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Ribnitz-Damgarten Die große Ausnahme: Männlicher Erzieher in Ribnitzer Kita
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Die große Ausnahme: Männlicher Erzieher in Ribnitzer Kita
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08:33 22.03.2019
Stephan Peter (29) ist der einzige männliche Erzieher in der Kita Boddenkieker in Ribnitz-Damgarten. Quelle: Flemming Goldbecher
Ribnitz-Damgarten

Stephan Peter gehört zu den Wenigen seiner Art. Der 29-Jährige ist staatlich anerkannter Erzieher in der Kita „Boddenkieker“ in Ribnitz-Damgarten. Das restliche Personal der Einrichtung besteht vollständig aus Frauen. Wie ist der Mangel an männlichen Erziehern in Kitas zu erklären? Existieren trotz all der Fortschritte bei der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in Deutschland noch immer veraltete Vorstellungen über Geschlechterrollen in den Köpfen der Menschen?

Noch während seiner Ausbildung zum Erzieher, erzählt Peter, sei das Verhältnis von Männern und Frauen in etwa ausgeglichen gewesen. Deshalb habe es sich in den ersten Tagen in der Kita merkwürdig angefühlt, quasi der Hahn im Korb zu sein. Es dauerte jedoch nicht lange, bis er sich eingelebt hatte: „Ich wurde super aufgenommen und von allen akzeptiert“, erzählt Peter. „Ich hatte sogar das Gefühl, dass sich meine Kolleginnen über männliche Unterstützung freuen.“

Mehr Pädagoge als Erzieher

Der junge Erzieher arbeitet seit 2018 bei den „Boddenkiekern“ in Ribnitz. Den Praxisbezug, den er noch während seines Studiums der Politikwissenschaften und Philosophie an der Uni Rostock vermisst hatte, fand er am Seminar für Kirchlichen Dienst in Greifswald (SKD). Drei Jahre lang dauerte seine Ausbildung zum Erzieher. Erste Erfahrungen in diesem Berufsfeld hatte er schon während seines neunmonatigen Zivildienstes gesammelt. Die Idee an einer Kita zu arbeiten, bildete sich jedoch erst in seiner Zeit als Azubi heraus.

Über diese Entscheidung wirkt er sehr glücklich, obwohl ihm die Berufsbezeichnung weniger zusagt: „Das Wort Erzieher passt nicht wirklich. Ich sehe mich eher als begleitende und unterstützende Person in der Entwicklung der Kinder“, sagt Peter. Er wolle weniger erziehen als vielmehr die Kinder bei ihren Lernprozessen unterstützen und für sie da sein. Dazu sei viel Empathie und Flexibilität nötig. „Ich kann nicht mit einem festen Plan in die Kita gehen, sondern muss mich immer wieder neu auf die Kinder einstellen und auf ihre Bedürfnisse eingehen, zum Beispiel, wenn sie aufgewühlt sind“, meint er.

„Keine Männer mit Bart“

Die wichtigste Frage lautet: Wie reagieren die Kinder auf einen männlichen Erzieher? Peter stellt keine großen Unterschiede zu den Frauen fest: „Sie verhalten sich allen gleich gegenüber.“ Ablehnung habe er keine gespürt. „Nur einmal meinte ein Mädchen, es mag keine Männer mit Bart“, erzählt er lächelnd. Er glaubt, das Geschlecht sollte keine Rolle bei der Arbeit in einer Kita spielen. Diese Denkweise versuche er auch den Kindern zu vermitteln: „Ich bin gegen Rollenklischees. Hier lassen wir auch Jungs mit Puppen spielen.“

Peter ist überzeugt davon, dass er als Mann seine eigenen Qualitäten in die Arbeit einbringen kann. Besonders Jungs kämen des Öfteren mit ihren Problemen zu ihm. „Man merkt den Kindern an, dass sie sich darüber freuen, auch einen Mann als Bezugsperson in der Kita zu haben“, sagt er und ergänzt: „Das Ziel muss es immer sein, die Kinder optimal auf die Welt da draußen vorzubereiten.“

Ein klassischer Frauenberuf

Vielfalt und verschiedene Einflüsse in der Erziehung würden dabei helfen, meint Hans-Herny Hiller, Geschäftsführer im DRK Kreisverband Nordvorpommern. Laut ihm findet derzeit in vielen Bereichen ein gesellschaftlicher Wandel statt, der den Unterschied der Geschlechter zunehmend relativiere. Die Dominanz weiblicher Erzieherinnen, werde sich aber nie ändern, vermutet Hiller. „Die Meisten sehen den Job als klassischen Frauenberuf an. Männern wird seltener suggeriert, in diesem Bereich tätig zu werden.“

Dabei sei der Wille, Männer stärker in den Beruf zu integrieren, deutlich spürbar. „Viele Erzieherinnen in unseren Kitas würden mehr männliche Arbeitskräfte begrüßen“, so Hiller. Aktuell arbeiten in den sechs Kitas, deren Träger der Kreisverband ist, nur zwei Männer. Sollte ihr Anteil am Personal irgendwann ein Drittel ausmachen, wäre man schon sehr zufrieden.

Flemming Goldbecher

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