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Ribnitz-Damgarten Modernes Wohnen auf einstigem Damgartener Betriebsgelände
Vorpommern Ribnitz-Damgarten

Modernes Wohnen auf einstigem Damgartener Betriebsgelände

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16:22 17.01.2020
Noch ist die Zufahrt von der Richtenberger Straße zum künftigen Baugebiet auf dem ehemaligen Kraftverkehrsgelände verschlossen. Doch wenn die Stadtvertretung in ihrer nächsten Sitzung grünes Licht gibt, können die Erschließungsarbeiten beginnen. Quelle: Edwin Sternkiker
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Ribnitz-Damgarten

Die Mitglieder des Stadtausschusses Damgarten haben bei einer Enthaltung dem Satzungsbeschluss über den Bebauungsplan Nr. 94 der Stadt Ribnitz-Damgarten zugestimmt. Dabei handelt es sich um die Wohnbebauung auf einem Teil des ehemaligen Betriebsgeländes der Kraftverkehrsgesellschaft (KVG) zwischen der Stralsunder Straße und der Richtenberger Straße.

Ziel ist es, Baurecht für sieben Ein- und für Mehrfamilienhäuser zu schaffen. Die Erschließung erfolgt von der Richtenberger Straße aus. Die Stadtverwaltung und der Investor haben sich darauf geeinigt, dass diese Zufahrt auch zur künftigen Anbindung weiterer angrenzender Brachflächen genutzt werden kann.

Investor übernimmt Planungs- und Erschließungskosten

Der Investor kommt aus Rostock. Er übernimmt sowohl die Planungs- als auch die Erschließungskosten. Wie Stadtarchitekt Heiko Werth in der Sitzung des Ausschusses informierte, will der Investor zur Refinanzierung des Vorhabens die Bauparzellen für die Einfamilienhäuser frei auf dem Markt verkaufen. Die Mehrfamilienhäuser möchte er in Eigenregie errichten. Der Stadtarchitekt erläuterte weiter, dass die Mehrfamilienhäuser zweigeschossig mit Staffelgeschoss errichtet werden sollen. Für die Einfamilienhäuser sind Satteldächer vorgesehen.

Grundstück mit interessanter Geschichte

Das ehemalige Betriebsgelände der Kraftverkehrsgesellschaft Ribnitz-Damgarten hat eine interessante Geschichte. Und diese ist mit dem Namen der Familie Deu verbunden. 1893 gründete der Maurer Herrmann Deu in Damgarten sein Bauunternehmen. Seit der Jahrhundertwende hatten Firma und Familie ihr Domizil in der Richtenberger Straße.

Zum Bauunternehmen und der Baustoffhandlung kam ein Sägewerk hinzu, das auf dem Gelände zwischen Stralsunder und Richtenberger Straße errichtet wurde. Seit Mitte der 1920er-Jahre firmierte das Unternehmen unter dem Namen „Herrmann Deu und Söhne“. 1934 übernahm Sohn Willi Baugeschäft und Baustoffhandlung. Der Vater betrieb weiterhin das Sägewerk.

Wie andere Unternehmen profitierte auch die Firma Deu von der zunehmenden Bautätigkeit im Zusammenhang mit der Errichtung des Fliegerhorstes Pütnitz. Innerhalb kurzer Zeit mussten zahlreiche Wohnungen für das Flugplatzpersonal geschaffen und die Infrastruktur der Stadt ausgebaut werden. So kam es, dass bis zu 100 Mitarbeiter in dem prosperierende Unternehmen tätig waren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges pachtete Willi Deu das Sägewerk von seiner Mutter. Allerdings wurde seine Entscheidungsfreiheit durch einen staatlich eingesetzten Treuhänder stark beschnitten, Deu war lediglich als Betriebsleiter tätig.

1952 sah er sich mit dem Vorwurf hoher Steuerschulden konfrontiert. Ende Januar 1953 gab Deu auf und ging nach West-Berlin. Das Sägewerk wurde 1953 aufgelöst und diente als Betriebsgelände des VEB Kraftverkehrs Ostseetrans.

Nach der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplanentwurfs hatten Bürger und Behörden die Gelegenheit, sich zu dem Vorhaben zu äußern. Es seien keine Stellungnahmen abgegeben worden, heißt es seitens der Stadtverwaltung.

Gelände ist großflächig versiegelt

Im Zuge eines städtebaulichen Vertrages soll dem Investor die Erschließung des Plangebietes übertragen werden. Das Gelände hat es übrigens in sich. Zwar wurden die Gebäude bereits abgerissen, aber das ehemalige Betriebsgelände ist großflächig durch Betonflächen versiegelt. Nicht nur sie müssen beseitigt werden, sondern auch Fundamente.

„Was den städtebaulichen Vertrag angeht, liegen wir in den letzten Zügen“, berichtete Heiko Werth in der Sitzung des Stadtausschusses. Wie er weiter informierte, soll der Vertrag notariell bestätigt zur nächsten Sitzung der Stadtvertretung vorliegen. In dieser Sitzung wird dann die endgültige Entscheidung fallen.

Dies sei der letzte Schritt vor Baubeginn, machte Ausschussvorsitzender Andreas Gohs (CDU/FDP) in der Sitzung deutlich. Und er sagte weiter: „Es ist sehr gut, dass ein Investor gefunden werden konnte, der bereit ist, dieses Baugebiet zu erschließen. Wir brauchen in Damgarten dringend neue Bauflächen.“ Er verwies weiter darauf, dass „es nicht nur eine Nachfrage nach Einfamilienhäusern, sondern auch nach modernen Mietwohnungen und Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern“ gebe.

Stadt kann derzeit keine Baugrundstücke anbieten

Derzeit könne die Stadt in Damgarten kein einziges erschlossenes Baugrundstück anbieten, informiert Heiko Werth auf OZ-Anfrage. Alle, die vorhanden waren, seien vergeben. Zwar habe die Stadt mehrere B-Pläne in der „Pipeline“, aber bis auf den entsprechenden Grundstücken gebaut werden könne, werde noch einige Zeit vergehen, so Werth. „Insofern sind auch wir als Stadtverwaltung sehr froh darüber, dass sich ein privater Investor auf dem ehemaligen KVG-Gelände engagiert.“

Die Idee, das ehemalige Betriebsgelände für Wohnzwecke zu nutzen, ist nicht neu. Einen ersten Anlauf, hier ein neues Wohngebiet zu schaffen, unternahm bereits 2009 der damalige Eigentümer. Er suchte damals Partner, mit denen er das Vorhaben umsetzen wollte, seine Bemühungen blieben jedoch erfolglos. 2017 wurde das Gelände dann von einem Investor ersteigert. Er beantragte die Aufstellung eines Bebauungsplanes mit dem Ziel, 15 Einfamilienhausparzellen zu erschließen. Doch auch dieser Anlauf scheiterte, er verkaufte die Fläche an den jetzigen Eigentümer, einen Investor aus Rostock.

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Von Edwin Sternkiker

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