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Ribnitz-Damgarten Künstler in Boddendorf ausgebremst
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Künstler in Boddendorf ausgebremst
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07:58 28.11.2017
Jörg Nassler und Dunja Averdung veranstalteten Konzerte in ihrem eigenen Tonstudio. Quelle: Foto: Robert Niemeyer
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Bodstedt

„Man fühlt sich hier nicht wirklich willkommen“, sagt Dunja Averdung. Dabei wollten die 55-Jährige und ihr Partner Jörg Nassler nur ein bisschen Kultur in das kleine Boddendorf Bodstedt holen. Bekannt sind die beiden als Duo Liaisong. In ganz Deutschland treten Averdung und Nassler auf. Vor zehn Jahren zogen sie nach Bodstedt. Ihr Haus in zweiter Reihe sollte mehr sein als nur Wohnstätte. „Wir haben hier ein Tonstudio aufgebaut. Die Idee war, Künstler herzuholen, mit ihnen kreativ zu arbeiten“, sagt Jörg Nassler. Und diese Kunst sollte der Öffentlichkeit nicht verschlossen bleiben. „Es gibt auf dieser Seite des Boddens zu wenig Kultur“, sagt der 56-Jährige. Doch nun ist es damit wohl vorerst vorbei.

Livekonzerte im Tonstudio

Regelmäßig lud das Duo zu Konzerten auf ihr Grundstück ein. Namhafte Künstler kamen. Die Hauskonzerte waren sehr beliebt, auch bei den Einwohnern des Dorfes. In der Gaststätte im Bodstedter Hafen etablierten Averdung und Nassler unter dem Titel „Kunst und Küche“ eine Konzertreihe, bei der einmal im Jahr ein Drei-Gänge-Menü plus Live-Musik geboten wurde. „Das war so erfolgreich. Im Schnitt hatten wir 100 Gäste“, sagt Dunja Averdung.

Doch nun ist Schluss. „Es gibt Menschen, die uns nicht haben wollen“, sagt Averdung. Im August erreichte die beiden eine Anzeige wegen Lärmbelästigung und weil Autos in der Straße vor dem Haus des Duos wild parken würden. Eine Lärmmessung ergab, dass die Konzerte nicht zu laut seien. Die Autos hätten auf öffentlichem Gebiet geparkt. Dennoch hatte die Anzeige Folgen: Das Studio ist nicht als öffentliche Konzerthalle angemeldet. „Wir dürfen keine öffentlichen Konzerte machen“, so Nassler.

Unterschriften gegen Musik

Sogar eine Unterschriftenliste hat es gegeben. Etwa 20 Bodstedter hätten unterschrieben, allerdings niemand aus der direkten Nachbarschaft. Laut Nassler seien darauf Unterschriften von Bodstedtern zu finden, die am anderen Ende des Dorfes wohnen, von den Konzerten somit nichts mitbekommen haben dürften. „Zu unseren direkten Nachbarn haben wir ein normales Verhältnis. Jemand versucht, sich privat zu rächen, uns zu boykottieren“, vermutet Dunja Averdung.

Streit um Grundstück

Denn die Ursache ist offenbar ein Grundstücksstreit. Über das Grundstück des Duos führt ein Weg, der lange Zeit öffentlich genutzt wurde. Die Gemeinde, so Nassler, habe den Weg haben wollen. Das wäre kein Problem gewesen, mit der Bedingung, dass daraus keine Durchfahrtsstraße werden würde. Doch eben genau das sollte der Weg werden, weil an dem Weg ein Ackergrundstück angrenzt, das der Eigentümer zu Bauland machen wollte, vermuten die Musiker. Die Sache landete schließlich vor Gericht, Averdung und Nassler gewannen. Seitdem darf niemand mehr den Weg nutzen.

Doch damit begannen die Probleme erst richtig. Die Anzeige wegen Lärmbelästigung sei dabei nur ein Aspekt in einer ganzen Reihe von Angriffen. „Jemand ruiniert unseren Leumund“, sagt Averdung. Die üble Nachrede führte dazu, dass Dunja Averdung und Jörg Nassler im Dorf immer mehr isoliert wurden. „Es gibt nur noch zwei, drei Menschen, die zu uns stehen“, sagt Dunja Averdung.

2014 fand das letzte Konzert in der Gaststätte statt, danach kündigte der Inhaber die Zusammenarbeit auf. „Keiner hat sich je die Mühe gemacht, mit uns zu reden“, sagt Averdung. Dabei seien sie stets gesprächsbereit gewesen. Doch mittlerweile scheint dieser Krug zerbrochen.

Umzug nach Born

Doch die beiden wollen nicht aufgeben, ziehen mit der Reihe Kunst und Küche nun einfach um nach Born. Im Restaurant Rieming wird die Veranstaltung am kommenden Freitag wieder aufleben. Um 19.30 geht es los. Einlass ist um 17.30 Uhr. „Musik ist unser Leben. Wir werden uns nicht unterkriegen lassen“, sagen die beiden. Auch in ihrem Studio in Bodstedt werden Dunja Averdung und Jörg Nassler weiter musizieren, auch wenn es keine offiziellen Konzerte mehr gibt. „Wer aber kulturell interessiert ist, darf kommen“, sagt Jörg Nassler.

Weder Fuhlendorfs Bürgermeister Eberhard Groth noch weitere Beteiligte, die gegen das Duo Stimmung gemacht haben sollen, waren gestern zu erreichen.

Robert Niemeyer

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