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Ribnitz-Damgarten Hier finden Kinder und Jugendliche ein neues Zuhause
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Hier finden Kinder und Jugendliche ein neues Zuhause
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11:49 12.09.2019
Erzieher Daniel Manzke und die Leiterin der Wohngruppe, Gabi Wiedemann, bereiten das Mittagessen für die Jugendlichen vor. Quelle: Anika Wenning
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Barth

Um sechs klingelt in der integrativen WohngruppeReifehaus“ in Barth der Wecker. Die erste Herausforderung des Tages beginnt: Sechs Jugendliche zu motivieren, aufzustehen und zur Schule zu gehen. Nach einem Abstecher im Bad treffen sich alle zum gemeinsamen Frühstück im Essensraum. „Die Mahlzeiten nehmen wir immer gemeinsam ein“, sagt die Leiterin der Wohngruppe, Gabi Wiedemann. „Wir achten darauf, dass die Jugendlichen ihre Zimmer morgens ordentlich verlassen. Klare Regeln und Strukturen sind sehr wichtig. Wir versuchen, so gut es geht, familienähnlich zu leben.“ Natürlich sei es nicht immer einfach, diese Regeln auch durchzusetzen, aber für das Zusammenleben unter einem Dach seien diese dringend notwendig.

Auch wenn es sicherlich der Wunsch aller ist, in einer behüteten Familie aufzuwachsen, ist dies nicht immer möglich. In der Wohngruppe des Kreisverbandes des Deutschen Roten Kreuzes Nordvorpommern finden diese Kinder und Jugendliche ein neues Zuhause. Einige möchten aus eigenem Willen aus dem familiären Umfeld heraus, in anderen Fällen veranlasst das Jugendamt diesen Schritt. „Dies ist aber immer der letztmögliche Schritt. Vorher gibt es zahlreiche Angebote der Familienhilfe“, erklärt die Leiterin der Wohngruppe. „Bei uns in der Wohngruppe bekommen die Kinder und Jugendlichen jede notwendige Hilfe. Wir arbeiten eng mit dem Jugendamt, der Schule, den Ausbildungsbetrieben sowie bei individueller Bedarfslage mit den entsprechenden Therapeuten zusammen.“ Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern beziehungsweise der Herkunftsfamilie bleibe weiterhin sehr wichtig. Mit ihnen werde alles besprochen.

„Hilfe zur Selbsthilfe“

Gründe für eine Fremdunterbringung können sowohl Auffälligkeiten im Verhalten des Kindes als auch Gegebenheiten in seinem sozialen Umfeld sein. Entwicklungsdefizite, häusliche Gewalt, Verwahrlosung, Bindungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten sind einige von vielen Gründen. Derzeit werden in der Barther Wohngruppe sechs Jugendliche von 11 bis 16 Jahren betreut. Fünf Erzieher und eine Hauswirtschaftskraft kümmern sich um das Wohl der Jugendlichen und das 24 Stunden, rund um die Uhr. In der Nacht hat immer ein Betreuer Dienst.

„Hilfe zur Selbsthilfe ist uns besonders wichtig. Wir unterstützen sie, sich zu selbstbewussten und verantwortungsvollen Menschen zu entwickeln“, sagt die Leiterin. Die Jugendlichen gehen mit einkaufen, bestimmen den Essensplan mit und übernehmen kleinere Aufgaben im Haushalt. Auch Trainingswohnen ist in einem separaten Bereich im Erdgeschoss möglich. Hier können sich die Jugendlichen unter Anleitung selbst versorgen.

Mit 18 Jahren auf sich allein gestellt

Das Zimmer in der Barther Wohngruppe wurde neu eingerichtet und steht noch frei. Quelle: Anika Wenning

Denn so lange die Jugendlichen keine Hilfe für junge Volljährige beantragen und bewilligt bekommen, ziehen sie mit 18 Jahren in eine eigene Wohnung und sind auf sich alleine gestellt. „Darauf möchten wir sie, so gut es geht, vorbereiten. Die Abnabelung ist hier schneller, als in einem behüteten Zuhause“, sagt Gabi Wiedemann. Geachtet werde auch darauf, dass die Jugendlichen in Vereinen aktiv sind. Ob freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk oder auch Sportvereine, eine sinnvolle Beschäftigung sei wichtig. Ebenso wie die Suche nach einem Ausbildungsplatz. „Wir unterstützen die Jugendlichen bei der Praktikumssuche und helfen ihnen, ihre Stärken herauszufinden“, sagt Erzieherin Katrin Toebe.

Die beiden Erzieherinnen Katrin Toebe (l.) und Sandra Kamke sitzen mit Meerschweinchen Zottel auf der Couch. Quelle: Anika Wenning

Ein festes und gut eingespieltes Team sei für die Arbeit sehr wichtig. „Das bedeutet eine Konstante für die Kinder und das gibt ihnen Sicherheit“, sagt Katrin Toebe. Daniel Manzke arbeitet seit viereinhalb Jahren in der Wohngruppe und ist der einzige Mann im Team. „Wir sind froh, dass wir ihn haben. Es ist nicht einfach, männliche, gut qualifizierte Kollegen zu finden. Er ist handwerklich sehr begabt und kann den Jugendlichen viel zeigen“, sagt Gabi Wiedemann. Außerdem sei es wichtig, dass die Jugendlichen auch eine männliche Bezugsperson hätten. Für Daniel Manzke ist es genau der richtige Job. „Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Kein Tag ist wie der andere. Immer wieder gibt es neue Herausforderungen“, sagt der Erzieher, der vorher in einer Kita gearbeitet hat.

„Wir sind ihr Zuhause“

Auch Gabi Wiedemann liebt diese Herausforderung. Zudem bekomme man sehr viel zurück. „Die Kinder sind sehr dankbar. Sie drücken uns und es ist eine Bindung entstanden. Man freut sich mit ihnen, wenn sie Entwicklungsschritte machen und ich finde es schön, dass wir sie meist eine lange Zeit begleiten können.“ Zu einigen Jugendlichen, die schon ausgezogen sind, gebe es auch noch Kontakt. „Bei einem haben wir uns sehr gefreut, dass er eine Ausbildung bekommen hat. Das sind tolle Momente. Wir sind ihr Zuhause und das sind unsere Kinder“, sagt die Leiterin.

Besonders schön sei es auch, wenn man den Jugendlichen etwas Besonderes ermöglichen könne. So konnte mit einer Spende des Fördervereins „Zingst hilft“ in den Sommerferien ein einwöchiger Ausflug in den Center Park Bispinger Heide mit zwei Ausflügen in den Heide Park und den Serengeti-Park unternommen werden. Auch eine Zeltausrüstung hat der Förderverein den Jugendlichen der Wohngruppe gesponsert. Und auch Barther würden die Wohngruppe unterstützen, so wie der Vorsitzende des Heimatvereins, Mario Galepp. „Er hat einen guten Draht zu den Jugendlichen und und zeigt großes Interesse an der Entwicklung unserer Wohngruppe“, sagt Gabi Wiedemann. Die evangelische Grundschule sammelte im Abschlussgottesdienst Spenden, die einen Ausflug in den Wildpark Güstrow ermöglichten, und der Barther Fahrradverleih Pantel spendierte Fahrräder.

Mehr zum Thema: Rettungsanker, wenn es zu Hause nur Stress gibt

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Von Anika Wenning

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