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Ribnitz-Damgarten Gericht stoppt Flutung des Werre-Polders
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Gericht stoppt Flutung des Werre-Polders
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16:12 29.05.2018
Die Werre-Flutung ist gestoppt, die Boddenland GmbH aus Ribnitz-Damgarten klagt gegen das Vorhaben. Es handelt sich zum den Umweltausgleich für die Vertiefung des Peenestroms.
Die Werre-Flutung ist gestoppt, die Boddenland GmbH aus Ribnitz-Damgarten klagt gegen das Vorhaben. Es handelt sich zum den Umweltausgleich für die Vertiefung des Peenestroms. Quelle: Richter Timo
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Born

Das Oberverwaltungsgericht in Greifswald hat den Werre-Polder zwischen Ahrenshoop und Born (Vorpommern-Rügen) abgeschottet. Klammheimlich hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund im März mit der Flutung von gut 140 zuvor zur Grasproduktion eingedeichten Hektar Fläche begonnen. Amtsleiter Holger Brydda wollte mit dem Beginn der Flutung trotz eines laufenden Verwaltungsgerichtsverfahrens dem Vogelzug zuvorkommen. Außerdem, sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes zu Beginn der Flutung, das Verfahren sei seit Jahren nicht bearbeitet worden.

Jetzt hat ihm das Oberverwaltungsgericht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schotten runter, heißt es aus Greifswald. Die Flutung des Polders – es handelt sich dabei um den Naturausgleich für die Vertiefung des Peene-Stroms – ist gestoppt. Flossen im März 3,5 Kubikmeter Boddenwasser je Sekunde auf den Polder, schießt derzeit Schilf in die Höhe, Schlangen ringeln im Ufersaum, Frösche und Kröten quaken, unzählige Vögel lassen ihr Konzert erklingen.

Noch viele Fragen ungeklärt

Solch friedlicher Stimmung ist der Geschäftsführer der Boddenland GmbH mit Sitz in Ribnitz-Damgarten nicht. Die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen habe er nach dem Bericht über die Flutung des Polders. „Für uns sind noch ganz viele Fragen ungeklärt“, sagt Hans Köhler, Chef des Wasserver- und Abwasserentsorgers. Die Klageschrift sei noch einmal präzisiert worden und werde dem Gericht in den kommenden Tage zugehen. Sofort nach Beginn der Flutung habe er beim Gericht in Greifswald interveniert.

„Wir wollen Sicherheit“ – das ist oberstes Credo Köhlers: Sicherheit für die Versorgung der Bewohner und Urlauber auf dem Darß, Sicherheit für den Ersatz, sollte die befürchtete Versalzung der Wasserfassung Peters Kreuz inmitten des Darßwaldes tatsächlich eintreten.

Letzteres wäre für Köhler der „Super-Gau“ für die Tourismusregion – darum auch die Klage gegen das Vorhaben im Vorfeld. Born hatte sich der Klage seinerzeit angeschlossen, weil sich die gefährdete Wasserfassung auf ihrem Gemeindegebiet befinde, wie Bürgermeister Gerd Scharmberg während der jüngsten Zusammenkunft der Gemeindevertreter berichtete.

Ersatz würde Millionen kosten

„Die Salzfahne“, sagt Hans Köhler, „reicht schon bis Ibenhorst.“ Sollte die Wasserfassung Peters Kreuz betroffen sein, müsse die umgehend aufgegeben werden. Wasser müsste dann aus weiter südlich gelegenen Fördergebieten herangeführt werden. Das dauert. Drei bis vier Jahre, schätzt Köhler. Schließlich müsste eine 16 Kilometer lange Wasserleitung auf den Darß geführt werden, in Dettmannsdorf-Kölzow ein neues Wasserwerk gebaut werden, dazu verschiedene Pumpstationen.

Mit der Klage will Köhler auch Sicherheit gewinnen, im Ernstfall nicht auf den Kosten für die Ersatzmaßnahmen sitzen zu bleiben. Auf zehn Millionen Euro beziffert Köhler die Kosten. Die will die Boddenland GmbH natürlich nicht aufbringen müssen. „Darum gehen wir so aggressiv gegen die Flutung der Werre vor“, sagt Hans Köhler.

Der kann nicht verstehen, warum das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund nicht weiter entfernte, wenige Zentimeter tiefer liegende Flächen für die Flutung eingedeicht hat. Nun müsse der Landwirtschaftsbetrieb mit Hilfe von Pumpen dafür sorgen, dass das neue Weideland trocken bleibt. Folge laut Köhler ist ein „unglaublicher Ansaugeffekt“ – salzhaltiges Wasser dringe in die grundwasserführenden Schichten ein. Und wenn eine Wasserfassung erst einmal versalzen ist, sei die dauerhaft verloren.

Schlechte Erfahrungen hat der Geschäftsführer gerade erst gemacht. Wegen einer zu hohen Belastung des Grundwassers mit Nitrat musste die Wasserfassung Sundischer Berg in der Nähe von Bartn aufgegeben werden. Dort wurden 800 Kubikmeter Wasser pro Tag gefördert.

Richter Timo