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Ribnitz-Damgarten Museumsleiter macht kulturhistorische Entdeckung
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Museumsleiter macht kulturhistorische Entdeckung
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00:00 27.07.2018
Barth

Ein Barther Meisterwerk ist in dieser Woche in seine Heimat zurückgekehrt. Doch die Radierung von Adolf Gustav Döring, Schwiegersohn des Barther Malers Louis Douzette, birgt noch eine weitaus spannendere Geschichte, weiß der Leiter des Vineta-Museums, Dr. Gerd Albrecht. Für die filigran gearbeitete große Radierung nutzte Döring nämlich als Vorlage das Ölgemälde „Die Brücke des Lebens“ von Walter Crane. Er kopierte das Bild des Engländers bis ins kleinste Detail. Für diese Vervielfältigung muss er die Erlaubnis von Walter Crane bekommen haben.

Gerd Albrecht mit der Radierung, die der Barther Maler Adolf Gustav Döring nach dem Vorbild des berühmten Engländers Walter Crane anfertigte. Das Original besitzt einen Wert in Millionenhöhe. Quelle: Foto: C. Riemer

Crane zählt noch heute zu den bedeutendsten Vertretern der Bewegung „Arts and Crafts“ und ist in Deutschland vor allem durch seine Illustrationen in Kinderbüchern bekannt geworden. „Seine Brücke des Lebens besitzt einen schier unschätzbaren Wert“, sagt Gerd Albrecht. Es sei ein Millionenbetrag. Niemand wisse, wo sich das Original befindet. Nur soviel: Es ist in privatem Besitz eines vermutlich sehr reichen Menschen. Bislang war nicht bekannt, dass Walter Crane und Adolf Gustav Döring sich kannten. Das fand der Leiter des Vineta-Museums heraus, als er die große Radierung von Döring auf der Internetseite eines Dresdner Kunsthändlers entdeckte. „Auf dem Bild steht sogar eine Widmung, die beweist, dass Döring das Bild für die Künstlerfreundin Junghans anfertigte.“

Vermutlich lernten sich Crane und Döring in London kennen. „Scheinbar hat Döring 1894 in England nicht nur im Zoo gearbeitet, wie uns seine Biografie lehrt, sondern auch mit Crane ein Bier getrunken und den Deal für diese Radierung verabredet.“

Für Kunsthistoriker ist diese neue Information sehr wertvoll. Dass der berühmte Schwiegervater Louis Douzette einflussreiche Freundschaften pflegte und in diesem Stil arbeitete, war zwar bekannt.

Doch dass auch Döring sich dem Stil verschrieb und Cane überhaupt jemals kennengelernt hatte, ist auch den Fachleuten neu.

Döring war bislang immer der verkannte Schwiegersohn Douzettes: Weniger bekannt, starb er trotz seines großen Talents 1938 vollkommen verarmt in Barth. Die Zusammenarbeit mit dem berühmten englischen Malers wirft nun ein völlig neues Bild auf den Maler, der als ausgebildeter Grafiker, sehr viel für den Stil des „Arts and Crafts“ übrig hatte. Die Vertreter dieser ersten Zeit, der maschinellen Produktion, wollten eine Rückbesinnung auf das Handwerk. Die Blütezeit des Stils liegt zwischen 1870 und 1920. Auch Adolf Gustav Döring war kein Liebhaber der Industrialisierung und sehnte sich mach dem Rückzug in die „gute, alte Zeit“. Deswegen habe er auch so gern Schafe gezeichnet, sagt Gerd Albrecht: „Die Tiere stehen für die Zuwendung zur Natur.“ Alles passt zusammen: Die Zeit, die Gesinnung und die Tatsache, dass Crane und Döring sich zeitgleich in London aufhielten. Die Radierung stammt aus dem Jahr 1900. 14 Jahre zuvor entstand das deutlich kleinere Farbbild von Crane.

Diese neue Erkenntnis und der Ankauf der sehr gut erhaltenen und symbloträchtigen Radierung veranlassten Albrecht, die Döring-Ausstellung im Vineta-Museum zu verlängern. Die neue Anschaffung wurde frisch in Rostock gerahmt und kann nun bis Ende August betrachtet werden.

Bis zum 23. August sollten auch alle Kinder ihre selbst gebastelten Schafe wieder aus dem Museum abholen. Zu Beginn der Ausstellung hatte Albrecht zu der Aktion aufgerufen. Dutzende selbst gebaute und durchaus kreative Schafe wurden gebastelt und in den Schaufenstern der Langen Straße versteckt, um auf die Döring-Ausstellung mit dem passenden Namen „Voll Schaf“ hinzuweisen. Die Schafe, die herrenlos bleiben, werden auf dem weihnachtlichen Kunsthandwerkermarkt in Barth für einen guten Zweck versteigert.

Die Brücke des Lebens

Das Bild zeigt die Etappen des Lebens. Von der Geburt auf der linken unteren Seite, über das Nähren, Lernen, Lehren und Verlieben. Auf dem Zenit umfasst Schutzgott Pan, der Hüter der Wälder und Wiesen, den Fuß eines Mannes. Das bedeutet, er befindet sich nun auf dem Höhepunkt seines Lebens, baut ein Haus für seine Familie und legt einen Garten an. Gleitet der Blick weiter über die dargestellte Brücke, sieht der Betrachter auch das Altern und schließlich am unteren rechten Bildrand den Übergang ins Totenreich.

Carolin Riemer

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