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Ribnitz-Damgarten Jugendtreff in Ribnitz schon wieder geschlossen: Versuch gescheitert?
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Jugendtreff in Ribnitz schon wieder geschlossen: Versuch gescheitert?

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06:00 22.01.2020
Räume in der ehemaligen Bummi-Krippe waren im November Jugendlichen zur Verfügung gestellt worden. Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

Ist das Experiment schon wieder gescheitert? Der vor Kurzem erst ins Leben gerufene Jugendtreff in der ehemaligen Bummi-Krippe an der Klosterwiese in Ribnitz-Damgarten ist bereits wieder geschlossen. Vorerst, wie es von den Beteiligten heißt. Doch offenbar gibt es schwerwiegende Probleme.

„Ich will damit nichts mehr zu tun haben“, sagt Tom Müller auf Nachfrage der OZ. Der Jugendliche gehörte zu den Initiatoren des Jugendtreffs und hatte einen von vier Schlüsseln für die Räume in dem Gebäude erhalten. Die Idee war, dass sich die Jugendlichen der Bernsteinstadt selbst organisieren, selbst planen, wann und durch wen der Raum genutzt wird. Auch sollte Geld unter den Nutzern gesammelt werden, um die Betriebskosten zu finanzieren.

„Bevor ich auf den Deckel bekomme, lasse ich es lieber“

Doch offenbar hat das nicht funktioniert. Bereits wenige Tage nach der Übergabe der Räume durch Bürgermeister Frank Ilchmann Mitte November wurde dort randaliert. Ein Sachschaden von 2000 Euro war damals entstanden. Danach „ging es eine Zeit lang gut. Aber dann hat es sich wieder verschlechtert“, sagt Tom Müller. „Es wurden ständig Sachen demoliert. Und auf der Toilette wurden Drogen genommen“, so der Jugendliche.

Offenbar war das Ganze nicht in den Griff zu bekommen, so dass sich Müller entschloss, sich bei Ribnitz-Damgartens zweiter stellvertretender Bürgermeisterin Silke Kunz zu melden und seinen Schlüssel abzugeben. „Die wollten nicht auf mich hören. Da habe ich gesagt: Bevor ich auf den Deckel bekomme, lass ich es lieber.“

Bei der Polizei waren in den vergangenen Wochen keine Hinweise auf Drogenkonsum in der Bummi-Krippe eingegangen, wie Marco Stoll, Leiter des Ribnitz-Damgartener Polizeireviers auf Anfrage mitteilte.

Bis zu 40 Nutzer

Bis zu 40 Jugendliche nutzten den Raum in der Bummi-Krippe. Derzeit sind offenbar noch drei Schlüssel im Umlauf. Geschlossen sind die Räume dennoch. Weitere Gespräche sollen zeigen, wie es weitergehen kann.

Silke Kunz bestätigte auf Anfrage, dass Anfang der vergangenen Woche ein Gespräch mit den Jugendlichen stattgefunden hatte. „Anlass des Gesprächs war die in letzter Zeit vermehrt aufgetretene Sachbeschädigung, nicht organisiertes Aufräumen und erhöhter Alkoholkonsum“, so Kunz. Sie selbst, Hauptamtsleiterin Eleonore Mittermayer, Heiko Werth aus dem Bauamt sowie Christina Bonke, Stadtvertreterin und Schulleiterin der Bernsteinschule, hatten sich mit den Jugendlichen zusammengesetzt.

Ergebnis der Runde sei gewesen, dass beiden Seiten klar geworden sei, dass die komplette Selbstorganisation der Jugendlichen nicht hundertprozentig funktioniert habe. „Aber diese Einsicht und der Wille, gemeinsam hieran weiterzuarbeiten, sind auf beiden Seiten vorhanden. Wir haben daher im gegenseitigen Einverständnis eine vorübergehende Schließung der Bummi-Krippe vereinbart“, so Silke Kunz. Es soll also weitergehen.

Nur wie? Vereinbart wurde, dass die Jugendlichen Verhaltensregeln erarbeiten. „Zur Unterstützung hierbei haben wir Sozialarbeiter von der JAM GmbH angefragt“, erläutert Silke Kunz. Ziel sei, dass die Jugendlichen sich bis zu den Winterferien auf den Regelkatalog verständigen und der Raum dann wieder genutzt werden kann.

Wachdienst auf dem Marktplatz

Zum Hintergrund: In den vergangenen Monaten hat das Thema Jugendliche in Ribnitz-Damgarten immer wieder hohe Wellen geschlagen. Vor allem auf dem Marktplatz in Ribnitz ist es immer wieder zu Vorfällen gekommen. Ruhestörung, Vandalismus und Prügeleien gehörten unter anderem dazu. Bürgermeister Frank Ilchmann wollte den Marktplatz deshalb sogar teilweise sperren lassen.

Von einigen Jugendlichen wurde gleichzeitig immer wieder der Wunsch nach einem Jugendtreff geäußert. Mit der Bummi-Krippe machten Stadt und Politik ein Angebot.

Gleichzeitig wird der Ribnitzer Marktplatz mittlerweile am Wochenende von einem Sicherheitsdienst bewacht. „Das Ergebnis wurde als positiv bewertet, die Beschwerden der Bürger wegen Ruhestörung sind deutlich zurückgegangen“, sagt Silke Kunz.

Der Wachdienst diene jedoch lediglich zur Eindämmung der Symptome. „Wir wollen auch bei den Ursachen, sprich in der Jugendarbeit, ansetzen“, so Kunz. Mögliche Wege sollen in der Politik, unter anderem im Ausschuss für Jugend, Bildung und Soziales, diskutiert werden.

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Von Robert Niemeyer

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