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Ribnitz-Damgarten Kleine Gemeinde will Wasserburg Divitz retten
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Kleine Gemeinde will Wasserburg Divitz retten
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14:50 04.07.2019
Ein Lichtblick für die Wasserburg Divitz: Die Gemeinde will die Trägerschaft für das Vorhaben „Erneuerung der Wasserburg“ übernehmen. Quelle: Anika Wenning
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Divitz

Die Rettung der Wasserburg Divitz ist ein Mammutprojekt. Insgesamt 20 Millionen Euro Fördermittel haben der Bund und das Land zugesagt, um das rund 700 Jahre alte Gebäude und die Parkanlage vor dem Verfall zu retten. Und nun soll die 450-Seelen-Gemeinde Divitz-Spoldershagen die „Hauptrolle spielen“. Am Mittwochabend haben die Gemeindevertreter in ihrer konstituierenden Sitzung beschlossen, die Trägerschaft für das Vorhaben „Erneuerung der Wasserburg Divitz“ zu übernehmen.

Allerdings schließt die Gemeinde den Vertrag nicht ganz freiwillig. Bei einem Gespräch im Wirtschaftsministerium im Mai sei festgelegt worden, dass die Fördermittel nur an einen öffentlichen Träger gezahlt werden. „Und der Landkreis hat sich erfolgreich gewehrt“, erklärte Bürgermeister Christian Haß. Somit bleibe nur noch die Gemeinde als öffentlicher Träger übrig. Unterstützung bekomme sie vom Amt Barth. In der Verwaltung werde für die anstehenden Aufgaben extra eine zusätzliche Stelle geschaffen, die im Haushalt der Stadt bereits eingeplant sei.

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Aufgabe der Gemeinde sei es unter anderem, die Fördermittelanträge zu stellen, die Bauaufträge auszuschreiben und zu vergeben. Dass die Gemeinde und das Amt das nicht alleine stemmen können, sei klar. „Es muss ein Planungsbüro geben, das dieses Projekt abwickelt“, sagte Christian Haß, der eines klarstellte. „Die Gemeinde ist nicht Eigentümer oder Betreiber der Wasserburg. Das wollen wir nicht und das werden wir auch nicht sein.“ Der Förderverein Kulturgüter Wasserburg Divitz bleibe Eigentümer des Baudenkmals.

Auch skeptische Stimmen

Bei einigen Gemeindevertretern stieß das Vorhaben auf Skepsis, nur drei stimmten für die Übernahme der Trägerschaft, einer dagegen und drei enthielten sich. „Wir haben bisher immer gesagt, dass wir uns als Gemeinde da raushalten“, sagte Albrecht Wendt. „Wenn wir einmal unterschreiben, kommen wir da nicht wieder raus. Dann stehen wir mit beiden Beinen drin und das wollten wir eigentlich immer verhindern.“

Bürgermeister Christian Haß hatte Verständnis für die Bedenken. „Auch ich sehe das kritisch, aber ich will mir nicht die Blöße geben, dass gesagt wird, ihr kriegt das nicht hin. Wir müssen den Stein werfen und schauen, was passiert. Wir haben keine andere Wahl.“ Denn wenn die Gemeinde die Trägerschaft nicht übernehme, sei das Projekt gestorben. Zu den Befürwortern zählte Janet Ratschkowski. „Wir sollten das nicht stoppen. Das ist eine Chance.“ Nachdem sich die Gemeindevertreter mehrheitlich für die Übernahme der Trägerschaft ausgesprochen haben, werde der Vertrag nun von der Rechtsaufsicht des Landkreises geprüft.

„Eine riesige Herausforderung“

Der Förderverein Kulturgüter Wasserburg Divitz freute sich über die Entscheidung der Gemeindevertreter. „Ich habe höchsten Respekt davor, dass die Gemeinde mit Unterstützung des Amtes diese Aufgabe übernimmt. Das ist eine riesige Herausforderung. Wir versuchen, das gemeinsam zu stemmen“, sagte Dr. Gerd Albrecht, der Vereinsmitglied ist. Denn bei einem Projekt dieser Größenordnung müsse eigentlich das Land oder der Landkreis diese Aufgabe übernehmen. Von beiden Seiten sei aber eine klare Absage gekommen.

Der Verein habe nun die Aufgabe, in Abstimmung mit der Gemeinde und dem Amt Barth ein Nutzungskonzept aufzustellen. „Eigentlich ist es die Fortschreibung eines schon vorhandenen Konzeptes“, sagt Dr. Gerd Albrecht. Schließlich habe der Landkreis bereits vor vielen Jahren ein Konzept erstellt, das bisher in der Schublade schlummert. Doch viel wichtiger als das Konzept sei erst einmal die Sicherung unter anderem des Daches und des Fundamentes.

Leerstand seit 1990

Seit 1990 steht die Wasserburg Divitz leer. Der Eigentümer, der die Burg für eine symbolische D-Mark 1993 erwarb, ließ die Burg verfallen. 2009 wurde vom Landkreis erstmals ein Nutzungskonzept fertiggestellt. 2013 wurde der Verein Kulturgüter Wasserburg Divitz gegründet, der 2015 das historische Ensemble kaufte. 2016 wurde die Wasserburg Divitz durch „Europa Nostra“ als eines der 14 europaweit am meist gefährdeten Baudenkmäler eingestuft.

So wurde gewählt

Bei der konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung Divitz-Spoldershagen wurden auch die beiden Stellvertreter des Bürgermeister gewählt, 1. Stellvertreter ist Albrecht Wendt und 2. Stellvertreterin Janet Ratschkowski.

Die Ausschüsse wurden ebenfalls neu besetzt. In den Hauptausschuss wurden neben dem Bürgermeister Christian Haß, seine beiden Stellvertreter Albrecht Wendt und Janet Ratschkowski gewählt. Im Ausschuss für Gemeindeentwicklung, Bau, Verkehr und Kultur sind die Gemeindevertreter Gunter Schmidt, Martin Scheel und Dirk Splisteser sowie die beiden sachkundigen Einwohner Harry Milas und Rico Imber vertreten. In den Rechnungsprüfungsausschuss wurden die Gemeindevertreter Janet Ratschkowski und Stefan Wittösch sowie die sachkundige Einwohnerin Katharina Schwarz gewählt.

Anika Wenning