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Ribnitz-Damgarten Mit Noten im „Bummi“ fing alles an
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Mit Noten im „Bummi“ fing alles an
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17:01 12.08.2019
Katrin und Matthias Wand während einer Probe an der Nerlich- Orgel in der Prerower Seemannskirche Quelle: Elke Erdmann
Prerow/Köln

Geigerin Katrin Wand gibt mit einem Atemzug und einem Kopfnicken den Einsatz für die Orgel, an der ihr Ehemann Matthias sitzt. Dann verstehen sich beide blind, sind mit dem Rücken zueinander gekehrt. Zum Auftakt eines Benefizkonzertes in der Borner Kirche erklingt Allegro für Violine und Orgel G-Dur von Joseph Hector Fiocco (1703-1741). „Das ist eine Neuentdeckung. Ich habe dieses fröhliche Stück im Antiquariat gefunden. Immer bin ich auf der Suche nach Werken für Violine und Orgel. Bach und Mozart spielen wir sehr gern. Zum Glück gibt es in Born auch einen Flügel, denn Mozart komponierte viel für das Klavier“, sagt Katrin Wand. Um die beiden Musiker zu erleben, muss man nicht erst nach Köln reisen, wo sie seit September 1989 leben. Und nirgends ist man so nah am Musizierenden wie in der Borner Kirche.

Im 30. Jahr nach der Wende erinnern sich Katrin (56) und Matthias (59) Wand an den Beginn ihres gemeinsamen Lebens und an ihre frühen Erfahrungen mit Musik. „Als Kind habe ich schon immer gern gesungen. Mein Lieblingsspielzeug war ein Miniklavier mit zehn Tasten. Darauf habe ich alle mir bekannten Kinderlieder nach Gehör gespielt. Und dann gab es das Kinderzeitschrift „Bummi“. Auf der letzten Seite war jeweils ein Lied mit Noten abgedruckt. Um das selbst singen zu können, meldete mich meine Mutter in der Berliner Musikschule an.“ Jürgen Lampe, der die Eignungsprüfung durchführte, spielte ihr „mit strahlenden Augen“ auf seiner Geige ein Lied vor und wurde elf Jahre lang ihr Geigenlehrer.

Matthias, erst Messdiener, traktierte schon mit 13 Jahren im Gottesdienst die Orgeln in den Dörfern um Eisenach, wo er geboren wurde. „Ab April 1973 bekam ich Orgelunterricht beim Kirchenmusikdirektor Wolfgang Platzdasch, Stadtorganist von Eisenach.“

Katrin und Matthias begegneten sich 1986 in Weimar während des Studiums an der Musikhochschule „Franz Liszt“. „Wir lernten uns auf dem Fußballplatz kennen, wo regelmäßig die ‚Taster‘ gegen die ‚Streicher‘ spielten. Matthias erklärte mir die Fußballregeln.“ Im selben Jahr lud er Katrin zum gemeinsamen Musizieren nach Prerow ein. Sie wohnte in einer Dachkammer im Pfarrhaus bei Familie Schneidereit, Matthias bei Ella Löber in Althagen im Wohnzimmer. Sie selbst schlief in ihrer Keramik-Werkstatt. „Wir probten in der Ahrenshooper Kirche und saßen zum Tee oft in Ellas romantischem Garten.“

In Weimar wohnten sie gemeinsam. Katrin musizierte zwei Jahre in der Jenaer Philharmonie. Matthias studierte zunächst dreieinhalb Jahre in Görlitz an der Kirchenmusikschule, dann fünf Jahre bis 1988 in Weimar und schloss mit dem Staatsexamen für Kirchenmusik ab. Von 1987 bis 1989 leitete er den gemeinsamen Chor vom Erfurter Dom und der Kirche St. Severi. „In meiner scheinbar so attraktiven Arbeitsstelle gab es kein Rankommen an die Orgel. Das war mein Begehr, aber nicht möglich, weil der Vorgänger, zwar schon Rentner, die Stelle nicht freigeben wollte.“

Die politische Lage spitzte sich zu. „Ich hatte Angst vor einem Bürgerkrieg. In Berlin gab es mehr bewaffnete Posten als Straßenlaternen“, sagt Katrin Wand.

Matthias Wand bekam im September 1989 eine Konzertreise ins Rheinland für sechs Konzerte über die Künstleragentur der DDR. „Für jedes Konzert musste der Veranstalter im Westen 600 DM an den Organisten zahlen, und der war verpflichtet, 500 DM für das jeweilige Konzert an die Agentur abzugeben.“ Katrin fuhr zur selben Zeit zum 60. Geburtstag eines Onkels nach West-Berlin. „Das war unsere Chance.“ In Ungarn war schon die Grenze offen. „Am 1. Dezember 1989 begann meine Arbeit als Kirchenmusiker in Köln. Die Würfel waren gefallen.“ Katrin bekam zunächst eine befristete Stelle im Kölner Gürzenich-Orchester bei den 1. Geigen. „So waren wir super gelandet.“ Dann erhielt sie eine feste Stelle bei den 1. Geigen im Wuppertaler Sinfonieorchester. Das Paar heiratete 1990 und bekam fünf Kinder: Elisabeth, Veronika, Hildegard, Maria und Franziskus. Für die beiden letzten Kinder nahm Matthias die Elternzeit in Anspruch. „Das war schön für mich.“ Alle Kinder spielen ein Instrument, Elisabeth studiert Cello.

Seit 1992 verbringt die Musikerfamilie Wand den Sommerurlaub im Pfarrwitwenhaus Prerow und bereichert im Gottesdienst und mit ihren Konzerten das Kirchenleben auf dem Darß. Viele Jahre betreute der Freund Andreas Wirth aus Leipzig die kleinen Kinder, während die Eltern musizierten. „Wir sind dankbar, dass wir mit der großen Familie im Pfarrwitwenhaus wohnen dürfen, das so nach und nach saniert und von Kirchengemeindegliedern vor unserer Ankunft gereinigt und eingerichtet wird.“

Konzerte:

Sonntag, 11. 08., um 19. 15 Uhr zum Seemannskirchenfest in Prerow

Donnerstag, 22. 08., um 20 Uhr, Seemannskirche Prerow

Freitag, 23. 08., um 20 Uhr, Peter-Pauls- Kirche Zingst.

Von Elke Erdmann

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