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Ribnitz-Damgarten Kalb getötet: Wolfsangriff vermutet
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Kalb getötet: Wolfsangriff vermutet
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15:09 05.06.2019
Auf einer Weide in der Nähe von Neuhaus wurde ein Kalb getötet. Vermutlich war es ein Wolfsangriff. Quelle: Robert Niemeyer
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Klockenhagen/Neuhaus

Auf einer Weide in der Nähe von Neuhaus ist am Mittwochmorgen ein totes Kalb entdeckt worden. Die Spuren deuten auf einen Wolfsangriff hin. „Es hat in den vergangenen Wochen in der Gegend immer wieder Wolfssichtungen gegeben“, sagt Ralf Schneider, Geschäftsführer des Gutes Klockenhagen. Der Landwirtschaftsbetrieb bewirtschaftet große Flächen in der Gegend mit Rinderherden.

Ralf Schneider, Geschäftsführer des Gutes Klockenhagen, ist sich sicher, dass das Kalb von einem Wolf getötet wurde. Quelle: Robert Niemeyer

Vor sechs Tagen war das Kalb erst geboren worden. Nach einen Kampf habe der Wolf das Jungtier ins hohe Gras geschleift und sich satt gefressen, vermutet Schneider. Fellbüschel und passende Pfotenabdrücke lassen „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ den Schluss eines Wolfsangriffs zu, so der Landwirt. Ein Rissgutachter schaute sich am Mittwoch das tote Tier an, das im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei näher untersucht wird. „Gerade bei tot aufgefundenen Kälbern kann die tatsächliche Todesursache oft nicht anhand äußerlicher Merkmale bestimmt werden“, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium.

Sichtungen: Zwei Wölfe in der Region

Bereits vor zehn Tagen war ein Kalb aus einer der Herden des Gutes Klockenhagen tot aufgefunden worden. Laut Schneider habe damals die Analyse ergeben, dass an dem toten Tier keinerlei Fremd-DNA, etwa die eines Wolfes, gefunden worden sei.

Berichte von Wolfsichtungen in der Gegend lassen laut Schneider vermuten, dass mindestens zwei Wölfe in der Region zwischen Klockenhagen und Dierhagen unterwegs sind. Solche Sichtungen können übrigens über die Internetseite www.wolf-mv.de gemeldet werden.

Tödliche Attacken von Wölfen in Mecklenburg-Vorpommern häufen sich. Bisweilen werden die Raubtiere aber auch selbst getötet.

Ein totes Kalb bedeute laut Ralf Schneider einen Umsatzverlust von rund 2000 Euro. Eine Entschädigung im Rahmen der sogenannten Förderrichtlinie Wolf sei möglich, falls es sich tatsächlich um einen Wolfsriss handelt.

Wichtiger sei jedoch der emotionale Aspekt. „Für Tierhalter ist es schwer zu ertragen, welches Leid das Tier durchlebt hat“, so Schneider. Das Gut Klockenhagen ist ein hundertprozentiger Bio-Betrieb. Entsprechend stehe das Wohl der Tiere im Vordergrund. „Ein solcher Vorfall ist auch für unsere Mitarbeiter grausam.“ Aktuell steht die Abkalbezeit an. Etliche Jungtiere werden derzeit geboren oder sind bereits auf den Weiden unterwegs.

Gefahren im Tourismusgebiet

„Wenn eine Rinderherde vom Wolf ins Laufen gebracht wird, dann ist auch der Straßenverkehr betroffen“, sagt Frank Hartmann, Vorsitzender des Bauernverbands Nordvorpommern. Quelle: Almut Jaekel

Obwohl in der Vergangenheit vor allem Schafherden betroffen waren, seien Wolfsangriffe auf Rinderherden nicht gänzlich ungewöhnlich, sagt Frank Hartmann, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Nordvorpommern. „Gerade Neugeborene sind gefährdet“, so der Wustrower Landwirt. Nach Auskunft aus dem Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommerns sind landesweit „bislang zehn Fälle registriert worden, bei denen ein Wolf als Verursacher von Übergriffen auf Kälber oder Jungrinder festgestellt bzw. nicht ausgeschlossen werden konnte“.

Frank Hartmann betont dabei einen Aspekt, der gerade in Urlaubsgebieten wie der Region Fischland-Darß-Zingst fatale Folgen haben könnte. „Wenn eine Rinderherde vom Wolf ins Laufen gebracht wird, dann ist auch der Straßenverkehr betroffen“, warnt Hartmann vor der Gefahr, dass die Tiere auf der Flucht vor dem Raubtier Zäune durchbrechen könnten. In dem engen Tourismusgebiet führen viel befahrene Straßen an Weiden entlang, etwa an der Landesstraße 21 oder – wie im aktuellen Fall – an der Kreisstraße nach Neuhaus.

Schutz nicht möglich?

Doch wie können Landwirte ihre Herde vor derlei Angriffen schützen? „Es gibt keine Möglichkeit“, meint Ralf Schneider. Die üblichen Stromzäune würden den Wolf nicht aufhalten. „Es ist sicherlich nicht sinnvoll, kilometerlange, 1,80 Meter hohe Zäune durch unsere Landschaft zu ziehen“, sagt Frank Hartmann.

Laut Auskunft aus dem Landwirtschaftsministerium seien Präventionsmaßnahmen für Rinderhaltungen im Einzelfall zu beurteilen. Dafür stünden im Auftrag des Landes tätige Nutztierhalterberater zu Verfügung. Schutzmaßnahmen könnten zudem gefördert werden. Eine Möglichkeit sei beispielsweise die Einrichtung speziell abgesicherter Abkalbeweiden.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes verweist dabei aber auch auf eine Gesetzesinitiative der Bundesregierung von vor wenigen Wochen, nach der Wölfe leichter geschossen werden dürfen. Eine Abschussgenehmigung durch die Landesbehörden sei damit bereits möglich, wenn „ernste Schäden“ für Nutztierhalter entstanden bzw. weiterhin zu befürchten sind. Dann sei der Abschuss von Wölfen auch möglich, wenn unklar ist, welches Tier genau für die Risse verantwortlich ist. „Zwei tote Tiere in einer Woche ist nicht wenig“, betont Frank Hartmann.

Umweltverbände hatten diesen Gesetzesentwurf kritisiert. Der Wolf steht unter strengem Artenschutz.

Laut Landwirtschaftsministerium sind seit 2007 bei mehr als 100 Schadensfällen, die in Verbindung mit dem Wolf stehen, mehr als 400 Tiere getötet und mehr als 140 Tiere verletzt worden. Mindestens 70 Wölfe gibt es aktuell in Mecklenburg-Vorpommern. Bundesweit gehen Experten bereits von rund 1000 Wölfen aus. Die Zahl der Rudel wuchs 2018 laut Bundesamt für Naturschutz um 13 auf 73. Im laufenden Monitoringjahr 2018/19 liegen aktuell Nachweise von 60 Rudeln, drei Paaren und fünf Einzeltieren aus den Bundesländern vor.

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Robert Niemeyer

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