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Ribnitz-Damgarten Hansestadt sucht Platz für ihre Schätze
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Hansestadt sucht Platz für ihre Schätze
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00:00 21.01.2017
Wir werden niemals alle Dinge ausstellen können. Es wird immer eine Auswahl sein.Michaela Selling, Leiterin Kulturamt
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Rostock

Tausende museale Schätze Rostocks lagern in Depots wie dem Wasserturm. Zahlreiche Kunstwerke oder Objekte zur Stadtgeschichte sind nur selten zu sehen. Linke, Grüne, Rostocker Bund und UfR fordern nun von der Stadt einen Plan, wie sich das ändern kann. Sie habe sich längst Gedanken gemacht, versichert Kulturamtsleiterin Michaela Selling und präsentiert zwei überraschende Ideen für den Bereich des Klosters zum Heiligen Kreuz.

Viele städtische Kunstschätze lagern in Depots und können nur selten gezeigt werden. Quelle: Fotos: Ove Arscholl

So stellt sie sich vor, den freien Nordhof zu bebauen – mit einer modernen Konstruktion aus Glas und Stahl. „Damit bekommen wir neue Ausstellungsflächen und das historische Ensemble mit Kloster und Universitätskirche bleibt trotzdem erlebbar.“ Solche Lösungen hätte sie in anderen Städten besichtigt, berichtet Michaela Selling. Mit einem Zweigeschosser könnten 500 Quadratmeter zusätzlich für Ausstellungen entstehen. „Sehr charmant“, nennt Susan Schulz (Grüne) in ihrer letzten Sitzung als Vorsitzende des Kulturausschusses diese Idee. In unmittelbarer Nähe des Klosters hat Michaela Selling ein anderes Gebäude ins Auge gefasst: das Palaisgebäude neben dem Barocksaal, der bereits der Stadt gehört. Auch das könnte sie sich als Museum für Stadtgeschichte vorstellen. „Nach links zur Musik im Barocksaal und nach rechts zu den Ausstellungen.“ Das Haus gehöre jedoch dem Land, und noch wisse sie nicht, welche Pläne die Universität als Nutzer mit dem Palaisgebäude verfolge.

Der Hintergrund für die ganzen Überlegungen: Das ehemalige Schifffahrtsmuseum an der August-Bebel-Straße steht Rostock nicht mehr zur Verfügung. Stadt- und Kulturgeschichte wollte Rostock dort präsentieren, so steht es im noch gültigen Museumskonzept von 2011.

Doch dieser Plan scheiterte an den Kosten für die Sanierung des Gebäudes – dafür fehlt Rostock das Geld. Inzwischen macht sich die Stadt große Hoffnung, dass das neue archäologische Landesmuseum an diesem Standort eröffnet wird – von allen in der Hansestadt Rostock gewünscht. Die Ausstellungsfläche fehlt aber nun für andere städtische Kulturgüter.

„Es geht um grundsätzliche Gedanken“, begründet Grünen-Fraktionschef Uwe Flachsmeyer den Vorstoß aus der Politik. Eine kurzfristige Lösung erwartet er nicht, das wäre utopisch.

Das sieht auch die Kollegin von den Linken, Eva-Maria Kröger, so. „Es gibt keine Bewegung, wir wollen die Diskussion in Gang bringen.“ Die möchte Michaela Selling führen, wohl wissend, dass die finanzielle Situation in nächster Zeit ganz sicher keinen Museumsneubau erlaubt.

Aber auch das Kulturamt strebt mittelfristig eine Lösung an. Allein zum Bestand des Kulturhistorischen Museums gehören rund 180 000 Exponate, erläutert Selling, warnt aber vor einem Trugschluss. „Wir werden niemals alle Objekte ausstellen können, es wird immer eine Auswahl sein.“ Zumal Grafiken und Textilien aus Schutzgründen ohnehin nur drei Monate pro Jahr gezeigt werden dürften.

Karina Jens (CDU) und Ingrid Bacher (SPD) mahnten im Kulturausschuss aber an, dass vor allem die Stadtgeschichte in Rostock viel besser präsentiert werden müsste. Das passiere 2018 zum 800.

Jubiläumsjahr von oben bis unten im Kloster, kündigt Michaela Selling an. „Das wird eine unserer ganz großen Aufgaben.“ Mit der Sammlung des NS-Kunstsammlers Bernhard Alois Böhmer besitzt die Stadt seit 2009 zudem eine einzigartige Sammlung zum Thema „entartete Kunst“. 650 Teile umfasst sie, darunter mehr als 600 Grafiken, aber auch Gemälde und Skulpturen gehören dazu, berichtet Michaela Selling. Für diese Sammlung hat die Chefin im Kulturamt nun eine Lösung gefunden. „Sie kommt dauerhaft ins Schaudepot der Kunsthalle.“ Dort werde es ständige Präsentationen zu wechselnden Themen geben. Die Plastiken sollen dort immer zu sehen sein. „Das ist eine Möglichkeit, von der wir vor einigen Jahren nur geträumt haben.“ Der Spatenstich für das Schaudepot erfolgt im Mai, ab Herbst 2018 steht es dann zur Verfügung. Der etwa 27 mal 27 Meter große Bau kostet 4,5 Millionen Euro, vier Millionen Euro zahlt der Bund.

Thomas Niebuhr

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