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Ribnitz-Damgarten Zingster Fotofestival „Horizonte“: Fotografen setzen auf Ästhetik des Erschreckens
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Zingster Fotofestival „Horizonte“: Fotografen setzen auf Ästhetik des Erschreckens
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14:24 24.05.2019
In Zusammenarbeit mit dem Magazin „National Geographic“ entstand die Ausstellung „Vorsicht Plastik – die Vermüllung der Weltmeere“. Das Foto von Justin Hofman zeigt, wie sich ein Seepferdchen vor der Küste Indonesiens im verschmutzten Wasser an ein Wattestäbchen klammert. Quelle: Justin Hofman
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Zingst

Ein Seepferdchen, das sich im verschmutzten Wasser vor der Küste Indonesiens an ein Wattestäbchen klammert, ein Storch, der droht, an einer Plastiktüte über dem Kopf zu ersticken: Es sind aufwühlende Bilder, die den Besuchern des 12. Umweltfotofestivals „Horizonte Zingst“ den desolaten Zustand unseres Planeten vor Augen führen. Die Großformate an der Seebrücke unter dem Titel „Vorsicht Plastik – die Vermüllung der Weltmeere“ wirken wie überdimensionale Mahnmale, die im Gegensatz zum idyllischen Ostsee-Ambiente stehen. „Wir wollten keine Schockbilder zeigen, wie blutige Tiere oder Ähnliches“, sagt Simone Marks, Pressereferentin der Kur und Tourismus GmbH Zingst. „Aber so dramatisch wie in diesem Jahr, waren die Fotos noch nie.“

„Diesmal haben wir auch das Erschrecken möglich gemacht“

Das bestätigt auch Kurator Klaus Tiedge. „Dort, wo wir uns sonst auf das Entdecken der schönsten Teile der Welt konzentriert haben, haben wir diesmal auch das Erschrecken möglich gemacht. Wir wollen den Menschen zeigen, in welch zum Teil miserablen Zustand die Erde ist.“ Dabei setzen die Veranstalter in diesem Jahr auf die drei Themenschwerpunkte Klimawandel, Plastikmüll in den Meeren und Artenschutz. Zum Programm gehören 20 Fotoausstellungen internationaler Fotografen, 120 Fotoworkshops, 14 Multivisionsshows, bei denen die Besucher etwas über den Hintergrund der Bilder erfahren, sowie ein Fotomarkt mit mehr als 50 Ausstellern aus der Fotoindustrie. Hinzu kommen Veranstaltungen, wie die abendliche Bilderflut am Strand auf der 72 Quadratmeter großen Leinwand, wo sich Profi- und Hobby-Fotografen treffen.

Sehen Sie hier einige der faszinierendsten Bilder des 12. Umweltfotofestivals

„Was unser Festival ausmacht, sind neben den bewegenden Fotografien zu den dringendsten Umweltproblemen unserer Zeit vor allem die menschlichen Begegnungen“, sagt Marks. „Man kommt mit internationalen Fotografen ins Gespräch, die sonst auf der ganzen Welt unterwegs sind. Wir hoffen, dass sie in Zingst so viele Geheimnisse ihrer Fotografie verraten wie möglich, damit die Besucher etwas mit nach Hause nehmen können.“

45 000 Besucher pro Jahr

Die Idee zum Umweltfotofestival entstand vor zwölf Jahren. „Damals haben wir eine Veranstaltung gesucht, um die Vorsaison zu beleben“, erinnert sich Marks. Inzwischen hat sich das Format weit über die Grenzen von MV hinaus etabliert und ist stetig gewachsen: „2008 haben wir mit rund 7000 Besuchern angefangen. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 45 000“, sagt Marks nicht ohne Stolz.

Neu ist in diesem Jahr die Verlängerung des Festivals auf insgesamt fünf Wochen – vom 24. Mai bis zum 30. Juni. Insgesamt werden zwischen 600 und 800 Bilder von mehr als 100 Fotografen gezeigt. Die zehnfache Menge an Bildern hat Kurator Tiedge im Vorfeld gesichtet. „Bei der Auswahl geht es mir um Wirkung, Qualität, aber auch um eine gute Mischung“, verrät er. Zu sehen sind unter anderem Fotografien des US-Fotografen Johnny Miller, der Mithilfe von Drohnen die Spaltung der Gesellschaft fotografiert. Dort wo sich Slums und Nobelviertel berühren, findet er seine Motive. „Unequal Scenes“ heißt seine Schau, die zum Umweltfotofestival auf dem Postplatz in Zingst zu sehen ist. In seiner Ausstellung „Mikkai Seimei – geheimnisvolle Welt – magische Natur“ setzt der japanische Fotograf Takehiko Sato im Max-Hünten-Haus Kleinstlebewesen wie Schleimpilze oder die Flügel eines toten Vogels farbenfroh und ästhetisch in Szene.

Klimaforschung am Ende der Welt

Erst auf den zweiten Blick entdeckt der Betrachter, dass an der Dschungelidylle mit Löwe und Leopard inmitten von Blumen etwas nicht stimmt: In der Schau „Last Paradise“ inszeniert die russische Fotografin Ekaterina Sevrouk Tierporträts – allerdings nicht mit lebenden Tieren, sondern mit Präparaten bedrohter oder ausgestorbene Arten.

Fotografin Esther Horvath begleitete die Mitarbeiter des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung bei ihren Expeditionen in die Arktis. Die Ergebnisse sind in der Schau „Behind the Arctic Science – Klimaforschung am Ende der Welt“ vor dem Max-Hünten-Haus zu sehen. „Wir freuen uns, dass wir mit Leiterin Antje Boetius eine Schirmherrin gefunden haben, die als eine der renommiertesten Klimawissenschaftlerinnen gilt und sich in Tiefsee- und Polarforschung für den Umweltschutz engagiert“, sagt Rico Nowicki, Produktmanager der Kur und Tourismus GmbH. Zur Eröffnung am Wochenende wird neben Boetius auch der Schweizer Botschafter als Vertreter des diesjährigen Gastlandes erwartet.

„Egal ob Einsteiger oder Profi, im Vordergrund des Festivals steht für alle die Freude an der Fotografie“, sagt Marks. Dennoch hofft Tiedge, dass die bewegenden Bilder ihre Wirkung nicht verfehlen: „Es wäre schön, wenn es uns gelingt, das Umweltbewusstsein der Besucher zu verändern. Es ist fünf vor zwölf, aber noch ist es nicht zu spät.“

Horizonte Zingst

Das Umweltfotofestivalwird offiziell am Sonnabend, den 25. Mai, um 16 Uhr im Hotel Vierjahreszeiten (Boddenweg 2) eröffnet. Erwartet werden unter anderem Schirmherrin Antje Boetius, Leiterin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, sowie der Schweizer Botschafter. Das Programm startet bereits am Freitag um 16 Uhr mit dem Fotoworkshop „From Dusk Till Dawn – Fotonacht Zingst“ im Max-Hünten-Haus.

Das komplette Programm, Anmeldung und Karten unter: www.horizonte-zingst.de

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Stefanie Büssing

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