Marlower Hausarzt zu Impfschwänzern: „Viele würden lieber auf Biontech warten“
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Ribnitz-Damgarten Marlower Hausarzt zu Impfschwänzern: „Viele würden lieber Monate auf Biontech warten“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Marlower Hausarzt zu Impfschwänzern: „Viele würden lieber auf Biontech warten“

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09:00 20.04.2021
Der Astrazeneca-Impfstoff wird von vielen Menschen gemieden. Ein Unding, findet der Marlower Hausarzt Dr. Jan Eska.
Der Astrazeneca-Impfstoff wird von vielen Menschen gemieden. Ein Unding, findet der Marlower Hausarzt Dr. Jan Eska. Quelle: Sven Hoppe/dpa und Robert Niemeyer
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Bad Sülze/Marlow

Patienten lassen Impftermine verstreichen, Impfzentren bleiben auf Impfstoff sitzen, teilweise müssen Impfdosen sogar schon entsorgt werden: Der Impfstoff des Herstellers Astrazeneca hat keinen leichten Stand in Mecklenburg-Vorpommern.

„Das ist eine Katastrophe“, sagt Dr. Jan Eska, Allgemeinmediziner aus Bad Sülze, „Von zehn Patienten, die dran wären, sagen neun, sie wollen den Biontech-Impfstoff.“ Menschen würden lieber Monate auf den Biontech-Impfstoff warten wollen, als sich mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen zu lassen.

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Impftag in Marlow

Doch damit werde die Impfung der Bevölkerung verzögert. „Wir müssen möglichst schnell impfen, damit der Spuk bald ein Ende hat“, sagt Dr. Jan Eska. Um hier einen Beitrag zu leisten, stellt er einen Teil seines Impfstoffs nun breit zur Verfügung.

Der Landkreis Vorpommern-Rügen hat übrig gebliebene Impfdosen des Astrazeneca-Impfstoffs an Hausärzte im Kreisgebiet verteilt. Diese zusätzlichen Impfdosen werden am Freitag in Marlow bei einem öffentlichen Impftag verimpft.

Mehr dazu: Impf-Aktiontag in Marlow: Diese Menschen können am Freitag kommen

„Hätten wir nur einen Impfstoff, hätten wir überall lange Schlangen“, sagt Dr. Jan Eska. Nun gibt es zwei Impfstoffe und möglicherweise bald noch mehr. Das sorge dafür, dass Menschen wählen möchten. Das aber verzögere den Impffortschritt insgesamt.

Keine Nebenwirkungen festgestellt

Eska verteidigt den Impfstoff des Herstellers Astrazeneca. Von 60 Patienten, die er bislang in seiner Praxis damit geimpft habe, habe keiner Nebenwirkungen gehabt. Studien würden belegen, dass überwiegend junge Frauen mit Astrazeneca Probleme haben. Mittlerweile ist der Impfstoff nur für Menschen ab 60 zugelassen. Thrombosen soll es Studien zufolge aber auch infolge von Impfung mit dem Biontech-Impfstoff geben.

„Das ist eine Hysterie, die durch die Medien entstanden ist“, so Dr. Jan Eska. Der Impfstoff sei unter strengen Regeln zugelassen. Unter anderem seien Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier damit geimpft worden. Studien zufolge soll die Astrazeneca-Impfung ihre Schutzwirkung außerdem früher entfalten als der Biontech-Impfstoff. Als Arzt empfehle er den Impfstoff. Eska: „Auf die Zulassung kann man sich verlassen.“

OZ-Umfrage: Bußgeld für Impfschwänzer?

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Von Robert Niemeyer