahren, erinnert sich Martin an verlassene Gehöfte. Brüllende Kühe zeugten davon, dass wieder einmal „einer der Bauern sein Vieh im Stich gelassen hatte und ’nach dem Westen abgehauen’ war.“

Episoden aus dem Leben von Martin

Apropos Martin: Manfred Lange erzählt seine Geschichte nicht aus seiner Perspektive, sondern aus der Sicht der fiktiven Figur Martin. Zum einen wollte er selbst nicht im Vordergrund stehen. Zudem lasse ihm die Wahl einer dritten Person die Freiheit, manche Episode nicht ganz so detailgetreu wiedergeben zu müssen – auch um den einen oder anderen ehemaligen oder Noch-Bewohner des kleinen Dorfes nicht bloßzustellen.

Warum Martin? „Instinktiv gewählt“, sagt Lange. Womöglich in Anlehnung an Martin Grambauer, Protagonist des Romans „Die Heiden von Kummerow“ von Ehm Welk, der Episoden aus dem Leben einer Gruppe von Jungen in einem vorpommerschen Dorf Anfang des 20. Jahrhunderts erzählt.

Pantlitz in den Nachkriegsjahren. Quelle: Archiv Manfred Lange

Es gab aber auch schöne Zeiten. Das „Ströpen“, also das Herumstreifen durch die Natur, „war das schönste Sonntagsvergnügen der Pantlitzer Jugend zwischen acht und zehn“, schreibt Lange. Gern erinnert er sich auch an die Fußballspiele auf dem Pantlitzer Sportplatz. Einige Jahre spielte Lange auch für „Traktor“ Ahrenshagen. Später entdeckte er seine Leidenschaft für den Ausdauersport, lief Marathons und längere Strecken. Noch mit 61 Jahren lief er die 100 Kilometer von Biel (Schweiz) in 13 Stunden und 40 Minuten. Seine Leidenschaft fürs Bergsteigen führte ihn unter anderem auf den Kilimandscharo, den höchsten Berg Afrikas, oder den Berg Ararat (Türkei).

„Diese sollte es sein“

Eine Rückkehr nach Pantlitz habe sich nicht ergeben, sagt Manfred Lange. 1994 bauten er und seine Frau ein Haus in Schwedt. Eine Zeit lang hätte er überlegt, das Familiengrundstück zu übernehmen. Doch das Haus stand nicht mehr, das Grundstück besaß bereits jemand anderes.

Nun kehrt der 78-Jährige mit seinem Buch zurück. Im Eigenverlag, also auf eigene Kosten, hat er „Im schönen Wiesengrunde“ geschrieben und drucken lassen. Erste Lesungen sind vorgesehen am 2. August um 15 Uhr im Pfarramt in Ahrenshagen und am 3. August um 15 Uhr in der Pantlitzer Kirche.

Dann wird Lange sicherlich auch von seiner Lieblingserinnerung an das Dorf seiner Jugend berichten. „Beim Vorbeiradeln an einem Haus an der Hauptstraße, jetzt mit besonderer Aufmerksamkeit rechtshändig, sah er sie von Weitem nur von hinten und es durchfuhr ihn wie ein Blitzstrahl, angenehm, verlockend, mit einer Zielsetzung. Diese sollte es sein.“ Und sie wurde es, und sie blieb es, bis an ihr Lebensende.

„Im schönen Wiesengrunde...“

Im Eigenverlag hat Manfred Lange sein Buch „Im schönen Wiesengrunde... – Erinnerungen an das Pantlitz meiner Kindheit und Jugend“ veröffentlicht. Auf 142 Seiten beschreibt der 78-Jährige, wie der fiktive Charakter Martin in dem kleinen Ort an der Recknitz aufgewachsen ist. Harte Arbeit in der Landwirtschaft, strenge Lehrer, Fußball und die erste Liebe: Das Leben in den Nachkriegsjahren in dem vorpommerschen Dorf war beschwerlich und schön zugleich. In dem Buch sind zudem einige historische Abbildungen des Dorfes sowie Klassenfotos zu finden.

„Im schönen Wiesengrunde“ ist erhältlich unter Telefon 03332/413577 oder per E-Mail anmanfredlange@swschwedt.de.

Robert Niemeyer

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