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Ribnitz-Damgarten Dierhagen legt Flächennutzungsplan erneut aus
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Dierhagen legt Flächennutzungsplan erneut aus
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15:23 24.04.2019
Auf dem Gelände einstiger Stallanlagen am Ortsausgang von Dierhagen-Dorf in Richtung Dändorf sind an die 130 Wohnungen vorstellbar. Quelle: Timo Richter
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Dierhagen

 In den kommenden 15 Jahren benötigt Dierhagen rund 190 Wohnungen. Das ist das Ergebnis einer Bedarfsanalyse, die Bürgermeisterin Christiane Müller (Linke) während der jüngsten Zusammenkunft der Gemeindevertreter vorgestellt hat. Unterm Strich kann dieses Ergebnis die Entwicklung in dem Ostseebad vor den Toren der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst beschleunigen. Denn mit diesem Nachweis geht die Kommune in die inzwischen siebte Auslegung des Flächennutzungsplans.

Dieser Plan als Grundlage jeglicher Entwicklung hängt seit gut zehn Jahren in der Warteschleife. Immer neue Änderungen während der Aufstellungsphase, zuletzt formal fehlerhafte Auslegungen hatten den Flächennutzungsplan immer wieder aufs Wartegleis bugsiert. Mit der Bedarfsanalyse für dauerhaft nutzbare Wohnungen hat das Ostseebad nun die entscheidende Hürde genommen, um den Segen der Genehmigungsbehörde zu bekommen.

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Wohnungsbau in der Kritik

Denn vor allem aus Richtung der Raumordnung war in der Vergangenheit immer wieder Kritik an den Dierhäger Planungen geäußert worden. Und immer wieder hatte die Bürgermeisterin ihre Kritik an der Raumplanung, wonach in dem Ostseebad keine Vielzahl an Wohnungen benötigt würde, diese lieber in Mittelzentren entstehen sollten. Die Studie zeigt nun das Gegenteil auf – zumindest bei einer derzeit anhaltenden Entwicklung Dierhagens.

Das Gutachten zeigt auch schon auf, wo die Wohnungen im Wesentlichen entstehen könnten: nämlich auf dem Gelände der einstigen Stallungen am Ortsausgang von Dierhagen-Dorf in Richtung des Ortsteils Dändorf. Laut der Studie könnten dort an die 130 dauerhaft nutzbaren Wohnungen gebaut werden. Ursprünglich sollte auf dem Areal ein Freizeitpark entstehen. Weitere Wohnungen sollen im Baugebiet Wischenkieker in Dändorf gebaut werden. Zudem plant die Kommune die Errichtung eines Mehrfamilienhauses in der Kirchstraße in Dierhagen-Dorf.

Es dürfen allerdings keine Ferienwohnungen entstehen. Das solle die Kommune dann auch nachweisen, wie es in der Expertise heißt. Empfohlen wird, die dauerhafte Nutzung der Wohnungen jeweils ins Grundbuch eintragen zu lassen.

Kritik an Tischvorlage

Der Flächennutzungsplan hat in er Gemeindevertretung dennoch zu Diskussionen geführt. Weil der zig Seiten starke Plan erst als Tischvorlage zur Abstimmung vorgelegt wurde, verweigerte beispielsweise Kay Mittelbach seine Zustimmung. Der Vertreter der Freien Wählergemeinschaft enthielt sich am Ende seiner Stimme. Es sei den Einwohnern gegenüber unverantwortlich, über etwas abzustimmen, was er nicht lesen konnte. Kay Mittelbach hätte erwartet, dass die Vorlage schon am Tag zuvor, da wurde sie im Bauausschuss der Gemeindevertretung beraten, erhalten zu haben.

Bürgermeisterin Christiane Müller verwies auf die inzwischen bekannten Inhalte und Änderungen am Flächennutzungsplan. Das Thema Wohnungsbau war „das dickste Brett, das wir zu bohren hatten“. Ohne Flächennutzungsplan gehe in Dierhagen gar nichts, so die Bürgermeisterin.

Bautätigkeit auch ohne Flächennutzungsplan

Trotzdem wurde auch in dem Ostseebad während der vergangenen zehn Jahre fleißig gebaut. Das, so Christiane Müller, waren dann Lückenschlüsse innerhalb einer vorhandenen Bebauung, für die kein eigener Bebauungsplan aufgelegt werden musste. Kritik hagelte es zuletzt von Eigentümern von Immobilien aus Dierhagen-Ost. Die dürften wegen eines fehlenden Bebauungsplans ihre zum Teil maroden Gebäude nicht sanieren. Einzelne Bauvorhaben im Küstenschutzstreifen konnten allein auf Basis von Einzelfallentscheidungen der Unteren Baubehörde des Landkreises entstehen. Die Kommune selbst habe in dieser Frage keinerlei Genehmigungsbefugnis. Den Bebauungsplan für den Bereich haben die Gemeindevertreter im Parallelverfahren ebenfalls zur Auslegung bestimmt.

Lesen Sie weiter: http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Ribnitz-Damgarten/Kreis-kassiert-Entwicklungsplan

Timo Richter