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Ribnitz-Damgarten Homo-Ehe: Dieses Paar brachte Merkel zum Umdenken
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Homo-Ehe: Dieses Paar brachte Merkel zum Umdenken
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05:01 28.06.2017
Seit vier Jahren leben Christine (58, l.) und Gundula Zilm in Barth. Fünf Pflegekindern mit unterschiedlichen Behinderungen haben bei ihnen ein Zuhause gefunden.
Seit vier Jahren leben Christine (58, l.) und Gundula Zilm in Barth. Fünf Pflegekindern mit unterschiedlichen Behinderungen haben bei ihnen ein Zuhause gefunden. Quelle: Robert Niemeyer
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Barth

„Ich möchte, dass man in unserem Jahrhundert nicht mehr mittelalterlich denkt“, hatte Christine Zilm 2013 auf dem Marktplatz in Barth (Vorpommern-Rügen) zu Angela Merkel gesagt. Und der Kanzlerin ihre Geschichte erzählt. Die 58-Jährige und ihre Frau Gundula (52) kümmern sich seit Jahren um Pflegekinder. Fünf jungen Menschen gibt das lesbische Paar in Barth ein Zuhause. 2015, als Gundula Zilm beim Neujahrsempfang des Landkreises Vorpommern-Rügen ebenfalls die CDU-Vorsitzende traf, sprach sie das Thema Gleichstellung homosexueller Paare erneut an. Merkel habe dazu an diesem Tag zwar nichts gesagt. „Aber sie hat versprochen, dass sie uns zu Hause besuchen kommt.“

Dieser Besuch steht zwar noch aus, doch offenbar hatte Familie Zilm einen derart bleibenden Eindruck hinterlassen, dass die Kanzlerin nun von ihrem Nein zur Gleichstellung der Ehe homosexueller Paare abgerückt ist. „Es ist schön, dass sie uns in Erinnerung behalten hat“, sagt Gundula Zilm.

Stabilität und Liebe

Jasmin (18), Leon (15), Lara (14), Sophie (13) und Lennard (9) heißen die Schützlinge – Kinder, die aus kaputten Familienverhältnissen kommen, unterschiedliche Behinderungen haben und bei Gundula und Christine Zilm die Stabilität und Liebe gefunden haben, die ein junges Leben braucht.

Vor neun Jahren lernte sich das Paar über das Internet kennen, da hatte Christine Zilm bereits zwölf Pflegekinder. „Wir sind zusammen in den Urlaub gefahren, um zu schauen, ob es funktioniert. Und es hat gepasst“, sagt Gundula Zilm, die Anfang 2014 im Landkreis Vorpommern-Rügen für ihr Engagement als Frau des Jahres geehrt wurde. „Es ist ein sehr lebhafter Alltag“, sagt Christine Zilm. Doch es sei ihr Kindheitstraum gewesen, Kindern ein Zuhause zu geben. „Es ist ein sehr schönes Familienleben.“

Doch ihre Lebensaufgabe hilft nicht nur den Mädchen und Jungen. Auch die beiden Frauen fanden dadurch den Weg aus dem Tal. Beide wussten unabhängig voneinander mit zwölf, dass sie sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlten. Dennoch heirateten beide später einen Mann, Christine bekam zwei, Gundula ein Kind. „Zu DDR-Zeiten dachte man ja, man sei irgendwie krank. Und wenn man einen Mann heiratet, dann geht das schon weg“, sagt Gundula Zilm heute.

„Das hat mir das Leben gerettet“

Ging es nicht. Beide ließen sich scheiden, wurden arbeitslos, Gundula wurde alkoholabhängig. Doch sie kämpften sich zurück ins Leben: Christine kurz nach der Wende zwei Jahre lang um die für ihren Traum notwendige Pflegeerlaubnis. Gundula vor zwölf Jahren erfolgreich gegen die Alkoholsucht. Als Pflegeeltern fanden sie zueinander. „Auch ich habe hier Halt gefunden. Das hat mir das Leben gerettet“, sagt Gundula Zilm.

Vor vier Jahren zogen sie nach Barth. Äußerst positiv seien sie in der Vinetastadt aufgenommen worden, auch, weil sie sich nicht versteckten. „Wir haben unser Leben offen gelebt. Wir sind eine ganz normale Familie und die Kinder sind glücklich.“Und sollte die gleichberechtigte gleichgeschlechtliche Ehe Wirklichkeit werden, „dann heiraten wir nochmal.“ Und Bundeskanzlerin Angela Merkel wird zur Hochzeit eingeladen.

Robert Niemeyer

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