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Ribnitz-Damgarten Gratis Nahverkehr für Touristen ab 2019?
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Gratis Nahverkehr für Touristen ab 2019?
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00:04 07.04.2018
Die Linie 210 fährt in Ribnitz und auf der Halbinsel – für Urlauber vielleicht bald kostenlos. Quelle: Foto: Volker Stephan
Ahrenshoop/Born

Zwischen Ribnitz-Damgarten, Graal Müritz und Dierhagen sollen Urlauber künftig ohne zusätzliche Kosten den Öffentlichen Nahverkehr nutzen können – ein Pilotprojekt auf Initiative der Ribnitzer Verwaltung, das den Tourismus weiter stärken und Straßen entlasten soll. Mit ihrer Kurkarte kaufen Touristen das Busticket gleich mit. Auf Fischland Darß-Zingst sind die Bürgermeister zwar noch skeptisch, aber dennoch optimistisch, dass das Modell 2019 reif für die Umsetzung auf der Halbinsel ist.

Finanziert werden die Fahrten zwischen Bernsteinstadt und Dierhagen aus Einnahmen aus der Kurabgabe. Die Höhe des Beitrags, den die Gemeinden für den Transport der Urlauber an die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) abgeben muss, bemisst sich an der jeweiligen Zahl der Übernachtungsgäste.

Im Pilotprojekt fahren nur Gäste mit mehrtägigen Kurkarten und Jahreskurkarten-Inhaber ohne Mehrkosten. Aus Sicht von Hans Götze, Bürgermeister von Ahrenshoop, ist das nicht optimal. Man müsse auch an die Einheimischen und Tagesgäste denken. Zudem müsste es lesbare Karten geben, die nicht bloß im Bus vorgezeigt werden müssten. „Da gibt es eine Reihe von Dingen, die noch geklärt werden müssen“, sagt Götze. Hinter der Idee steht er trotzdem. „Wir bemühen uns schon lange darum“, sagt er. Er setze aber – anders als im Modellversuch – auf eine Langstreckenlösung. Sprich: Alle Gemeinden sollten mitziehen. „Aber es ist gut, dass jetzt mal jemand anfängt“, meint Götze. 2019 soll es auch in Ahrenshoop soweit sein.

Bis dahin können die Gemeinden auf der Halbinsel beobachten, wie das Projekt läuft „und unsere Schlüsse daraus ziehen“, so René Roloff. „Wir beobachten das neugierig.“ Für den Bürgermeister von Prerow stellt sich vor allem noch die Frage nach der Finanzierung.

Die Fahrkarte aus Mitteln der Kurabgabe heraus zu bezahlen, würde bedeuten, dass die Kurkarten teurer werden könnten – um 31 Cent pro Tag. Die Kosten müssten „auf mehrere Schultern verteilt werden“, so Roloff. Der Gast allein dürfe das nicht bezahlen. Die Mehrkosten könnten aus seiner Sicht durch den Haushalt und die Fremdenverkehrsabgabe mitfinanziert werden. Auch Roloff steht zu dem Vorhaben, sagt aber: „Wir sollten nichts überstürzen.“

Grundsätzlich sei die VVR an einer Erweiterung des Modells für den gesamten Bereich Fischland-Darß-Zingst interessiert“, sagt VVR-Sprecher Michael Lang. „Hier erhoffen wir uns erste konkrete Schritte zu Beginn 2019. Mit den südlichen Boddengemeinden planen wir noch im Mai ein Treffen, um das Thema generell zu besprechen“, erklärt Lang.

Kostenlose Fahrten im Urlaub wären „ein schönes Angebot für den Gast“, sagt Roloff. Profitieren würde darüber hinaus der Tourismus, wenn Urlauber einfacher Angebote in entfernten Gemeinden nutzen könnten. „Wir haben in der Saison ein Verkehrsproblem“, bemängelt Andreas Kuhn, Bürgermeister von Zingst. Es drohe der Kollaps. Ein neues ÖPNV-Konzept könnte eine Lösung sein, dass weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind. „Andere Regionen, wie zum Beispiel der Schwarzwald, sind uns weit voraus.“ Alle Gemeinden müssten mitmachen. Nur so habe der geplante kostenlose ÖPNV für Gäste eine Zukunft.

„Beim zweiten Versuch muss es klappen“, fordert Andreas Kuhn und erinnert an den 2017 gescheiterten Zweckverband Maritimer Lückenschluss. Weder Zingst noch andere Gemeinden könnten infrastrukturelle Probleme allein lösen, so Kuhn.

Roland Völcker, Vorsitzender des Tourismusverbands Fischland Darß-Zingst, spricht sich für einen kostenlosen ÖPNV für Gäste aus, sagt aber auch: „Wir dürfen keinen Schnellschuss machen.“ Erst sollte die Finanzierung gesichert sein und ein „einwandfreies System“ bestehen. Das Ziel laut Völcker: die elektronische Gästekarte. Und: „Einzellösungen machen keinen Sinn.“ Würde man Bustickets in die Karte integrieren, müsse das Angebot flächendeckend gelten.

Eine Einführung im kommenden Jahr hält der Verbandschef für optimistisch. Zunächst müssten Daten erhoben werden, wie Touristen Busse nutzen.

„Es gibt bisher nur wenige Zahlen“, sagt Völcker, ergänzt aber, dass Urlauber bisher vorwiegend das eigene Auto oder Fahrräder nutzen würden.

Kurtaxe und Buspreis

2 Euro kostet die Kurtaxe in Prerow oder Ahrenshoop in der Sommersaison für Erwachsene pro Tag.

31 Cent würde ein Bus-Ticket laut René Roloff, Bürgermeister von Prerow, pro Gast am Tag kosten. Die Finanzierung steht noch nicht.

8,60 Euro kostet eine Fahrkarte laut VVR-Website von Ribnitz-Bahnhof bis Prerow-Mitte derzeit regulär – auch für Gäste.

Philip Schülermann

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