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Fischland-Darss Von Slawen, Schweden und Touristen
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00:00 15.12.2017
Buchpremiere: Autorin Antje Hückstädt präsentiert im Kunstkaten „Kiek in“ in Prerow ihr neues Werk, das sie über die Geschichte des Ostseebades verfasst hat. Quelle: Foto: Susanne Retzlaff
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Prerow

Fast 50 Neugierige gingen am Mittwochnachmittag auf einen Kurztripp mit dem „Heimatbus“ in die Geschichte Prerows. Eingeladen hatte der Direktor des Kur- und Tourismusbetriebs Lothar Jaeschke. Als „Reiseleiterin“ konnte er Antje Hückstädt vom Heimatmuseum gewinnen. Sie hat ein neues Buch „Prerow - Einblicke in die Geschichte“ verfasst. Herausgegeben vom Kur- und Tourismusbetrieb des Ostseebades, präsentierte die Autorin ihr Werk am Mittwoch im Kulturkaten „Kiek in“ der Öffentlichkeit.

Auf 72 bebilderten Seiten hat Antje Hückstädt eine kurzweilige Route von der Erstbesiedelung in der Steinzeit, als es noch Jäger und Sammler waren, die durch den Darßwald streiften, bis zur touristischen Eroberung in der Jetztzeit zusammengestellt und dabei bemerkenswerte Schätzchen zu Tage gefördert. Sie stellt Tüllenbeil und Melonenperlen aus der Bronzezeit vor oder den Hacksilberschatz, den wohl Seeräuber am früheren Ufer des Papensees vergraben hatten.

Prerow kommt aus dem Slawischen und heißt Durchbruch, Durchfluss. 1296 wurde der Strom auf einer Karte verzeichnet, eine Siedlung noch nicht, der alte Dorfkern entwickelte sich um Krugberg, Krabbenort, Dümpel und Kirchenort in Hafennähe. Das Meer brachte den Prerowern, selbst berühmte Seefahrer, nicht nur Sturmfluten, manchmal spülte es auch wertvolle Handelsware ans Ufer. Die 1345 gesunkene „Darßer Kogge“, sie liegt sicher im Sediment vor der Ostsee, hatte Schwefel, Steine, Dachpfannen und Dörrfisch geladen. Ein richtig fettes Weihnachtsgeschenk bescherte ihnen die „Helene“. Der am 24. Dezember 1931 gestrandete Dampfer hatte neben Öl und Benzin auch reichlich Butter, Margarine, Schmalz und Wein geladen - ein Fest für Prerow.

Autorin Hückstädt verrät Details und erklärt auch den „Zwickel-Erlass“ aus dem Folgejahr. 1880 waren die ersten 80 Badegäste gekommen. Über 1500 Einwohner hatte Prerow damals. Das „kalte Seebad“ kostete 25 Pfennige, 15 Pfennige für Kinder und Dienstboten. 1930 kamen bereits rund 6500 Gäste, Prerow hatte nicht einmal mehr 1400 Einwohner. Die Badeordnung klärte darüber auf, dass die Gäste selber Schuld seien, wenn ihnen Bad und Aufenthalt in Prerow nicht bekämen, dann hätten sie sich nämlich unvernünftig verhalten. Hatten sie aber nicht. 1990 kamen 56000 Gäste, 2016 waren es 132500, die Zahl der Prerower sank dagegen von 1870 auf 1480. „Zahlen die nachdenklich stimmen“, so Antje Hückstädt.

„Eine Chronik ist es nicht", stellt Hückstädt klar, ihr Buch beschreibt die Entwicklung des Dorfes, garniert mit drolligen Döntjes aus dem Alltag seiner Bewohner. „Die Idee zum Buch entstand nach dem großen Interesse an dem ortsgeschichtlichen Flyer, den der Kurbetrieb 2016 herausgab“, erklärte Jaeschke. Nun sei nach einem Jahr Arbeit mit einigen Pausen und vielen Helfern gerade noch rechtzeitig zu den Festtagen ein interessant bebildertes und elegant gestaltetes Werk erschienen, das jeden Gabentisch zu schmücken vermag. Für 10 Euro ist es im Darß-Museum und in der Prerower Touris-Info erhältlich.

Susanne Retzlaff