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Ribnitz-Damgarten Durch die „Bunte Stube“ weht ein theologischer Geist
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Durch die „Bunte Stube“ weht ein theologischer Geist
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10:22 21.07.2018
Max Wegscheider will das Ausstellungsgeschehen in der „Bunten Stube“ in Ahrenshoop wiederbeleben. Quelle: Richter Timo
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Ahrenshoop

Die Antwort auf eine einzige Frage hat das Leben von Max Wegscheider entscheidend verändert. Als Student hat sich der heute 34-Jährige gefragt, was er noch machen könnte. Als Familienvater hat er sich dann gefragt, wie er leben möchte. Entgegen mancher Frotzelei ist er von Basel zurück nach Ahrenshoop gekehrt, hat die „Bunte Stube“ von seinem Vater Andreas Wegscheider übernommen. „Ich habe alles richtig gemacht“, sagt der studierte Theologe und Germanist – weint aber dem Leben in Basel, das so international, durch seine geradezu überbordende Kunst- und Kulturszene so bunt ist, manchmal noch eine Träne nach.

Große Pakete

Aufgewachsen ist Max Wegscheider in Ahrenshoop, und zu einem Teil auch in der „Bunten Stube“. Gerne erinnert er sich, wenn die großen Pakete kamen, Kartons voller Bücher, die er als Kind auszupacken half. Dann kommen die Träume. Tausend Sachen und noch mehr will Max Wegscheider machen, will eigentlich Radio-Journalist werden, will sich trotz Flugangst am liebsten die ganze Welt angucken.

Wachsende Aufgaben

Da hat er studiert, Theologie in Leipzig und Basel, Germanistik in Münster. Eine Rückkehr nach Ahrenshoop steht damals in den Sternen. Nur immer im September übernimmt er das Geschäft, damit die Eltern in den Urlaub fahren können. Das ist ein Deal für die Studienunterstützung. Erst ist es ein Minimum von Verantwortung, die er zu tragen hat. Mit zunehmendem Wissen und immer mehr Erfahrung jedoch wachsen auch die Aufgaben.

Neue Frage zu Lebensentwurf

Als dann jedoch der junge Max Wegscheider Familienvater wird, ändert sich die Frage nach dem Lebensentwurf. Und da erst rückt Ahrenshoop wieder ins Blickfeld. Die Übernahme der „Bunten Stube“ ist da erst einmal nur eine mögliche Option. In der anderen Waagschale liegt ein mehrjähriges Vikariat oder eine Karriere an der Universität.

Erinnerung an schöne Kindheit

Dann wiegt Max Wegscheider ab. Auf der einen Seite die Studienkollegen, die im Lehrbetrieb geblieben sind und deren Forschungsthemen und Arbeitsbedingungen, auf der anderen Seite das Dorfleben und die „Bunte Stube“. „Die Kindheit in Ahrenshoop war eigentlich doch ganz schön.“ Warum also sollen die jetzt zwei Kinder nicht eine ebenso schöne Kindheit erleben dürfen? Da steht die Entscheidung fest, ungläubiges Staunen bei Studienfreunden.

Generationswechsel ohne großes Risiko

Und natürlich, sagt Max Wegscheider, „bin ich kein großes Risiko eingegangen“. Schon lange davor sprechen Vater und Sohn über einen Generationswechsel in der „Bunten Stube“. „Viele Leute lieben den Laden so, wie er ist“, weiß Max Wegscheider. Größere Änderungen werden kurzfristig nicht erfolgen. Wohl aber kleinere. Da mag die „Bunte Stube“ immer noch so herrlich altmodisch erscheinen. Im vorderen Bereich seit gefühlt ewigen Zeiten Bücher, hintendrin Deko-Artikel und und Bekleidung. Veränderungen brauchen Zeit, „das ist vielleicht auch der theologische Geist, der in mir weht“. Die eigenen Vorstellungen durchzusetzen, sei ein langer Prozess. Dabei will Max Wegscheider die „Bunte Stube“ nicht komplett umkrempeln, nur sachte verändern. Darum hält er auch am Sortiment fest, inklusive bestimmten Porzellans, das angesichts des Platzes in dem Geschäft nicht entsprechenden Umsatz bringt. Wegen „irgendwelcher Rechenspiele werfe ich das nicht über Bord“.

Wiederbelebung des Ausstellungsgeschehens

Wieder neu beleben will Max Wegscheider das Ausstellungsgeschehen in der „Bunten Stube“. Los geht es am 22. Juli mit einer Schau von Bildern von Johannes Helm aus Neu Meteln. Gezeigt werden Bilder in Öl, die der 91-jährige Künstler in den vergangenen 30 Jahren malte. Die Ausstellung wird an dem Tag um 17 Uhr eröffnet und ist bis zum 14. August zu sehen. Perspektivisch will Max Wegscheider zwei Ausstellungen im Jahr in der „Bunten Stube“ zeigen.

Richter Timo

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