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Ribnitz-Damgarten Mit neun den ersten Schnaps
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Mit neun den ersten Schnaps
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08:00 07.12.2019
Dirk Rohn ist dankbar für die Hilfe von Sandra Kramer vom Kompetenzzentrum "Kiek in". Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

Hätte das Leben anders verlaufen können? Gab es irgendwo eine Chance? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. „Ich habe mit neun Jahren das erste Mal Schnaps getrunken“, sagt Dirk Rohn. „Ich hatte keine Wahl.“ Wenn die eigenen Eltern Alkoholiker sind und keine Skrupel haben, das eigene Kind mit in den Abgrund zu ziehen. Jetzt ist Dirk Rohn 45 Jahre alt und sitzt in der Wohnung seiner Freundin. Sein Körper ist kaputt, er kommt kaum die Treppe runter oder rauf. Die Prognose der Ärzte: Dirk Rohn hat keine drei Monate mehr zu leben. Das war vor knapp fünf Monaten. Aufgeben ist nicht.

Mehr als 30 Jahre lang war Rohn alkoholabhängig. Im April schaffte er den Absprung. Mittlerweile wird er durch die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums „Kiek in“ betreut, das in diesem Jahr anlässlich der OZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ unterstützt wird. Ein bis zweimal pro Woche schaut seine Betreuerin Sandra Kramer bei Rohn vorbei. Anträge bei Behörden, wichtige Telefonate, Hilfe im Haushalt oder einfach ein aufräumendes Gespräch, die 40-Jährige begleitet Rohn auf dem Weg in ein normales Leben. „Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten. Ich mag es, die Entwicklung bei den Menschen zu sehen, das Strahlen in den Augen, wenn es vorwärtsgeht.“

Flucht nach Spanien

Bei Dirk Rohn ging es viele Jahre zunächst abwärts. Mit 16 wollte er nur noch weg. Weit weg. „Ich hatte keine Lust mehr auf diese Familie.“ Rohn wanderte nach Spanien aus, bekam sein Leben phasenweise in den Griff, absolvierte Ausbildungen zum Maurer, Maler und Eisenflechter. Doch im Grunde war es zu spät, der Alkohol kam immer wieder. „Es war ein auf und ab, mal habe ich zwei Jahre nichts getrunken, dann kam wieder der Rückfall“, so der 45-Jährige. Der Trigger war jedes Mal der gleiche: Menschen, die in seinem Umfeld Alkohol tranken. „Wenn ich es nur gerochen habe, entstand ein Trinkdruck.“

Die ersten Spenden sind da

In den vergangenen Tagen sind die ersten Spenden für die OZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ auf dem Spendenkonto eingegangen. Die OZ-Lokalredaktion Ribnitz-Damgarten und ihre Leser unterstützen in diesem Jahr das Kompetenzzentrum „Kiek in“, das suchtkranken und psychisch kranken Menschen in der Kleinen Fischergasse in Ribnitz eine zweite Chance gibt. Unter anderem soll dort mit dem „Wohlfühleck“ ein Treffpunkt für jedermann entstehen. Für die Ausstattung fehlt jedoch noch das Geld.

Gespendet haben: Regina Lutsch, 10 Euro; Kersten Enkelmann, 30 Euro; Heide Witteck, 50 Euro; Ursel Eggers, 20 Euro; Erika Krause, 10 Euro; Bärbel und Günter Schumann, 25 Euro; Ulrich Müller, 20 Euro; Heidemarie und Siegfried Brandt, 20 Euro; Familie Soboll, 10 Euro. Allen Spendern herzlichen Dank!

Das Spendenkonto:

Empfänger: Kompetenzzentrum „Kiek in“ IBAN: DE88 1505 0500 0112 2475 71 BIC:NOLADE21GRW Verwendungszweck: Spende: OZ-Weihnachtsaktion

Seit einem Unfall 2014 kann Dirk Rohn nicht mehr arbeiten. Er zog zurück nach Mecklenburg-Vorpommern, in die Nähe von Güstrow, wieder ins Umfeld seiner Familie. „Der Kontakt hat mir nicht gutgetan“, sagt er. Es folgte ein Entzug. Rohn zog nach Gelbensande. Dort lebte er mit seiner Freundin in einer kleinen Wohnung. Doch auch der Alkohol blieb.

Der harte Schnitt

Seiner Freundin wurde es irgendwann zu viel. Sie zog aus. „Es gab keine Gewalt. Aber ich habe jeden Tag Schnaps getrunken“, erklärt Dirk Rohn, der die Gelbensander Wohnung verlor und in ein Heim für Alkoholiker nach Tessin ziehen musste. Einzelzimmer, etwa 20 weitere Bewohner, Gemeinschaftsküche, Gemeinschaftsbad, kein Ort, um trocken zu werden. „Dort durfte jeder so viel trinken, wie er wollte“, erinnert er sich.

Rohns Glück: Seine Freundin, die ebenfalls vom „Kiek in“ betreut wird und täglich das Kompetenzzentrum am Ribnitzer Markt besucht, hielt zu ihm, besuchte ihn regelmäßig. Weshalb der 45-Jährige den Entschluss fasste, dem Alkohol abzuschwören. Der zunächst harte Schnitt, der richtige Schritt. „Sie hat mir gefehlt. Ich bin ihr dankbar“, sagt Dirk Rohn. Die Beziehung, die Liebe wollte er nicht verlieren. Also änderte er sein Leben.

Dank der Hilfe Sandra Kramers geht es Schritt für Schritt aufwärts. Die Betreuerin führt oft auch gemeinsame Gespräche mit Rohn und seiner Freundin. „Über die Beziehung, über das Gefühlsleben, aber auch über die gesundheitliche Situation, und, ja, auch über den Tod“, erklärt Sandra Kramer.

Die Beziehung zwischen Rohn und seiner Freundin sei echter geworden. Beide verbringen mehr und intensiver Zeit miteinander. Zudem fühlt sich Rohn gebraucht. Obwohl er aufgrund seines gesundheitlichen Zustands viel Zeit in der Wohnung seiner Freundin oder bei Bekannten verbringt, hat er eine Aufgabe, fertigt beispielsweise Gestecke an, die dann im „Kiek in“ verkauft werden. „Es ist ein gutes Gefühl, etwas beizutragen. Ich bin froh, dass es das ,Kiek in’ gibt“, sagt Dirk Rohn.

Schritt für Schritt

Aber leicht ist der Weg trotzdem nicht, vor allem, wenn die Vergangenheit immer wieder den Weg versperrt. Denn Rohn sucht eine eigene Wohnung. „Der Plan ist, dass Herr Rohn und seine Freundin erst mal eigene Wohnungen haben – als Rückzugsort“, so Sandra Kramer. Doch als ehemaliger Alkoholiker ist es offenbar schwierig, eine Wohnung zu bekommen. Hinzu kommen negative Schufa-Einträge. Rohn geht auch zur Schuldnerberatung. Immer wieder wird er von Vermietern deshalb abgelehnt. „Wo ist da die zweite Chance?“, fragt der 45-Jährige.

„Es ist sehr schwierig. Dabei will sich Herr Rohn ja verändern“, sagt Sandra Kramer. Trotz allem bleiben beide positiv. „Wir geben nicht auf.“

Von Robert Niemeyer

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