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Ribnitz-Damgarten Heide am Radweg auf dem Darß radikal abgemäht
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Heide am Radweg auf dem Darß radikal abgemäht

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16:07 09.12.2019
„Total übermäßig gemäht“, meint der in Bremen und Wieck lebende Landschaftsarchitekt Thomas Heinrich, der oft den straßenbegleitenden Radweg zwischen Wiek und Prerow nutzt. Quelle: Elke Erdmann
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Wieck

Wer oft den straßenbegleitenden Radweg zwischen Wieck und Prerow benutzt und nicht auf Tempo fährt, wird zu allen Jahreszeiten jegliche Veränderungen bemerken. Im August hatte sich zum Waldessaum hin bereits ein breiter Teppich von blühender Besenheide, Calluna vulgaris, entwickelt, die das schöne Landschaftsbild bereicherte. Während der spätsommerlichen Blütezeit sind Heideflächen eine wichtige Bienenweide, die den Insekten Nahrung für den beliebten dunklen Heidehonig bietet. Jetzt entstand neben dem Wegebankett von 60 Zentimetern ein drei Meter breiter Streifen, in dem die Heide abgemäht ist. Laubhügel blieben liegen.

Nationalparkvordenker warnte bereits

Der Nationalparkvordenker Aldo Leopold (1887–1948) schreibt in seinem Buch „Am Anfang war die Erde“ eine kleine Episode des Begräbnisses der heimischen Pflanzenwelt, die ihrerseits eine Episode des Begräbnisses der Flora der Welt ist. „Der mechanisierte Mensch hat die Flora vergessen und ist stolz auf seinen Fortschritt beim Säubern der Landschaft, in der er wohl oder übel seine Tage beschließen muss.“

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Bereits im Frühjahr war zu beobachten, dass der für die Region typische Gewöhnliche Besenginster, Cytisus scoparius, mit den gelb leuchtenden Schmetterlingsblüten, so brachial zurückgeschnitten war, dass die ausgefransten und abgehackten Triebe einen traurigen Anblick boten. Auch der von Mai bis Juni blühende Besenginster ist eine echte Bienenweide.

Verkehrssicherheit muss garantiert werden

Diplomforstingenieurin Annette Beil: „Wir müssen gefälliger arbeiten.“ Quelle: Elke Erdmann

Annette Beil, Dezernatsleiterin im Nationalparkamt Born, Gebietsbetreuung Vorpommersche Boddenlandschaft, erklärt: „Die Straßenmeisterei ist links und rechts für das Bankett verantwortlich. Den breiten Rand hat der technische Dienst vom Nationalparkamt gemäht.“ Sie stimmt zu, „dass hier gefälliger gearbeitet werden muss. Uns geht es vorrangig um die Birken am Waldessaum, die zum Licht wachsen und entfernt werden müssen. Wir wehren den Anfängen“, meint die diplomierte Forstingenieurin. „Wichtig ist, dass wir die Verkehrssicherheit garantieren.“

Verkehrssicherheit an Wegen und blühende Waldsäume sind kein Widerspruch. Es gibt Förderprogramme von Bund und Land, um das Insektensterben zu stoppen und vielfältige Blühstreifen zur Aufwertung des Landschaftsbildes und für den Lebensraum der Insekten zu entwickeln. Die Straßenmeisterei, die Nationalparkverwaltung, Kur- und Tourismusbetriebe, der Nabu, Imker und interessierte Bürger aus den Darß-Gemeinden sollten sich zusammenfinden, um gemeinsam solche Förderprogramme abzurufen und rasch zu nutzen.

Standortgerechte Pflanzen brauchen mehr Raum

Buchenkloben am straßenbegleitenden Radweg zum Waldessaum liegen wie amputiert da. Quelle: Elke Erdmann

Um für Einheimische und Gäste ein schönes Landschaftsbild zu schaffen, brauchen standortgerechte Pflanzen mehr Raum. Doch ohne behutsame Pflege wird es nicht gelingen. Einen unschönen Anblick bietet seit einiger Zeit die große umgestürzte Buche mit Baumkrone am Radweg gleich hinter der Straße Am Eichberg in Richtung Prerow. Sie allein mag dort allmählich vermodern und das Pflanzenwachstum rundherum ermöglichen, doch die dicken Kloben liegen wie hingepurzelt da. „

Es gibt Menschen, die ohne die freie Natur und ihre Wesen leben können, und andere, die das nicht können“, schreibt Aldo Leopold. „Die Entwicklung einer Landethik ist sowohl ein intellektueller als auch ein emotionaler Prozess.“ Viele Urlauber, die in den Großstädten direkt an verkehrsreichen Straßen wohnen, suchen die Berührung mit der Natur, weil sie daran Freude haben und Kraft tanken wollen, um das andere Leben auszuhalten.

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Von Elke Erdmann

Während bei Bauvorhaben immer mehr Gutachten erstellt werden müssten, würden für die Darßbahn andere Bedingungen gelten, meint Andreas Wieneke (SPD). Die Gemeinde ist gegen die Wiederbelebung der Strecke. Sie befürchtet ein noch größeres Verkehrschaos im Sommer.

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