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Ribnitz-Damgarten Minister unterstützt Erhalt von Kultur im Dierhagener Hafen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Minister unterstützt Erhalt von Kultur im Dierhagener Hafen
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16:20 27.08.2019
Umweltminister Till Backhaus (3. v. li.) hat in Dierhagen 160 000 Euro für die Modernisierung des Fischereianlegers überreicht. Kurdirektor Stephan Fellmann (re.) und Bürgermeisterin Christiane Müller zeigten sich erfreut. Quelle: Timo Richter
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Dierhagen

Als bekennender Fischgenießer lässt es sich Umweltminister Till Backhaus (SPD) schon einiges kosten, dass in Häfen entsprechendes Flair erhalten wird. In Dierhagen hat er nun einen Förderbescheid in Höhe von 160 000 Euro aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds überreicht, damit die Kommune den sogenannten Fischereianleger im Hafen von Dierhagen-Dorf auf Vordermann bringen kann. Das ist aber nur ein Teil des Gesamtprojekts Hafensanierung.

Soll soll eine neue Zuwegung zum Seglerhafen entstehen und – größtes Vorhaben – die Promenade muss ersetzt werden. Die einst verbauten einheimischen Hölzer werden die damals angepeilte Standzeit nicht erreichen, so Kurdirektor Stephan Fellmann.

Backhaus will weg von Fangquoten

Während einer kurzen Gesprächsrunde mit Bürgermeisterin, Kurdirektor und Fischern forderte Till Backhaus eine Abkehr von Herings- und Dorschquoten. So durften die Fischer im Jahr 1990 114 000 Tonnen Hering aus der Ostsee holen, 1998 waren es nur noch 50 000 Tonnen. Und im vergangenen Jahr ist die Quote auf 5700 Tonnen zusammengeschrumpft.

Gründe für den dramatischen Rückgang der Fangquote würden viele ins Feld geführt, einmal werde es im Frühjahr zu spät warm, dann sei es wieder zu warm, der Sauerstoffgehalt der Ostsee stimme nicht und nun komme noch der Klimawandel hinzu, so der Umweltminister. Er will weg von der Quote, plädiert für „Schutz durch Nutzung“.

Erhalt von Attraktion im Hafen

Die Sanierung des Fischereianlegers wertet Till Backhaus als Projekt, das der Kommune dazu verhelfe, ihre Attraktivität zu erhalten. Denn die Ansicht von aktiven Fischern wird immer seltener. So schrumpfte deren Zahl von einst 1930 auf nunmehr 230 aktive Fischer im Land zusammen. Und von den verblieben Fischern sei mehr als die Hälfte älter als 60 Jahre. „Wenn der letzte Kutter rausgefahren ist und nicht wiederkommt, geht auch ein Stück Kultur verloren.

Das will der Umweltminister mit seiner Finanzspritze bewahren helfen. Ersetzt werden die Spundwände auf der Länge von rund 40 Metern durch ein neues System mit Betonbohlen, erläuterte Planer Peter Zimmermann. Der längst marode Steg wird während der Modernisierung abgebaut und durch eine landseitige Betonpflasterung ersetzt. Zimmermann rechnete für den Abschnitt der Hafenmodernisierung mit Gesamtkosten in Höhe von rund 190 000 Euro.

Promenade auf Spundwand soll Damm weichen

Dierhagens Kurdirektor geht indes noch einen Schritt weiter. Die 2002 mit einheimischen Hölzern gebaute Hafenpromenade ist schon so wackelig geworden, dass sie vorsorglich gesperrt wurde. Durch einige Stahlspundwände schimmert das Licht. Ein eigens angefertigtes Unterwassergutachten sagt denn auch aus, dass die Spundwände ganz oben und unten in Ordnung seien, aber im Bereich der Wasseroberfläche nicht. Wellenschlag und Eisgang haben dem Stahl derart zugesetzt, dass die Standsicherheit der Promenade nicht mehr gewährleistet ist.

Ersetzt werden soll die Spundwand samt Promenade durch eine doppelte Spundwand. Der Zwischenraum soll nach Vorstellungen des Kurdirektors aufgefüllt werden und bildet am Ende einen begehbaren Damm.

Hoffnung auf bessere Auslastung der Boddenhäfen

Insgesamt wünscht sich Till Backhaus eine bessere Auslastung der Häfen entlang des Boddens. Die wurden mit Millionenaufwand gebaut und werden in Schuss gehalten, doch aufgrund des verschlammten Boddens sind sie für Freizeitskipper kaum oder gar nicht zu erreichen. Fellmann kritisierte in diesem Zusammenhang das geringe Engagement des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes, die Fahrrinnen im Bodden zu baggern, schließlich handele es sich um eine Bundeswasserstraße. Geführt wird die allerdings nur noch in der Kategorie „Sonstige“. Von Fischern kam der Vorschlag, wie früher einmal wieder Schlammfallen anzulegen.

Erlaubte Fangmengen rauschen runter

Die Heringsquote für Mecklenburg-Vorpommern lag im Jahr 2008 bei 14 700 Tonnen. Im Folgejahr wurde sie auf knapp 9000 Tonnen gekürzt. 2018 lag sie noch bei 5750 Tonnen und wurde in diesem Jahr nochmals fast halbiert.

Die Quote für Dorsch für Mecklenburg-Vorpommern lag im Jahr 2008 noch bei rund 2300 Tonnen. Die erlaubte Fangemnge sank 2018 auf das historische Tief von rund 860 Tonnen. In diesem Jahr dürfen in MV rund 1040 Tonnen gefischt werden.

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Von Timo Richter

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