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Ribnitz-Damgarten Mittelalterliche Fenster kehren in Kirche zurück
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Mittelalterliche Fenster kehren in Kirche zurück
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16:21 24.08.2018
Restauratorin Alexandra Jung zeigt eines der mehr als 170 restaurierten, mittelalterlichen Felder, die nun in der Kenzer Kirche wieder eingebaut werden. Quelle: Anika Wenning
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Kenz

Die mittelalterlichen Bleiglasfenster kommen in die Kirche in Kenz bei Barth (Vorpommern-Rügen) zurück. Seit Anfang dieser Woche haben Mitarbeiter der Firma „Derix Glasstudios“ aus dem Taunusstein angefangen, die rund 170 Felder, die sich auf insgesamt sechs Fenster verteilen, wieder einzubauen. Zu sehen sind Personen aus der Bibel sowie der pommerschen Geschichte. Zuvor wurden die einzelnen Felder in Hessen gereinigt, Risse wurden ausgebessert und die Stabilität wurde verbessert, indem ein fester Rahmen eingebaut wurde.

Sprungblei wurde entfernt

Alexandra Jung hält eines der restaurierten Felder der mittelalterlichen Bleiglasfenster gegen die Sonne. Vor der Restaurierung ging mitten durch das Gesicht Jesu eine dicke, schwarze Bleirute. „Die haben wir entfernt und die Stelle geklebt“, berichtet die 35-Jährige. „Im Mittelalter war es die übliche Methode gebrochene Scheiben mit Sprungblei zu reparieren, da es keinen Kleber gab.“ Wenn möglich wurde das Sprungblei auf den Feldern entfernt oder verkleinert. Um die mittelalterlichen Bleiglasfenster zu schützen, wurde zudem ein spezielles Sicherheitsglas eingebaut. So seien die wertvollen Fenster vor Wind und Wetter geschützt.

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Zurück zum Ursprung

Zufrieden schaut sich Pastor Kai Steffen Völker die bereits eingebauten Felder an. „So ein großer Bestand ist wirklich ungewöhnlich und schon etwas ganz besonders. Und jetzt strahlen sie wieder richtig schön“, sagt der 51-Jährige. Die Anordnung der rund 170 Felder stellt die Mitarbeiter der Firma Derix vor eine große Herausforderung. Denn sie werden nicht an der gleichen Stelle eingebaut, wo sie ausgebaut wurden. „Während des 2. Weltkrieges wurden die Fenster ausgebaut und erst Anfang der 50er Jahre wieder eingebaut, allerdings in einer anderen Reihenfolge“, berichtet der Pastor. „Wir wollten nun wieder den ursprünglichen Zustand herstellen.“

Scheiben drohten rauszufallen

Die Restaurierung der mittelalterlichen Bleiglasfenster sei dringend notwendig gewesen. „Einige waren so beschädigt, dass sie drohten, rauszufallen“, berichtet der Pastor. Auslöser sei ein Bild der Herzogin gewesen. Die untere Scheibe habe sich gewölbt und drohte komplett rauszufallen. „Wir mussten dringend handeln, um den wertvollen Bestand nicht zu gefährden und brauchten schnell Hilfe“, berichtet Pastor Kai Steffen Völker.

Auch Mauerwerk und Gewölbe wurden saniert

Im Zuge der Sanierung der Fenster wurde zudem das Mauerwerk und das angrenzende Gewölbe des Chores saniert und restauriert. Eine halbe Million Euro kostete die umfangreiche Baumaßnahme insgesamt, die durch Fördermittel des Bundes und Spenden der Herrmann-Reemtsma-Stiftung, der Rudolf-August-Oetker-Stiftung sowie der Ostdeutschen Sparkassenstiftung finanziert wurde. Spätestens Mitte September werden die Arbeiten abgeschlossen sein.

Bauarbeiten auch in Bodstedt

Doch nicht nur in der Kenzer Kirche wurde in den vergangenen Monaten gearbeitet. Auch in Bodstedt wurden die Kirchenfenster gereinigt und repariert. „Außerdem konnten wir das zugemauerte Westfenster im Eingang wieder öffnen. Das freut mich ganz besonders“, berichtet Pastor Kai Steffen Völker. In dem 1785 entstandenen Anbau der Bodstedter Kirche hatten die Baumeister nämlich über dem Eingangsbereich ein Fenster geplant. Da jedoch direkt dahinter die Orgel stand, musste es schon 30 Jahre später wieder zugemauert werden, um das empfindliche Instrument vor der Sonneneinstrahlung zu schützen. Zwar steht die Orgel immer noch an der gleichen Stelle, allerdings wurde zwischen Orgel und Fenster zum Schutz nun eine Holzwand gezogen. Neben den Fenster wurden auch die Fensterleibungen und die Stegrippen repariert, die teilweise stark beschädigt waren. Insgesamt 90 000 Euro benötigte die Gemeinde für die Arbeiten. Zahlreiche private Spender sowie Stiftungen unterstützen das Projekt.

Jubiläum im September

Dass die Arbeiten pünktlich zum 555-jährigen Jubiläum fertig sind, freut den Pastor. „Wir feiern am 22. September unser Jubiläum mit einem Gottesdienst, Chorkonzert und einem Fest auf dem Pfarrhof“, berichtet Kai Steffen Völker. Geplant sei eine Ausstellung mit historischen Bildern aus den Orten, die früher zur Kirchengemeinde gehörten.

Anika Wenning