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Ribnitz-Damgarten Bei Bauarbeiten: Archäologen finden alten Brunnen am Bürgerhaus in Barth
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Historischer Brunnen bei Bauarbeiten am Bürgerhaus in Barth entdeckt

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15:00 29.07.2020
Archäologin Marlies Konze zeigt die historischen Schätze. Rechts die Kloake und links der Brunnen. Quelle: Anika Wenning
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Barth

Dass der Platz an der ehemaligen Reuter-Schule in der Papenstraße Bogislaw-Platz heißen soll, steht schon fest. Doch jetzt haben die Archäologen dort auch wirklich Funde aus der Zeit des Pommernherzogs Bogislaw XIII. (9. August 1544 bis 7. März 1606) entdeckt.

„Wir haben unter anderem diese beiden Ziegelschächte entdeckt“, berichtet Marlies Konze vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. Während der eine Schacht nicht verfugt wurde und es sich vermutlich um eine alte Kloake handelt, wurde der andere mit Lehm verfugt. „Lehm ist wasserundurchlässig. Das legt die Vermutung nahe, dass es sich um einen ehemaligen Brunnen handelt“, berichtet die Archäologin. Sowohl Brunnen als auch Kloake waren vermutlich noch bis etwa im Jahr 1600 bis 1630 in Benutzung. „Dann wurden sie verfüllt“, sagt Marlies Konze. Bei der zeitlichen Einordnung halfen Funde, die ebenfalls auf der Baustelle gefunden wurden.

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Ofenkachelnaus der Renaissance

Diese Ofenkacheln stammen aus der Renaissance. Quelle: Anika Wenning

Dazu zählen unter anderem Ofenkacheln, die der Renaissance zuzuordnen sind. „Sie sind sehr schön verarbeitet. Das ist gute Qualität. Das war hier sicher kein Armenhaus“, sagt die Spezialistin.

Auf der einen Kachel ist eine Frau zu sehen, die die Hände wie zum Gebet faltet sowie ein kleines Kind. Auf der anderen eine nackte Frau, die einen Männerkopf in der Hand hält. „In der Bibel gibt es die Erzählung von Judith und Holofernes, die zu dieser Abbildung passt“, berichtet die Archäologin.

Ein historischer Zapfhahn für Fässer

Der Zapfhahn ist noch gut erhalten. Quelle: Anika Wenning

Auch ein kleiner Zapfhahn, der in Fässer geschlagen wurde, ist noch gut erhalten. „Es ist ganz selten, dass man sowohl Küken als auch Hahn hat. Meist ist es auseinandergebrochen“, berichtet Marlies Konze. Als Küken bezeichnet man den Absperrhahn.

Ein weiterer Schatz, der bei der zeitlichen Einordnung half, war eine Münze aus dem Jahr 1657. „Sie wurde wahrscheinlich später als Anhänger genutzt“, sagt Marlies Konze und deutet auf das Loch. „Oder sie wurde über die Tür gehangen. Das war früher ein Brauch und sollte dafür sorgen, dass man stets Geld im Haus hat.“

Bogislaw hat Barth vorangebracht

All diese Schätze hat die ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin Annette Weidemann aus Zingst zutage gebracht. „Sie werden jetzt gesäubert und inventarisiert“, erklärt Marlies Konze. Danach könne die Stadt beim Landesamt anfragen, ob sie sie als Leihgabe bekommen können. Denn schließlich wären sie im Museum, das im benachbarten Papenhof entsteht, gut aufgehoben.

Denn auf dem Platz an der ehemaligen Reuter-Schule wird auch ein Denkmal für den Pommernherzog stehen. „Bogislaw hat viel für die Stadt getan. Es war eine Zeit, in der Barth eine gute Entwicklung genommen hat. Er hat den Buchdruck hierher gebracht und viele Fachleute hergezogen“, berichtet Manfred Kubitz. „Es ist toll, wenn wir aus dieser Zeit auch etwas zeigen können.“

Brunnen soll in Szene gesetzt werden

Auch mit dem Bagger wird vorsichtig gearbeitet. Archäologe Christoph Gneckow sucht nach weiteren historischen Funden. Quelle: Anika Wenning

Besonders freut er sich aber über einen Fund – den Brunnen. „Er hat einen großen historischen Wert“, sagt der Bauamtsleiter. Im jüngsten Bauausschuss informierte er über den Fund, war allerdings noch unsicher, wie man damit verfahren soll. Der erste Gedanke war, die Steine zu sichern und zu verwahren.

Stephan Reeckmann von der Schiffswerft Barth meldete sich zu Wort und bot an, die Kosten für eine Rekonstruierung zu übernehmen. „Wenn es sich wirklich um einen Brunnen handelt, müssen wir dafür sorgen, dass er an Ort und Stelle bleibt und dass er denkmalgerecht rekonstruiert wird“, erklärte der Barther.

Manfred Kubitz gefällt die Idee. „Wir werden ein Konzept erarbeiten und schauen, was es kostet.“ Die neuen Pläne sehen nun so aus: „Wir wollen den Brunnen noch tiefer ausbuddeln und auf eine Höhe von 50 Zentimetern hochziehen. Es ist wichtig, dass wir dafür historische Steine nehmen. Zum Schutz soll der Brunnen dann mit einem Gitter verdeckt werden“, sagt der Bauamtsleiter. Doch bevor es so weit ist, suchen Marlies Konze und ihr Kollege Christoph Gneckow erst einmal nach weiteren Schätzen.

Von Anika Wenning