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Ribnitz-Damgarten Hangar-Sanierung wird teuer
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Hangar-Sanierung wird teuer
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16:59 26.06.2018
Blick auf den innenliegenden Bogen von Halle 2. Sie und die anderen vier in den 1930er Jahren auf der Halbinsel Pütnitz errichteten Flugzeughallen stellen in ihrer Stahlbetonkonstruktion herausragende ingenieurtechnische Leistungen dar. Quelle: Edwin Sternkiker
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Ribnitz-Damgarten/Pütnitz

Für die Sanierung von Hangar 2 auf dem ehemaligen Militärflughafen Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten (Vorpommern-Rügen) sind 8 bis 9 Millionen Euro nötig. Diese Zahl nannte Stefan Bastmann vom Rostocker Architekturbüro Bastmann und Zavracky in der Sitzung des Bauausschusses Ribnitz-Damgarten. Das Architekturbüro hatte den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Diese liegt jetzt vor. Die Halle 2 sei eine sehr spannende Konstruktion, sagte Bastmann. Man habe es mit einer „filigranen“ Dachkonstruktion zu tun und einen Beton-Bogen, dessen Spannweite immerhin über 70 Meter beträgt.

Sehe man davon ab, welchen Zwecken der Flugplatz einmal diente, sei die „Halle ein Juwel der Ingenieurbaukunst der 1930er Jahre“.

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Vorzugsvariante vorgeschlagen

Um deren Tragfähigkeit zu sichern und dadurch ihre mittel- und langfristige Nutzung durch den Technik-Verein zu ermöglichen, werden in der Machbarkeitsstudie mehrere Varianten aufgezeigt. Als Vorzugsvariante wird vorgeschlagen, den Beton-Bogen und die Unterzüge durch Zusatzkonstruktionen zu stützen und die Lasten auf direktem Weg vertikal abzuführen.

In den Planungsberatungen mit dem Bauherren, den Fachplanern und dem Nutzer sei dieser Lösungsvorschlag als Vorzugsvariante benannt worden, heißt es in der Studie. Und auch von der Denkmalschutzbehörde sei sie als die günstigste Variante eingeschätzt worden, weil sie dem Anspruch an den Erhalt des Denkmals am besten gerecht werde. So wichtig die Verstärkung des Beton-Bogens ist, in finanzieller Hinsicht würden das Dach und die Betonsanierung sowie die Glasfassade die dicksten Brocken darstellen, machte Bastmann deutlich. Was den Betonbereich angehe, sei das Bild sehr unterschiedlich, neben kaum in Mitleidenschaft gezogene Bereiche geben es andere Bereiche mit sehr stark ausgeprägten Schäden. Erhebliche Schäden gebe es auch im Außenbereich der Halle, so Bastmann.

Seine Kollegin Julia Rathmann erläuterte den Mitgliedern des Bauausschusses, dass der Rückbau der vermauerten Öffnungen vorgesehen sei, dies betreffe sowohl Fenster, die großflächige Westfassade als auch den innenliegenden „Laubengang“. Die Westfassade soll eine großzügige Verglasung erhalten und dadurch ein Sichtbezug aus dem Halleninneren zum Vorplatz und zu der umliegenden Bebauung geschaffen werden. Auf der Ostseite der Halle 2 soll ein neuer Eingang zentral in die Halle führen.

Mit diesen und weiteren Maßnahmen soll nicht nur der ursprüngliche Raumeindruck wiederhergestellt werden, es werden auch völlig neue Möglichkeiten für die Ausstellung des Technik-Vereins eröffnen, ergänzte Stefan Bastmann. Die Halle würde alle Funktionen bekommen, die ein Museum haben müsse.

„Studie schießt über das Ziel hinaus“

Stadtvertreterin Susann Wippermann (SPD) machte deutlich, dass aus ihrer Sicht die Studie übers Ziel hinausgeschossen sei, denn eigentlich habe man nur wissen wollen, was an Allernötigstem für die Standsicherheit getan werden müsste, damit der Technik-Verein die Halle weiter nutzen könne wie bisher, mehr nicht. „Wenn wir nun mit 8 bis 9 Millionen Euro für eine Halle rangehen, dann ist das Ding doch schon von vornherein tot.“ Wenn die Halle für die nächsten 25 Jahre gesichert werden soll, dann reiche es nicht aus, nur in das Allernötigste zu investieren, antwortete Bastmann.

Kontrolliertes Zusammenfallen

Andreas Dietzel sagte, dass ihn das, was vom Architekturbüro vorgestellt wurde, überzeuge, auch wenn 8 bis 9 Millionen Euro sehr viel Geld sei. Allerdings: Wenn man dann auf der einen Seite eine toll sanierte Halle hätte, aber ringsherum „nur Schrott“ steht, dann passe das nicht zusammen. Dahinter stand die Frage, wie mit den anderen Hallen verfahren werden soll. Da müsse man auch über ein „kontrolliertes Zusammenfallen“ bzw. über Rückbau nachdenken, so Bastmann.

Bauamtschef Heiko Körner sagte: „Wir wollen das Gelände für die touristische Vermarktung herrichten, dazu gehören auch die Flugzeughallen. Mit der Machbarkeitsstudie für die Halle 2 hat die Stadt jetzt eine Grundlage, um in Schwerin etwas vorlegen zu können, wenn es um Fördermittel geht.“ Eines schloss er aber aus: Das Projekt Halle 2 könne nicht einfach auf alle Flugzeughallen übertragen werden. Das Thema Rückbau bei diesen dürfe deshalb kein Tabu sein. Einzäunen und „geordnet“ verfallen lassen, sei aus einer Sicht jedoch keine Option.

Denkmalgeschützt

Der Hangar 2 ist eine von fünf ehemaligen See-Flugzeughallen auf der Halbinsel Pütnitz , die Mitte der 1930er-Jahre im Zuge der Wiederaufrüstung Deutschlands mit ihrer für die damaligen Verhältnisse ingenieurtechnisch sehr anspruchsvollen freitragenden Dachkonstruktion aus Spannbeton errichtet wurden.

Die Hallen stehen unter Denkmalschutz, Eigentümerin ist die Stadt. Die Hallen 1, 2 und 3 und das Gelände herum nutzt der Technik-Verein Pütnitz zu Ausstellungszwecken. Der Technik-Verein mit seinen rund 40 Mitgliedern und zahlreichen Helfern betreibt das Museum seit 2004 in ehrenamtlicher Regie.

Edwin Sternkiker