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Ribnitz-Damgarten Kleine Fischergasse in Ribnitz wird zum „Wohlfühleck“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Kleine Fischergasse in Ribnitz wird zum „Wohlfühleck“
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16:00 28.10.2019
Karina Zimmermann (l., 40) und Jasmin Enkelmann (30) haben das Kompetenzzentrum "Kiek in" gegründet. In der Kleinen Fischergasse in Ribnitz werden unter anderem ein Laden und eine Werkstatt entstehen. Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

In die kleine Fischergasse am Ribnitzer Markt kehrt wieder mehr Leben ein. Das Kompetenzzentrum „Kiek in“ hat dort mehrere Geschäftsräume angemietet und plant, dort unter anderem einen Laden für Kleidung sowie ein „Wohlfühleck“ zu eröffnen.

Zum 1. September hatten Jasmin Enkelmann und Karina Zimmermann das Kompetenzzentrum gegründet. Die beiden Frauen und ihr Team betreuen psychisch Erkrankte und suchtkranke Menschen, helfen ihnen, ein geregeltes Leben zu führen. Hauptsitz des neuen Kompetenzzentrums werden Büroräume ein paar Meter weiter über der Forellen-Apotheke. Hier sollen unter anderem Therapiekurse stattfinden. Die Räume in der kleinen Fischergasse sollen dann vor allem zum öffentlichen Treffpunkt werden.

Klienten sollen mitarbeiten

„Der Bedarf an Betreuung ist groß. Viele Betroffene trauen sich nicht, den Weg allein zu gehen“, sagt Karina Enkelmann. Hier hilft das „Kiek in“. Geplant ist unter anderem, eine Ton- und eine Holzwerkstatt zu etablieren, in denen die Klienten des Kompetenzzentrums arbeiten können.

Auch der kleine Laden soll von Menschen geleitet werden, die durch Karina Zimmermann und Jasmin Enkelmann betreut werden. Die Frauen und Männer bereiten die gespendete Kleidung auf und kümmern sich um eine angemessene Präsentation der Ware. Auch kreative Gegenstände, die in den beiden Werkstätten hergestellt werden, sollen in dem Geschäft verkauft werden.

Second-Hand ohne Stigma

Das Geschäft soll den Namen „Stoffwechsel“ tragen und eine Art Second-Hand-Laden sein. „Aber er soll schick sein, wie ein normales Geschäft wirken“, sagt Jasmin Enkelmann. Oft würde Second-Hand-Läden oder Sozialläden ein Stigma anheften. „Aber auch sozial schwache Menschen sollen angemessen einkaufen können.“

Am 1. November beginnt der Umzug. Derzeit befindet sich das Kompetenzzentrum „Kiek in“ noch in der Straße der Solidarität. Ende November soll der Laden eröffnen.

Suppenküche wird Treffpunkt

Das Verkaufsgeschäft soll in den kleinen Raum am Eingang zum Fitnessstudio einziehen. Von dort aus gesehen auf der rechten Seite entstehen die Werkstätten. In den Räumen des ehemaligen griechischen Restaurants gegenüber ist dann das Zentrum des Projektes zu finden: das „Wohlfühleck“.

Unter anderem soll es hier eine öffentliche Suppenküche geben. In der Zusammenarbeit mit der Tafel kochen die Klienten des Kompetenzzentrums hier dann mit Lebensmitteln, die von der Tafel nicht verteilt worden sind. „Ribnitz braucht einen Punkt, an dem sich Menschen treffen können“, sagt Jasmin Enkelmann.

Rückkehr ins Arbeitsleben

Mit diesem Schritt in die Öffentlichkeit und der Etablierung eines Projektes für psychisch Erkrankte und suchtkranke Menschen mitten im Zentrum von Ribnitz soll den Menschen, die das „Kiek in“ betreut, geholfen werden, den Weg in den Alltag zu finden. Die Mitarbeiter des Second-Hand-Ladens sollen hier beispielsweise auf die Rückkehr ins Arbeitsleben vorbereitet werden.

„Man sieht ihnen die Probleme nicht an. Wir möchten ihnen das Stigma, den Stempel nehmen“, sagt Karina Zimmermann. Etwa 30 Menschen aus Ribnitz-Damgarten und Umgebung werden durch die 40-Jährige und ihre 30-jährige Geschäftspartnerin betreut.

Gefühl von Familie

Zimmermann ist ausgebildete Altenpflegerin. Enkelmann ist Ergotherapeutin. Zuletzt waren beide für den Stralsunder Verein Gartenhaus tätig, bis sie sich mit ihrem eigenen Projekt selbstständig machten. „Das ist mehr als ein Job, das ist Herzenssache“, sagt Karina Zimmermann. Und die Klienten seien dankbar. „Die meisten haben keine Familie. Bei uns bekommen sie ein Gefühl von Familie“, so Jasmin Enkelmann.

Der Schritt, sich direkt im Zentrum anzusiedeln, sei bewusst gewählt worden. Für die Klienten sei dies eine Art Konfrontationstherapie, wenn sie den ganz normalen Alltag inmitten geschäftigen Treibens im Ribnitzer Zentrum bewältigen sollen.

Umfangreiches Angebot

Das Kompetenzzentrum „Kiek in“ bietet Betroffenen unter anderem ein individuelles Betreuungs- und Förderprogramm. Dazu gehört das Training in der Lebenspraxis, etwa beim Einkaufen, Kochen oder Wäsche waschen. Auch unterstützen Zimmermann und Enkelmann die Klienten bei Behördengängen oder beim Weg ins Berufsleben.

Bewegungs- und Musiktherapie, das Training sozialer und kommunikativer Kompetenzen oder auch Konflikt- und Krisenbewältigung sind ebenfalls Bestandteil des Angebots. Neben der Betreuung im Kompetenzzentrum in Ribnitz bietet das „Kiek in“ auch ambulante Unterstützung in den eigenen vier Wänden der Klienten an.

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