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Ribnitz-Damgarten Klage abgewiesen: Schifffahrtsamt darf den Polder bei Born jetzt fluten
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Klage abgewiesen: Schifffahrtsamt darf den Polder bei Born jetzt fluten

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17:32 22.01.2020
Nachdem die Klage der Boddenland GmbH abgewiesen wurde, kann die Flutung des Werre-Polders weitergehen. Quelle: Timo Richter
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Born/Stralsund

Mit der Flutung des Werre-Polders zwischen Born und Ahrenshoop ist die Furcht vor einem möglichen Versalzen des Trinkwassers gestiegen. Die Boddenland GmbH, Wasserversorger und Abwasserentsorger mit Sitz in Ribnitz-Damgarten, ist gegen die Maßnahme des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Stralsund juristisch vorgegangen – und musste nun eine Niederlage einstecken. Das Gericht wies die Klage ab. Eine Revision ist nicht zugelassen.

Enttäuscht von der Entscheidung ist Hans Köhler aber nicht. Der Geschäftsführer der Boddenland GmbH betont, dass nach fünfstündigem Ringen vor Gericht dennoch etwas herausgeholt wurde. Zwar darf die Werre nun weiter geflutet werden. Um aber ein Risiko für das Trinkwasser durch das Eindringen von salzhaltigem Wasser in das Grundwasser besser einschätzen zu können, muss das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt im Bereich zwischen Werre und der Wasserfassung Peters Kreuz im Darßwald die kommenden zehn Jahre das Grundwasser über eigene Pegel beproben.

Monitoring durchs Schifffahrtsamt

„Diese jährliche Überprüfung ist unsere Sicherheit“, sagt Hans Köhler. Das Grundwasser bewege sich rund 30 Meter im Jahr. Sollte es tatsächlich zu einer von den Hydrologen der Boddenland GmbH befürchteten Versalzung kommen, gebe es ausreichend Zeit, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Verbraucher brauchen keine Furcht zu haben, dass plötzlich salzhaltiges Wasser aus den Hähnen ströme.

Im Zentrum der Kritik steht dabei nicht die Vernässung des Werre-Polders. Das ist eine Ausgleichsmaßnahme für die längst erfolgte Vertiefung des Peene­stroms. Der Geschäftsführer der Boddenland GmbH sieht vielmehr das erforderliche Abpumpen von tiefer gelegenen Flächen als kritisch. Damit diese Flächen als Weideland genutzt werden können, muss gepumpt werden. „Damit einher geht die Gefahr, dass salzhaltiges Wasser in die Grundwasserleiter gezogen wird“, sagt Hans Köhler. Darum auch die Klage gegen die Wiedervernässung der Werre.

Flutung im Februar

Vor der weiteren Flutung des Werre-Polders prüft das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Stralsund den Zustand von Durchlass und Dämmen. Quelle: Timo Richter

Die zwischenzeitlich gerichtlich gestoppte Flutung des Polders soll nun weitergehen. „Wir beabsichtigen, die Maßnahme durchzuführen“, bestätigt Hagen Bauerhorst, Gewässerkundler im Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Stralsund auf Nachfrage. Vor der Wiederaufnahme der Flutung erfolge eine Überprüfung des baulichen Zustandes des Durchlasses im Verlauf des Boddendeichs sowie die der Dämme. Im Februar, so die Einschätzung Hagen Bauerhorsts, könne es mit der Flutung weitergehen.

„Klage hat sich gelohnt“

Überrascht von der Entscheidung des Gerichts, die Klage abzuweisen, zeigte sich in einer ersten Reaktion der Borner Bürgermeister Gerd Scharmberg (Wählergemeinschaft Bürger für Born). In der Genehmigung zur Flutung der Werre sei ein Risiko für die Trinkwasserversorgung ausgeschlossen worden. Ein Restrisiko einer Versalzung von Grundwasserleitern sei kein Ausschluss.

Das Monitoring in den kommenden zehn Jahren – „damit wurde etwas erreicht; dann hat sich die Klage gelohnt“, sagt der Borner Bürgermeister. Das Boddendorf war wie Prerow und Wieck der Klage beigetreten.

Kommunen sind betroffen

Grund dafür ist die Rolle der Kommunen als Gesellschafterinnen der Boddenland GmbH. Das Anlagevermögen des einstigen Wasserversorgers sei nach der Wende den Standortkommunen zugeordnet worden. Mit dem Wasserwerk Peters Kreuz habe Born den größten Anteil erhalten. In der Folge wurde die Boddenland GmbH gegründet. Die Gesellschafterinnen des Wasserver- und Abwasserentsorgers übergaben daraufhin das ihnen gerade erst zugeordnete Anlagevermögen der Boddenland GmbH.

Mit der Flutung der Werre, so Bürgermeister Gerd Scharmberg, sei Born als Gesellschafterin betroffen. Schließlich stand eine Versalzung der Wasserfassung im Raum. Darum sei Born geraten worden, der Klage beizutreten.

Mehr lesen: Oberverwaltungsgericht stoppt Flutung der Werre

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Von Timo Richter

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