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Ribnitz-Damgarten Mehr als 500 potenzielle Lebensretter für den kleinen Hugo
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Mehr als 500 potenzielle Lebensretter für den kleinen Hugo
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17:16 11.08.2019
Mandy Peters aus Plummendorf ließ sich typisieren. Monique Anton (l.) aus Wahrstorf (Landkreis Rostock) war eine von 50 Helfern. Quelle: Robert Niemeyer
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Ahrenshoop

Die Uhr zeigte noch nicht einmal elf, da hatte sich vor dem Gerätehaus der Ahrenshooper Feuerwehr bereits eine lange Schlange gebildet. Im Gebäude herrschte schon seit Minuten Hochbetrieb. Eigentlich sollte die Aktion erst um elf Uhr starten. „Das ist unglaublich. Ich bin hin und weg“, sagte Ahrenshoops Bürgermeister Benjamin Heinke beim Anblick dieser Szenerie. Insgesamt kamen am Sonntag 505 Menschen, um sich im Namen des dreijährigen Hugo und für die vielen anderen Leukämie-Patienten auf der Welt als Stammzellenspender typisieren zu lassen.

„Ich bin total gerührt“, sagte Sarah Radszuweit, Hugos Mutter. Die Anteilnahme in den vergangenen Tagen sei enorm gewesen. Unzählige Menschen hätten sich bei ihr gemeldet, ihr Mut zugesprochen. So auch am Sonntag in Ahrenshoop. „Ich wollte gerne hier sein. Es ist überwältigend“, sagte die 35-Jährige, die dabei die eine oder andere Träne verdrückte. Freudentränen, wie sie sagte.

Schlange stehen für die Typisierung: Bereits um kurz nach elf Uhr kamen zahlreiche Menschen ins Gerätehaus der Ahrenshooper Feuerwehr, um sich im Namen des dreijährigen Hugo bei der DKMS als Stammzellenspender registrieren zu lassen. Quelle: Robert Niemeyer

Denn mit jedem Freiwilligen, der sich als Stammzellenspender bei der DKMS registriert, steigt die Chance, dass auch für ihren kleinen Jungen das genetisch passende Gegenüber, ein Retter für Hugo gefunden wird. Dabei war bislang noch nicht einmal danach gesucht worden, wie Sarah Radszuweit verriet. Einige, vor allem formelle Hürden waren zu nehmen. Ab Montag wird in der Datenbank der DKMS nach einem Stammzellenspender für den Dreijährigen gesucht.

50 Helfer hatten die Typisierungsaktion auf die Beine gestellt, Feuerwehrleute, Freunde der Familie, Freiwillige. Die Einnahmen des Getränke- und Kuchenverkaufs werden an die DKMS gespendet. Jede Typisierung, die für die Freiwilligen selbst kostenlos ist, kostet die DKMS 35 Euro. Deshalb wurden am Sonntag auch Spenden gesammelt. Mehr als 5500 Euro kamen zusammen.

Zusätzliche Tische

„Das ist die schönste Art der Improvisation“, sagte Marina Miller vom Aktionsteam Berlin der DKMS. Miller koordinierte die Aktion in Ahrenshoop und musste bzw. konnte nur wenige Minuten nach elf Uhr zusätzliche Tische vor dem Gerätehaus aufstellen, um den Andrang der Menschen zu bewältigen. „Dass so viele Menschen hier sind, ist für die Familie, für die Helfergruppe und auch für den Ort ein sehr schönes Zeichen“, sagte Marina Miller.

Neun Millionen

Alle 15 Minuten erhält laut DKMS ein Mensch in Deutschland die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellspende ist.

Die DKMS-Datei potenzieller Knochenmark- und Stammzellenspender enthält weltweit über neun Millionen Personen, davon mehr als sechs Millionen in Deutschland. Die DKMS betreibt damit die weltweit größte Spenderdatei. Täglich werden weltweit durchschnittlich 20 Spender an Patienten vermittelt.

Mehr im Internet unter:
www.dkms.de

Die DKMS sei zwar ständig unterwegs, um potenzielle Spender zu registrieren. Einzelschicksale würden jedoch für eine besondere Aufmerksamkeit vor Ort sorgen. Den Teilnehmern sei jedoch in der Regel klar, dass dabei nicht nur ein Retter für einen Erkrankten gesucht wird, sondern die Registrierten für jeden Patienten weltweit potenzieller Lebensretter sein können.

Sarah Radszuweit und ihr Sohn Hugo. Der Dreijährige braucht eine Stammzellenspende. Quelle: Robert Niemeyer

Das Schicksal des des dreijährigen Hugo aus Ahrenshoop hat in den vergangenen Tagen viele Menschen bewegt. Im Herbst 2017 war bei dem Jungen eine besonders aggressive Form von Leukämie diagnostiziert worden. Nach monatelangem Kampf und anstrengender Behandlung galt Hugo im März dieses Jahres als gesund. Er besuchte bereits wieder die Kita. Im Juli kam es jedoch zum Rückfall. Die Behandlung im Krankenhaus begann von Neuem, so auch die harte Zeit für die kleine Familie. „Wir hatten nur ein halbes Jahr Pause“, sagte jüngst Sarah Radszuweit.

„Er ist so tapfer“

Doch die Familie halte zusammen. „Alle sind stark, füreinander und für Hugo“, so Radszuweit. Am Sonntag halfen auch ihre Mutter und ihr Bruder bei der Typisierungsaktion mit. Der Junge selbst sei durch die Therapie derzeit sehr geschwächt. „Er schläft sehr viel. Aber er ist so tapfer. Das baut auch mich auf“, sagt Sarah Radszuweit. Ebenso wie der Zuspruch der Menschen in den vergangenen Tagen.

„Es ist wichtig, sich registrieren zu lassen“, sagte Mandy Peters, nachdem sie am Sonntag ihre Probe abgegeben hatte. Das Schicksal Hugos bewege sie besonders, da sie den Jungen und seine Mutter persönlich kenne. Doch nicht nur Einheimische nutzten die Gelegenheit, zu helfen. Auch zahlreiche Urlauber ließen sich typisieren. Und vielleicht ist einer von ihnen Hugos Retter.

Mehr zum Thema:
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Von Robert Niemeyer

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