Kurklinik Zingst beteiligt sich an Corona-Aktionstag
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Ribnitz-Damgarten „Vergesst uns nicht“: Kurklinik Zingst macht auf unsichere Corona-Situation aufmerksam
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Kurklinik Zingst beteiligt sich an Corona-Aktionstag

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10:19 10.11.2020
Auch die Mutter-Kind-Ostsee-Klinik in Zingst macht zum Aktionstag auf die prekäre Lage aufmerksam. Quelle: privat
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Zingst

Kurkliniken machen am Dienstag mit einem Aktionstag auf ihre prekäre Lage im Zusammenhang mit den Einschränkungen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus aufmerksam. „Vergesst uns nicht“, lautet der Appell an Regierung und Ministerien. Denn nach Auslaufen des sogenannten Rettungsschirms Ende September stehen diese Reha-Kliniken ungeschützt da.

Allein für die Mutter-Kind-Ostsee-Klinik an der Straminke in Zingst bedeutet das einen Ausfall von Kuren bis zu 30 Prozent bei gleichzeitig erhöhtem Aufwand, um die coronabedingten Hygieneregeln erfüllen zu können, wie Direktorin Caroline Lehmann sagt.

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Verluste können nicht aufgeholt werden

Schon während des ersten Lockdowns sind drei Kurgänge komplett ausgefallen, nun ist der Betrieb möglich, „aber einhundert Prozent erreichen wir nicht“, so die Direktorin. Die Verluste könnten nicht aufgeholt werden. Denn in der Einrichtung erfolgen die Kuren größtenteils abgestimmt. Heißt: Der Wechsel der Patienten erfolgt gleichzeitig.

Damit, so Caroline Lehmann, sei ein Aufholen des Verlusts kaum möglich. Ganz im Gegenteil, die Betroffenen abgesagter Kuren und diejenigen, die selbst abgesagt haben, würden geradezu als Welle vor sich hergeschoben. Denn die Kuren sollen ja durchgeführt werden. Schon jetzt werden Kuren terminiert, die Mitte des kommenden Jahres beginnen sollen.

Kurzfristige Absagen bereiten Probleme

Allein während des laufenden Kur-Turnus haben laut Klinikdirektorin ein Fünftel der Patientinnen abgesagt. Und für den nächsten Durchlauf gebe es schon jetzt knapp 20 Absagen. Belastend seien vor allem kurzfristige Absagen. Für die frei werdenden Plätze könne in so kurzer Zeit kein Ersatz gefunden werden.

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„Das ist nur der Anfang“, vermutet Caroline Lehmann. Die Klinikchefin rechnet mit noch viel höheren Ausfällen zur Weihnachtskur. Mit Blick auf den Betrieb der Klinik sieht sie das als „sehr unsichere Situation“.

Kliniken setzen auf finanziellen Ausgleich

Um so mehr setzt Caroline Lehmann auf Ausgleich. Wenigstens die ausgefallenen und abgesagten Kuren müssten ersetzt werden. Denn beispielsweise mit Kurzarbeit könne sie den schrumpfenden Zahlen von Patienten und Patientinnen nicht entgegenwirken. Es gelten Mindestbesetzungen.

Und gerade im Bereich der Kinderbetreuung – in der Einrichtung im Osten Zingsts der personalintensivste Bereich – ließen sich keine personellen Kürzungen durchführen. Auch bei der Betreuung von zumeist Müttern und auch Vätern mit ihren Kindern ließen sich nicht einfach einzelne Behandlungsbereiche sperren.

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Im Vergleich mit anderen Kliniken fühlen sich die Reha-Einrichtungen von der Politik vergessen. Der Rettungsschirm für diese Kliniken sei Ende September ausgelaufen, klagt Caroline Lehmann. Aufgrund der Einschränkungen infolge der Corona-Maßnahmen seien nun höhere Aufwendungen bei gleichzeitig geringeren Patientenzahlen erforderlich. Denn auch nach dem ersten Lockdown im Frühjahr konnte die Klinik nicht wieder zu 100 Prozent belegt werden.

Bilderstrecken als Onlinedemonstration

Der Aktionstag am heutigen Dienstag soll eine Art Onlinedemonstration sein. Etliche Kliniken im gesamten Bundesgebiet wollen sich beteiligen. Geschehen soll das mit Fotos, die auf das drohende Vergessen dieser Einrichtungen aufmerksam machen. Die Bilderstrecken sollen in verschiedenen sozialen Netzwerken veröffentlicht werden, um auf die angespannte Situation der Reha-Kliniken aufmerksam zu machen.

Für Caroline Lehmann ist das überlebenswichtig. Denn sie glaubt nicht an ein Ende der Einschränkungen mit Ablauf dieses Monats. Finanzielle Einbußen aufgrund der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus sieht die Klinikchefin wenigstens bis März/April kommenden Jahres.

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Von Timo Richter