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Ribnitz-Damgarten Drei Königinnen für die Halbinsel
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Drei Königinnen für die Halbinsel
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16:36 16.06.2019
Bodenkönigin Wiebke Strasen, Tonnenkönigin Christin Ebert und Stäbenkönigin Bianca Greulich (v.l.).
Bodenkönigin Wiebke Strasen, Tonnenkönigin Christin Ebert und Stäbenkönigin Bianca Greulich (v.l.). Quelle: Susanne Retzlaff
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Born

Na also, an Frauen, die sich nicht trauen, liegt es jedenfalls nicht, wenn die Beteiligung von Reiterinnen am klassischen Tonnenabschlagen zu Pferde eher gering ist. Wie öfter im Leben sind es Männer, die sie nicht „zuschlagen“ lassen. Denn immer noch halten sich etliche Tonnenbunde an strikte Frauenquoten. So ist beim Fest des Borner Bundes die Zahl der Damen „unter der Tonne“ auf gerade einmal zwei begrenzt. Und das ist kein Einzelfall, hört man aus Wieck.

Sicherheit geht vor

Das ärgerte nicht nur Monique Konow. Die 32-jährige Krankenschwester ist vor 20 Jahren aus Stralsund nach Born gezogen und reitet seit ihrem achten Lebensjahr. Bei einer Physiotherapiesitzung mit „Leidensgenossinnen“ zum diesjährigen Saisonbeginn fiel schließlich die Entscheidung, einen eigenen Verein zu gründen. Der hat seit März schon rund 30 Mitglieder gewonnen, etwa die Hälfte sind aktive „Tonnenabschlägerinnen“, außerdem sind Reiterinnen, Nichtreiterinnen und Herren als passive Förderer dabei. „Die Männer unterstützen uns Frauen, die in den Tonnenbünden nicht zum reiten kommen“, freut sich die Vorsitzende des „Damen Tonnenfest e. V.“ über Zulauf. „Und weil wir noch keine Tradition zu bewahren haben, können wir uns Regeln geben, die wir wollen: Unsere Vereinsfarbe ist violett und wir reiten grundsätzlich mit Helm.“ Auf Sicherheit wird in Born Wert gelegt, die Reitbahn ist doppelt abgesperrt.

Ist sonst noch etwas anders, schlägt frau vielleicht auf eine Damentonne? „Nein“, sagt Monique Konow, „das ist eine ganz normale Tonne.“ Üblicherweise berücksichtige der Tonnenbauer da schon eher die Reiterzahl.

„Ich finde das Damentonnenabschlagen gut, das ist 'mal was Neues“, sagte Besucher Roland Kempa. Quelle: Susanne Retzlaff

Und die war mit 13 Starterinnen für die Premiere ebenso beachtlich wie die sportliche Herausforderung, denn je weniger Teilnehmer, desto mehr ist jedes einzelne Pferd-Reiter-Paar gefordert. Aus Rostock, Semlow, Zingst, Born und Prerow waren die sechs Vereinsmitglieder und sieben Gastreiterinnen gekommen, die jüngste war Imke Konasch, 17-jährige Schülerin aus der Hansestadt. Mindestens 500 Besucher auf der Festwiese feuerten die Frauen kräftig an. Und so dauerte es nicht lange bis der Boden brüchig und die Bahn unter der Tonne mit violettem Glitzerstaub berieselt wurde. Um 15.30 Uhr gelang Wiebke Strasen aus Born auf Shakira der entscheidende Schlag auf die buntgeschmückte Tonne, die 24-jährige Einzelhandelskauffrau und Schriftführerin des neuen Vereins wurde Bodenkönigin.

Nach der Pause ließen die Damen es weiter krachen, bis Beisitzerin Bianca Greulich auf Turmalin ausholte und Stäbenkönigin wurde. „Die Frauen sind sehr gut, es geht schön schnell, bei den Männern dauert es ja oft bis in den Abend“, sagte Regine Schmitt (76) aus Berlin, die sich mit Enkelin Lara Kleininger (23) aus Köln, beide selbst erfahren im Sattel, regelmäßig bei Tonnenfesten auf der Halbinsel trifft. „Im nächsten Jahr sind wir auf jeden Fall wieder dabei.“

Schlag ins Glück um 18.20 Uhr

Vorher aber galt es, das ausgesprochen sperrige Kreuz zu zerlegen, um die Tonnenkönigin zu ermitteln. Wenn dreizehn Frauen das schaffen sollen, was manchmal dreißig Männern gerade so gelingt, wundert es nicht, dass der Schlagarm nach ungezählten Durchgängen „immer kürzer und schwerer“ wird. Männer motivieren sich dann gern mit umso kraftvolleren „Stimmhilfen“. Bei den Damen übernahm das fachkundige Publikum die Aufmunterung und trug die Reiterinnen schwungvoll über die Bahn.

Schlag auf Schlag löste sich schließlich Span um Span - den letzten erwischte Kassenwartin und Bankkauffrau Christin Ebert (31) aus Zingst auf ihrem Friesen Jemme, die um 18.20 Uhr Tonnenkönigin wurde. Die Kassenwartin des neuen Vereins sitzt seit 25 Jahren im Sattel. Und was sagt ein Mann zur violetten Konkurrenz? „Finde ich gut, vielleicht wirken die Frauen nicht ganz so kraftvoll, aber das ist 'mal was Neues. Übrigens, bei uns in Wustrow dürfen unbegrenzt viele Frauen beim Tonnenabschlagen mitreiten", versichert Roland Kempa (57) vom Tonnenbund Wustrow.

Zum ersten Mal fand in Born auf dem Darß ein Tonnenabschlagen nur für Frauen statt.

Susanne Retzlaff