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Ribnitz-Damgarten Gegen den Trend: Diese Läden behaupten sich auf dem Dorf
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Gegen den Trend: Diese Läden behaupten sich auf dem Dorf
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15:37 19.08.2019
Am 3. August hat Karola Barz ihr Geschäft in Lüdershagen eröffnet. Quelle: Anika Wenning
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Lüdershagen

Während in anderen Dörfern die Läden schließen, hat Karola Barz den Schritt gewagt. In Lüdershagen hat sie am 3. August „Karolas kleinen Laden“ eröffnet, nachdem Gerhild Balzer ihr Geschäft zum 30. Juni aufgegeben hat. „Ich brauchte noch etwas Zeit zum Umbau. Ich wollte es etwas heller und freundlicher haben“, berichtet die 58-Jährige. Ihr Hauptgeschäft bleiben, wie bei ihrer Vorgängerin, Textilien. Haushaltswaren werden nicht mehr angeboten. „Das rentiert sich einfach nicht“, sagt Karola Barz. Früher hätten die Leute zur Hochzeit oder Silberhochzeit noch Haushaltsgeräte verschenkt, aber das habe sich mittlerweile geändert.

Die frei gewordene Fläche nutzt die Lüdershägerin, um Lebensmittel zu verkaufen. Denn schon seit einigen Jahren gebe es keinen Lebensmittelladen mehr in Lüdershagen. Konserven, Obst, Mehl, Kekse, Hygieneartikel und vieles mehr werden hier verkauft. Und von ihr selbst gemachte Marmeladen. Immer freitags bekommt sie Brot und Brötchen von der Landbäckerei Dabels aus Pruchten geliefert – auf Bestellung. Das Hauptgeschäft bleiben allerdings die Textilien für Erwachsene und Kinder, betont Karola Barz. „Das hat sich bewährt. Also warum sollte ich das ändern?“

Bei den Kunden komme das neue Konzept gut an. „Mir gefällt der Laden“, sagt Melitta Lohmeier, die zum ersten Mal hier ist. „Die Idee auch Lebensmittel anzubieten, ist gut.“ Auch Karola Barz ist zufrieden: „Die Resonanz ist positiv. Bei der Eröffnungsfeier waren über 80 Leute“, freut sich die gelernte Krankenschwester, die 24 Jahre lang einen Pflegedienst geleitet hat und nach einer neuen Herausforderung suchte.

Pruchtener Bäcker mit langer Familientradition

Gunnar Dabels holt ein Brot aus dem Ofen. Der 41-Jährige hat die "Landbäckerei Dabels" in Pruchten zum 1. Januar 2019 übernommen. Quelle: Anika Wenning

Mit gerade einmal 41 Jahren ist Gunnar Dabels schon ein „alter Hase“ im Geschäft. Nachdem sein Vater vor sechs Jahren gestorben ist und seine Mutter zunächst die Landbäckerei Dabels in Pruchten übernahm, ist er seit dem 1. Januar am Ruder. Schon seine Ausbildung hat er mit 18 Jahren in dem 1925 gegründeten Familienbetrieb gemacht. An die neue Verantwortung habe er sich aber auch erst einmal gewöhnen müssen.

Und dass ein Laden auf dem Land kein Selbstläufer ist, weiß er aus eigener Erfahrung. „Unser Angebot ist deutlich größer geworden. Als ich meine Lehre gemacht habe, hatten wir sechs Sorten Brötchen, mittlerweile sind es über 30. Man muss eben mit der Zeit gehen.“ Neben verschiedenen Dinkelbrötchen gehört seit diesem Jahr ein Brötchen aus reinem Roggenmehl zum Sortiment. So viele Sorten zu backen, sei natürlich sehr arbeitsaufwendig.

Zeit zum Verschnaufen bleibe da vor allem in der Saison nicht. Seit Pfingsten arbeite er mindestens zwölf Stunden, nicht selten auch 17 Stunden am Tag und das sieben Tage die Woche. Allein 4500 bis 5000 Brötchen werden pro Tag gebacken, hinzu kommen Brote, Kuchen und andere Leckereien. Neben seiner Schwester und seiner Mutter arbeiten noch zwei Angestellte im Betrieb. Gegen große Kette könne man sich nur durch Qualität und Tradition behaupten. „Wir backen hier noch ganz wie früher“, sagt der gelernte Bäcker. „Wenn ich höre, dass es den Kunden schmeckt, weiß ich, wofür ich das mache. Der Beruf ist meine Leidenschaft.“

Treffpunkt in Trinwillershagen für Jung und Alt

Margret Schroeder (vorne) und Verkäuferin Ute Dahm bieten in der Kaufhalle in Trinwillershagen Lebensmittel und Getränke an. Quelle: Anika Wenning

Margret Schroeder hat 2012 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, anfangs mit einem Getränkehandel, mittlerweile verkauft sie Lebensmittel und Getränke in der ehemaligen Kaufhalle in Trinwillershagen. „2014 wurde die Kaufhalle geschlossen und da hat man mich gefragt, ob ich dort reinmöchte“, berichtet die 59-Jährige. Post und Lotto gehören ebenfalls zum Angebot der Kaufhalle.

Bereut habe sie diesen Schritt nie. Zahlreiche Stammkunden kommen zu ihr und ihren beiden Verkäuferinnen. Dabei nimmt sie auch Sonderwünsche an. „Ihr Ingwer ist heute angekommen“, ruft sie einer älteren Kundin zu, die gerade den Laden betritt. Doch nicht nur Ältere kommen zu ihr zum Einkaufen. „Das ist ganz gemischt“, sagt Margret Schroeder. Vor allem vormittags und mittags würden die Bauern aus der Umgebung und Handwerker vorbeikommen. Dann gibt es Bockwurst und belegte Brötchen. Nachmittags werde Kuchen verkauft. „Jung und alt sitzen hier zusammen und schnattern“, sagt Margret Schroeder. „Am Vormittag ist die Sitzecke hier immer voll.“

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Von Anika Wenning

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