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Ribnitz-Damgarten „Das war für mich der tollste Arbeitsplatz“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Das war für mich der tollste Arbeitsplatz“
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05:23 12.09.2019
1981 nahm Janett Harnack (l.) ihre Arbeit als Gemeindearbeiterin der evangelischen Kirchengemeinde Ribnitz-Damgarten auf. In den vergangenen Wochen half die 61-Jährige ihrer Nachfolgerin Eva Drews (21), in ihre neue Tätigkeit hineinzufinden. Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

Fast 40 Jahre lang eine und dieselbe Arbeitsstelle innezuhaben, ist heutzutage fast schon eine Seltenheit geworden. Janett Harnack ist eine der wenigen, die fast vier Jahrzehnte bzw. nahezu ihr gesamtes Arbeitsleben auf demselben Posten verbracht hat. Und sie bereut keinen Tag davon. „Das war für mich der tollste Arbeitsplatz, trotz schwerer Zeiten“, sagt die 61-Jährige heute. Nun verabschiedet sich die Gemeindepädagogin der evangelischen Kirchengemeinde Ribnitz-Damgarten allmählich in den Ruhestand. Ihr 40-jähriges Dienstjubiläum wird sie dabei sogar noch erreichen. Offiziell in Rente geht sie erst in anderthalb Jahren, da sie nun in die Ruhephase der Altersteilzeit geht. Viel wichtiger sei jedoch, eine würdige Nachfolgerin gefunden zu haben. Das sei mit Eva Drews gelungen. Nun hilft Janett Harnack der 21-Jährigen dabei, in ihren neuen Job hineinzufinden.

Fast täglich sind beide in der Bernsteinstadt unterwegs. Eva Drews soll dabei all die Menschen kennenlernen, mit denen sie in den kommenden Jahren als Gemeindepädagogin in Kontakt kommt. „Die Kirchengemeinde ist sehr breit und gut aufgestellt. Alle sind sehr offen“, sagt Eva Drews. Das gelte auch für den Stellenwert der Gemeinde in der Bernsteinstadt. Dabei war das nicht immer so.

Heimlich studiert

„Ich wusste, dass ich keinen Fuß mehr auf den Boden bekomme, wenn ich zur Kirche gehe“, erinnert sich Janett Harnack. Als sie am 1. April 1981 als Gemeindearbeiterin der Kirchengemeinde begann, spielte in der Staatsideologie der damaligen DDR Kirche an sich ebenso wie Religion so gut wie keine Rolle. „Kirche wurde zwar nicht angefeindet, aber sie war geächtet, ein Staat im Staat“, sagt Harnack.

Dennoch hatte sie sich ganz bewusst für diesen Weg entschieden. Heimlich hatte sie in Potsdam ein kirchliches Studium absolviert. Eigentlich arbeitete Janett Harnack in einem Kindergarten.

Die Stasi mit dabei

Denn trotz Repressalien bot die Institution Kirche auch Möglichkeiten. Während der letzten Jahre bis zur Wende war die St. Marien-Kirche immer wieder Ort für Staatskritik. Künstler und Musiker, denen in der DDR verboten war, ihre Werke öffentlich zu präsentieren, stellten hier aus bzw. traten hier auf. Themenabende setzten sich kritisch mit dem Staat auseinander. „Wenn wir einen Referenten hatten, der über die Landwirtschaft, über die Überdüngung der Felder und die Verschmutzung des Grundwassers sprach, konnten wir uns sicher sein, dass auch die Stasi immer mit dabei war.“

Mit der politischen Wende wurde es einfacher. Es sein ein schwieriger Weg gewesen, auf dem Beharrlichkeit und Geduld gefragt waren. Doch Stück für Stück fand die Kirchgemeinde ihren Platz in der Stadtgesellschaft, arbeitete unter anderem mit Kitas und Schulen zusammen. Ob in der Kinder- und Familienarbeit, über die Organisation von Themenabenden, Freizeiten oder Projekte, die Akzeptanz der Kirchengemeinde in der Stadt wuchs stetig.

„Ich wollte wieder zur Kirche zurück“

Nun ist es Zeit für die Übergabe des Staffelstabs. Mit ähnlichen Schwierigkeiten wie Janett Harnack dürfte Eva Drews es dabei nicht unbedingt zu tun bekommen. Dennoch werde es schwierig, das Aufgabenfeld auszufüllen, da die 21-Jährige vorerst nur eine halbe Vollzeitstelle besetzt. „In dem Umfang wie bisher ist das wohl nicht mehr möglich“, sagt Eva Drews. Gleichzeitig absolviert Drews die Ausbildung zur Gemeindepädagogin. „Ich hoffe, dass ich das schaffe“, sagt sie. Und sie hofft, dass irgendwann aus der halben eine volle Stelle wird.

Seit ihrem elften Lebensjahr sei Eva Drews in der Kirche aktiv. „Wo jemand gebraucht wurde, habe ich geholfen.“ Ihre Eltern seien nicht religiös, sie habe den Weg zur Kirche selbst gewählt. Nach ihrer Ausbildung zur Automobilkauffrau in Neubrandenburg habe sie festgestellt, das etwas fehlte. Ein halbes Jahr habe Drews in einem Autohaus in Rostock gearbeitet, außerdem im Zweitjob auch im Einzelhandel. „Aber es war dort keine Veränderung möglich“, sagt sie. Die Möglichkeit, sich auch persönlich weiterzuentwickeln, sei als Gemeindepädagogin dagegen gegeben. „Und ich wollte wieder zur Kirche zurück.“

Die Kirche in der DDR

Das Verhältnis zwischen den Kirchen und der sozialistischen Staatsführung war nahezu über die gesamte DDR-Zeit schwierig und mit gezielter staatlicher Unterdrückung verbunden. Zum Zeitpunkt der Gründung der DDR 1949 waren etwa 92 Prozent der Bevölkerung christlich. Im Laufe der Zeit sank die Zahl der Kirchenmitglieder, unter anderem aufgrund einer atheistischen Bildungs- und Religionspolitik, die ein nicht-religiöses und materialistisches Weltbild propagierte und Repressionen gegenüber Gläubigen und Kirchen beinhaltete.

Bestimmte berufliche Karrieren, vorwiegend im Staatsdienst oder in leitenden Funktionen, waren Christen bzw. Mitgliedern einer Kirche weitgehend verschlossen. Kirchlich aktive Personen und kirchliche Mitarbeiter wurden häufig von der Stasi überwacht und zum Teil durch gezielte, auch informelle Maßnahmen unter Druck gesetzt. Jugendlichen wurde gedroht, von der Erweiterten Oberschule oder vom Studium ausgeschlossen zu werden. Die staatlichen Maßnahmen verstärkten eine Entchristlichung der gesamten Gesellschaft.

1988, ein Jahr vor dem Mauerfall, waren knapp 40 Prozent der Bevölkerung christlichen Glaubens.

Seit dem 1. September ist sie nun in Ribnitz. „Ich möchte erst mal alles kennenlernen und schauen, was ich übernehmen kann und wo auch Platz für Neues ist“, sagt Eva Drews. Am wichtigsten sei die Rückmeldung der Kinder, mit denen sie arbeitet. Bislang sei diese äußerst positiv. Auch die Eltern der Mädchen und Jungen unterstützen, wo sie können. An Motivation mangelt es Drews dabei ebenfalls nicht. „Ich habe schon viele Ideen“, sagt die 21-Jährige.

Und Janett Harnack? „Viele denken, ich kann nicht loslassen. Aber ich werde mich in der Kirchengemeinde in nichts reinhängen“, sagt die 61-Jährige. Dennoch wird sie nicht von der Bildfläche verschwinden. Denn ehrenamtlich gibt es genug zu tun, etwa im Kunstverein Ribnitz-Damgarten, der sich aktuell unter anderem für den Erhalt des Stadtkulturhauses einsetzt, oder in der Flüchtlingshilfe, die Janett Harnack und ihrer Mitstreiter 2015 ins Leben gerufen hatten. „Ich freue mich drauf, dafür mehr Zeit zu haben.“

Von Robert Niemeyer

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