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Ribnitz-Damgarten Ferdinand Jühlke machte als Gärtner Karriere
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Ferdinand Jühlke machte als Gärtner Karriere
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00:00 21.07.2015
Linden in Barth. Heute wird am Marktplatz wieder an Ferdinand Jühlkes Spalierschnitt erinnert.
Linden in Barth. Heute wird am Marktplatz wieder an Ferdinand Jühlkes Spalierschnitt erinnert. Quelle: Detlef Lübcke
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Barth

Am 1. September jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag von Johann Bernhard Ferdinand Jühlke. Er kam aus Barth, erntete an der Königlichen Landwirtschaftlichen Akademie in Eldena ersten Lorbeer und machte dann als Gärtner Karriere.

Jühlke brachte es in der Nachfolge von Peter Joseph Lenné zum Königlichen Hofgartendirektor, dem alle königlichen Gärten in ganz Preußen einschließlich der Anlagen in Berlin und Potsdam unterstanden.

Er leitete die Königliche Gärtnerlehranstalt sowie die Königliche Landesbaumschule.

Parallel entstanden auch einige Parkanlagen. Die Palette reicht vom privaten Park für den Heimatdichter Fritz Reuter in Eisenach über Anlagen in Barth sowie Stralsund bis zum Landschaftspark in Gütergotz, dem jetzigen Güterfelde.

Jühlkes Vater war Tischler. Sohn Ferdinand besuchte in Barth die Höhere Bürgerschule, wurde von einem gärtnerisch tätigen Onkel früh für das Gärtnerfach interessiert und begann deshalb 1830 im Botanischen Garten der Universität in Greifswald eine Ausbildung.

Dabei kam er in die Obhut von Christian Friedrich Hornschuh, der als Botaniker, Bryologe sowie Naturphilosoph deutsche Bekanntheit besaß. Hornschuh erkannte die Fähigkeiten Jühlkes und förderte ihn nach Kräften, bis dahin, dass er ihn als Lehrer an die Hochschule in Eldena empfahl, deren Leitung er kurz danach übernahm.

Dem aufstrebenden Gärtner aus Barth unterstanden in Eldena ab 1834 die Lehr- und Versuchsgärten, der Botanische Garten und die Obstbaumschule.

Er unterrichtete zudem an der Akademie die Fächer Obstbaumzucht und -veredlung und übernahm später den neuen Lehrstuhl für Gartenbau in Eldena. Dabei begründete er auch die Freundschaft zu Otto von Bismarck, der sich hier zeitweilig als Schüler auf die Bewirtschaftung der elterlichen Güter vorbereitete, ehe er die politische Karriere einschlug.

Jühlke, der 1841 die Tochter eines Tanzlehrers in Barth heiratete, lehrte und forschte erfolgreich. Er veröffentlichte seine wachsenden Erkenntnisse regelmäßig in Fachschriften, und unternahm mehrere ausgedehnte Studienreisen durch Deutschland und nach Frankreich, in die Niederlande und nach Großbritannien.

Er wurde 1854 zum Königlichen Gartenbauinspektor erhoben und machte 1856 die Apfelsorte „Pommerscher Krummstiel“ bekannt.

Aber dann suchte Jühlke eine neue Herausforderung. Die fand er zunächst in Erfurt. Der Gartenexperte übernahm 1858 die eingeführte Handelsgärtnerei Appelius. Er fungierte bald als Chef des Gartenbauvereins, war Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, wirkte als Jury-Mitglied bei deutschlandweiten Ausstellungen und unternahm weiter europaweite Studienreisen.

König Wilhelm I. berief ihn zum Hoflieferanten für Gartenbauprodukte. Nach dem Tod von Peter Joseph Lenné berief ihn der Preußenkönig 1866 zu dessen Nachfolger.

Der Aufsteiger sorgte für vielgestaltige Neuerungen sowie Reformen, vervollkommnete die königlichen Parkanlagen, leitete die Spezialisierung im Erwerbsgartenbau ein, machte die Landesbaumschule zu einem marktfähigen Unternehmen und gedieh zum Wegbereiter einer modernen Ökonomisierung des Gartenbaus.

Der Königliche Hofgartendirektor indes erhielt viele Auszeichnungen in Preußen, im neuen Deutschen Reich, aus Österreich, Schweden sowie Italien, bereicherte mit seinen Veröffentlichungen die Garten-Literatur und erlebte noch den Aufstieg seines Sohnes Carl Ludwig zum Afrikaforscher. Doch 1886 wurde der junge Jühlke in Somalia von Einheimischen ermordet. Das erschütterte den Gartengestalter tief. Er ging 1891 in den Ruhestand, wirkte noch in verschiedenen Wissenschafts-Gesellschaften mit und starb am 12. Juni 1893 in Potsdam.

Jühlke wurde auf der Erbbegräbnisstätte der Familie auf dem Neuen Friedhof in Potsdam beigesetzt. Das Grabmal blieb erhalten.

2002 veranstaltete das Barther Vineta-Museum eine Sonderausstellung zum Wirken des bedeutenden Gärtners.

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Martin Stolzenau

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