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Ribnitz-Damgarten „Wir wussten nicht, wohin mit dem Schnee“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Wir wussten nicht, wohin mit dem Schnee“
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14:07 07.01.2019
Winter 1978/79: Die Straße zwischen Löbnitz und Barth war am schlimmsten betroffen. Hier sieht man die Stelle auf der Höhe des Flughafens. Quelle: privat
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Barth

Von 1972 bis zu seiner Rente hat Lothar Bechert bei der Straßenmeisterei Ribnitz-Damgarten in dem Stützpunkt in Barth gearbeitet und hat viele extreme Wetterlagen erlebt, doch einen Winter wie 1978/79 habe es nie wieder gegeben. „Das war der schlimmste Winter, den ich je erlebt habe bei der Straßenmeisterei“, berichtet der 66-Jährige. Am 28. Dezember 1978 begann der Schneesturm, der innerhalb kürzester Zeit zur Stilllegung des Straßen- und Schienenverkehrs führte. Die Temperaturen fielen um 30 Grad und der Norden versank im Schnee. Mehr als 40 Mitarbeiter waren damals in der Straßenmeisterei in Ribnitz-Damgarten und in den beiden Stützpunkten in Barth und Bad Sülze tätig.

Lothar Bechert aus Barth schaut sich die Bilder vom Winter 1978/79 an. Der 66-Jährige arbeitete damals bei der Straßenmeisterei. Quelle: Anika Wenning

„Es hat insgesamt bestimmt 14 Tage gedauert, bis alle Straßen in unseren Zuständigkeitsbereichen wieder frei und befahrbar waren“, erinnert sich der Barther. Während er drinnen die Aufgaben koordinierte, mussten seine Kollegen draußen in der eisigen Kälte gegen die Schneemassen kämpfen. „Zunächst hatten wir Westwind und dazu Schneeregen und Schnee, doch der drehte plötzlich und kam entgegengesetzt. Das hat uns dann alles zugepustet. Durch die langjährige Erfahrung wusste man schon, welche Straßen besonders zugeweht sind, wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung kommt “, sagt Lothar Bechert. Besonders betroffen sei die Strecke von Barth Richtung Löbnitz gewesen. „Auf der Höhe des Flughafens war es am schlimmsten. Da ging wirklich überhaupt nichts mehr. Dort war ein Siloanhänger umgekippt, der die ganze Straße versperrte“, sagt der ehemalige Mitarbeiter der Straßenmeisterei. Die angekündigte Hilfe aus Ribnitz-Damgarten sei nie angekommen. „Von dort sollte eigentlich ein Bergungspanzer kommen, der die Straße von Barth nach Löbnitz räumen sollte, aber das Fahrzeug fuhr sich fest und kam überhaupt nicht weiter“, meint der 66-Jährige.

Eine Woche lang im Dauereinsatz

Winter 1978/79: Schwere Technik, K700, war auf der Strecke Michaelsdorf - Hermannshof im Einsatz Quelle: privat

Zum Gebiet der Straßenmeisterei gehörte neben Barth unter anderem auch Löbnitz, Karnin und die L 21 bis Born. Die Straßenmeisterei mobilisierte alle Kräfte. „Wir hatten Vertragspartner, die alle eingesprungen sind“, erklärt Lothar Bechert. „Eine Woche lang war ich gar nicht Zuhause. Die Fahrer haben immer nur ein paar Stunden in den anliegenden Ferienwohnungen geschlafen und sind dann wieder losgefahren“, berichtet der gebürtiger Barther. „Aber irgendwann wussten wir auch einfach nicht mehr, wohin mit den Schneemassen. Es wurden nur noch die wichtigsten Straßen im Barther Stadtgebiet geräumt. Nur die dringlichsten Strecken.“

Probleme die Fahrzeuge der Straßenmeisterei sowie der Vertragspartner zu tanken, habe es glücklicherweise nicht gegeben. „Es gab genügend Reserven. Normalerweise brauchte man Spritmarken, aber in so einer Ausnahmesituation hat niemand danach gefragt“, sagt der 66-Jährige. Mitte Januar hatte sich die Lage wieder normalisiert, allerdings konnten die Mitarbeiter der Straßenmeisterei und alle übrigen Helfer nicht lange verschnaufen. Denn bereits Mitte Februar schneite und stürmte es erneut extrem über mehrere Stunden.

Die Schneemassen sorgten damals für spektakuläre Motive in ganz MV. Klicken Sie sich hier durch die Bildergalerie:

Fakten zum Jahrhundertwinter:

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