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Ribnitz-Damgarten „Mehr Segelschiffe hatte nur Stettin“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Mehr Segelschiffe hatte nur Stettin“
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16:55 19.03.2018
Eine alte Ansicht: Segelschiffe im Barther Hafen.
Eine alte Ansicht: Segelschiffe im Barther Hafen. Quelle: Volker Stephan (repro)
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Barth

Wer könnte besser über die Geschichte des Barther Hafens Bescheid wissen, als die Tochter eines alten Barther Kapitäns? Karin Bernsteins Vater wurde im Jahre 1882 geboren, sprach zwölf Fremdsprachen, machte in Barth seinen Steuermann und segelte von nun an über alle großen Weltmeere.Das Interesse an der Schifffahrt ist Karin Bernstein sozusagen in die Wiege gelegt worden. Doch in den vergangenen Wochen erfuhr auch die Bartherin etwas, was sie zuvor nicht wusste: In Barth gründete sich etwa im Jahre 1865 ein Nautischer Verein – lange bevor es in der Hansestadt Stralsund einen solchen Interessenverband für Seeleute gab.

Zweitgrößter Hafen Preußens

„Das war eine große Überraschung für mich“, sagt sie, obwohl ihr die Bedeutung des Hafens bekannt war. Karin Bernstein begann zu recherchieren. Im Archiv fand sie keine Aufzeichnungen und so brachte sie Kapitän Rudolf Kabiersch, der in Stralsund den Nautischen Verein leitet, auf eine Idee. Er hatte in alten Tageszeitungen vom Nautischen Verein zu Barth gelesen. Karin Bernstein suchte und wurde fündig. Sie recherchierte auch in ihrem hauseigenen Archiv, in der Chronik und befragte Hafenmeister Stefan Wenke. Herausgekommen ist eine informative Abhandlung über Geschichte und Zukunft des Barther Hafens. Sie ist jetzt in der Festschrift zum 150. Jubiläum des Stralsunder Nautischen Vereins erschienen.

Die Vergangenheit

Eine Gründungsurkunde des Nautischen Vereins ist nicht erhalten geblieben. Doch es ist anzunehmen, dass sich der Verband, der die Interessen der Seeleute vertrat, 1865 gründete. In diesem Jahr wurde nämlich auch die Königlich Preußische Navigationsschule zu Barth eröffnet. Eine Hauptaufgabe für die Mitglieder war, sich für die dringend notwendige Hafen- und Fahrwasservertiefung einzusetzen. Durch die zunehmende Verlandung konnten nur noch flachgehende Schiffe den Barther Hafen verlassen oder anlaufen. „Barth war damals nach Stettin der zweitgrößte preußische Seehafen. Wir hatten 1871 das zweitgrößte Register, in denen unsere 284 Segelschiffe aufgelistet waren. Es gab 18 Reeder mit mehr als zehn Schiffen. Der Handel mit Getreide und Holz florierte“, erzählt die Hobby-Archivarin. Barther Segelschiffe, die in fünf hiesigen Werften gebaut wurde, fuhren auf allen Meeren.

Die Wirtschaft florierte

Ab 1890 bekam der Hafen ein neues Gesicht, Unternehmen siedelten sich an. Ein Silo, heute ein vier Sternehotel, eine Dampfmühle, später umgebaut zu einem Kornsilo, und die Fischkonservenfabrik entstanden. Eine Bahntrasse wurde zum Hafen gelegt und die 20 ansässigen Fischer bekamen zum Teil kleine Buden zum Fischverkauf und lagern ihrer Gerätschaften. Sogar eine kleine Pappelallee wurde angelegt. Die Reederei Völcker betrieb einen Stahlhandel und lieferte seine Waren bis nach England, sie bauten einen Kohlehandel auf. Auch das Geschäft mit den Ausflugsdampfern lief gut – bis nach Stettin fuhren die Schiffe. „Es war ein ständiges An- und Ablegen, Zuckerrüben für die Fabrik, Kohlehandel für Hiddensee, Rügen und Stralsund und daneben die Fischer und drei Ausflugsdampfer“, weiß Karin Bernstein.

Ab 1960 wurde es ruhiger

Kohle und Fisch wurden von nun an mit der Bahn transportiert. Doch in der 1980er Jahren trafen sich noch einmal 340 Segelschiffe bei einem großen Fahrtenseglertreffen. „Ein Treffen von dem viele Barther noch heute schwärmen.“ Ab 1990 wurde es ganz still am Barther Hafen. Die Kohlenberge verschwanden und mit ihnen die Wirtschaft. Die Fischfabrik wurde abgerissen.

Die Gegenwart

Durch den Hochwasserschutz wurden Ost- und Westhafenbecken um ein Vielfaches größer. Neue Leuchtfeuer an den Molenköpfen machen die Einfahrt sicherer und auf der neuen Hafenpromenade lässt es sich gut flanieren. Seit 2013 legen Flussgastschiffe an – 32 Anläufe sind in diesem Jahr gebucht. Mit zwei Werften und vier Marinas ist das Areal gut ausgelastet – etwa 100 Arbeitsplätze entstanden. „Hinzu kommt die Gastronomie“, ergänzt die Bartherin. Die beiden Werften und die Marinas bieten 500 Liegeplätze am Kai und 800 in den Winterhallen. Alle sind ausgebucht, denn der Service und der Preis haben sich bis nach Holland, Belgien und Dänemark rumgesprochen. Die Werft Rammin will in diesem Jahr eine weitere große Halle bauen. „Wenn Barth auch schon seit mehr als 100 Jahren keinen Nautischen Verein mehr hat – er löste sich auf, als die Dampfschiffe kamen, und für sie ist das Barther Fahrwasser zu flach – gehören wir noch immer zu den Hafenstädten. Die Wirtschaftlichkeit fehlt, aber der Hafenmeister ist derzeit mit Unternehmen im Gespräch.“

Carolin Riemer

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